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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Gefiederte Sprachgenies und schüchterne Schönheiten
Zwischenüberschrift:
Ein seltsames Hobby? Acht Osnabrücker beobachten mit Ornithologin Franke die Vogelwelt am Rubbenbruchsee
Artikel:
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Originaltext:
Bildunterschriften:

VON DER WATERKANT: Lachmöwe im Höhenflug

NUR NICHT AUFGEBEN!

STILLER GENIESSER: Bei diesen Temperaturen bekommt auch das Rotkehlchen kalte Füße und freut sich über die Sonne.

GERISSENES GENIE: Die Kohlmeise imitiert gerne den Ruf der Sumpfmeise und irritiert so manchen Hobby-Ornithologen.

HARTER KERL: Mit seinem kräftigen Schnabel zimmert der Buntspecht regelmäßig sein Nest in abgestorbene Bäume.

EISLAUFEN MIT FREUNDEN: Stockenten sind das ganze Jahr über am See - auch bei Eisgang.

NUR NICHT AUFGEBEN! Vogelbeobachtung erfordert vor allem zwei Dinge: ein gutes Fernglas und viel, viel Geduld. Vögel sind in der regel eher quirliger Natur. Aber nicht verzagen - der Anblick der gefiederten Tiere lohnt sich.

Artikel:

Osnabrück

An einem Wintermorgen am Rubbenbruchsee: Es ist kalt. Selbst die Vögel müssen nach dieser Nacht erst mal ein ausgiebiges Sonnenbad nehmen. Ein Rotkehlchen tschilpt in stoischer Ruhe vor sich hin. " Da", ruft plötzlich eine Frau, und acht Personen reißen gleichzeitig ihre Ferngläser hoch. Das Rotkehlchen verstummt verschüchtert. Diese plötzliche Aufmerksamkeit ist einfach zu viel.

Es ist neun Uhr, und die acht Damen und Herren, die sich um die Ornithologin Christiane Franke gruppiert haben, klammern sich gespannt an ihre Ferngläser. Das Rotkehlchen haben sie schon mal abgehakt. Nun wartet die restliche Vogelwelt des Rubbenbruchsees auf sie. Auch Ehepaar Domdey aus Osnabrück ist frohen Mutes.

" Wir haben diese VHS-Exkursion von unseren Enkeln geschenkt bekommcn", erklärt Jürgen Domdey. " Wir sind schon sehr gespannt." Schon Erfahrungen gemacht in Sachen Ornithologie? Ehepaar Domdey schüttelt den Kopf. " Nein, wir hatten nur mal einen Kanarienvogel." 9.10Uhr: Die Gruppe knirscht durch den Schnee Richtung See. Bereits zehn Meter weiter bremst der Ruf einer Meise ihren Schritt. " Das ist eine Sumpfmeise", ruft ein Teilnehmer, glücklich über sein Wissen. " Nein, nein. Das ist keine Sumpfmeise", erklärt Ornithologin Franke. " Das ist eine Kohlmeise, die eine Sumpfmeise imitierte." Ziemlich hinterlistig. Wer kann das schon ahnen! Ein ganz schönes Wirrwarr für den Anfänger. Der einzig eindeutige Ruf der Kohlmeise sei der Frühlings-Ruf, sagt Franke. Ein hoher und ein tiefer Ton. Klingt eben wie " Frühling, Frühling", ahmt die Ornithologin den Vogelruf nach. Eine Katze schleicht vorbei. Plötzliche Stille.

9.30 Uhr: Christiane Franke hofft auf Bergfinken. " Das sind echte Wintergäste aus Skandinavien", sagt sie. " Wunderschöne Vögel mit oranger Brust." Zunächst ziehen jedoch nur eine Kanadagans, eine Elster und ein Jogger vorüber. Die Elster regt zur Diskussion an. Abschießen oder nicht? " Natürlich raubt die Elster Nester aus und dezimiert so die Population der Singvögel", gibt Franke zu Bedenken. " Aber manchmal regelt die Na-•* tur so etwas auch von alleine. Rabenkrähen dringen immer weiter in Siedlungen ein. Die sind größer als Elstern und rauben deren Nester aus. Die Elster zetert dann meist, aber kann nichts tun." Grausame Natur. 10.30 Uhr: Immer noch keine Bergfinken in Sicht. Jogger Nummer fünf schlängelt sich mürrisch durch die Exkursionsgruppe. Sechs und sieben folgen. Das Problem sind die kalten Füße. " Auf Vogelexkursionen steht man meist nur rum", weiß Ernst Kosche, ein erfahrener Hobby-Ornithologe, zu berichten. Trotzdem sei die Vogelkunde ein schönes Hobby, auch inästhetischer Hinsicht. " Vögel sind einfach hübsche Tiere." Hinter Ernst Kosche hüpft eine Dame mit roter Pudelmütze auf und ab, um ihre Füße zu wärmen. Jürgen Domdey beneidet währenddessen die Gänse. " Die machen das schlauer", sagt er, " stehen immer nur auf einem Bein, und wenn das eine droht einzufrieren, wechseln sie." 11.05 Uhr: Jürgen Domdey ist verzweifelt. Hans-Georg Klinger hatte die Gruppe gerade auf einen Raum voller Erlenzeisige aufmerksam gemacht, die dort rumhängen - gerne auch mal kopfüber - und sich die Bäuche mit Erlensamen vollschlagen.Domdey schwenkt sein Fernglas hin und her in der Hoffnung, einen Vogel vor die Linse zu bekommen. " Oh Mann, die sind aber auch zappelig", ruft er entrüstet. Auch Christiane Franke hat Schwierigkeiten mit dem quirligen Tierchen. Sie hat extra ein Spektiv mit dreißigfacher Vergrößerung aufgestellt. Endlich. Nicht nur ein Erlenzeisig ist im Bild, sondern auch ein Stieglitz, der mit seiner roten Einfärbung um den Schnabel wie ein Clown aussieht. Bergfinken sind immer noch nicht gesichtet worden. 11.30 Uhr: Das erste Ehepaar verlässt heimlich die Gruppe. Die Füße sind wohl zu kalt und die Bergfinken egal. Auch Ehepaar Domdey qualmt so langsam der Kopf von den vielen Vogelnamen. Enten, Gänse, Rallen, Lachmöwen, Sturmmöwen, Silbermöwen, Tannenmeisen, Blaumeisen, Schwarzmeisen - hier herrscht Betrieb wie auf viel, viel Geduld. Vögel sind in einem Bahnhof. " Also wenn die Exkursion gleich zu Ende ist, fange ich nicht an zu weinen", meint Jürgen Domdey trocken. Seine Frau Gudrun widerspricht heftig. Sie finde es sehr schön und informativ. 11.40 Uhr: Ehepaar Domdey verlässt die Gruppe. Der Rubbenbruchsee ist einmal umrundet. Christiane Franke möchte noch einen Waldweg im Heger Holz entlanggehen - auf der Suche nach Bergfinken. Die Hartgesottenen unter den Hobby-Ornithologen folgen ihr.

" Ich fand Ornithologen früher immer ziemlich seltsam", erzählt Hans-Georg Klinger. " Dann hat mich aber einer meiner Kollegen für Vogelkunde begeistern können. Seit ich nicht mehr arbeite, bin ich fast jeden Morgen ab sechs Uhr unterwegs, am Dümmer oder in den Diepholzer Moorniederungen." Für ihn sei dieses Hobby Erholung pur.

12.06 Uhr: Christiane Franke ist zufrieden. " Im Winter kann man Vögel am besten beobachten", sagt sie, " weil noch kein Laub an den Bäumen ist. Außerdem singen noch nicht so viele." Die Gruppe nickt. Ja, sie haben heute viel gelernt: Über Kor-morane, die aussehen wie fliegende Kreuze, Meisen mit Fremdsprachenkenntnissen und über den ausgeprägten Jogging- und Fitnesswahn der Osnabrücker. Plötzlich jubelt Christiane Franke auf. Da sind sie endlich! Die Bergfinken!

Zur Sache: Vögel am Rubbenbruchsee

Vögel mit Clownsgesicht und Gefahrenwarnsystem

Der Rubbenbruchsee ist bekannt für seine Wasservögel. Die Stockente ist ein Dauergast hier. Bereits im Februar entbrennt unter den Enten die Leidenschaft, und die farbenprächtigen Männchen und eher bräunlichen Weibchen beginnen mit ihren Balzspielchen. Entennachwuchs ist dann ab Mai zu erwarten. Füttern sollte man die süßen Kleinen wie auch ihre Eltern auf keinen Fall. Der Winter ist einfach eine Zeit der Auslese. Auch der Haubentaucher, ein im Winter gräulicher Wasservogel mit langem Hals und im Frühjahr charakteristischer l laube, zeigt interessante Balzritua-le. Männchen und Weibchen schwimmen aufeinander zu, schütteln den Kopf, recken ihre Brust in die Höhe und schlagen mit den Flügeln - die so genannte Pinguin-Pose. Einer der größeren Wasservögel ist der Kormoran, ein äußerst begabter Fischer und damit größter Feind des Anglers. Er wurde jahrelang gejagt, so dass sich seine Population stark verringert hat. Am Rubbenbruchsee ist dieser Vogel nur zur Nahrungssuche, gebrütet wird an geschützteren Stellen. In den Wäldern um den See sind die Meisen besonders aktiv. Sie sind typische Wintervögel, weil sie die ganze Zeit im Jahr hier sind. Ebenso wie der Stieglitz, der Vogel mit dem Clownsgesicht, ziehen Meisen im Winter in Trupps umher. Nach dem Motto " Zehn Augenpaare sehen mehr als eines" schützen sie sich so vor Räubern. Im Frühjahr steht die Familie im Vordergrund. Die Vögel bilden Paare und hüten ihre Jungen in klar abgesteckten Revieren. Die Bergfinken sein ein echter Wintergast. Sie kommen aus Skandinavien, dem europäischen Teil Russlands und aus Sibirien. Die Tiere sind an ihrem weißen Bürzel (Übergang vom Rücken zum Schwanz), ihrer orangen Brust und ihrem weißen Bauch erkennbar. Im März fliegen sie wieder zurück in die Heimat.

Zur Sache: Ornithologie als Hobby

Ein Fernglas und viel Geduld

Ausrüstung: Die Ornithologie (Vogelkunde) ist ein unkompliziertes Hobby. Man brauche nur ein Fernglas mit sieben- bis zehnfacher Vergrößerung, Lust, sich draußen aufzuhalten und viel Geduld, erklärt Christiane Franke. Hilfreich ist außerdem ein Vogelbuch mit Abbildungen. Für den Anfänger am besten geeignet sind Bücher, die ausschließlich Auskunft über binnenländische Vögel in Mitteleuropa geben. Beobachtungsorte: Bereits im Stadtgebiet von Osnabrück lassen sich Vogelbeobachtungen durchführen. Im Bürgerpark und auf dem Hasefriedhof findet man zum Beispiel viele Kernbeißer mit riesigen Schnäbeln wie den Stieglitz. Am Gertrudenberg sind Spechte heimisch. Eine extreme Vielfalt gibt es natürlich am Dümmer.

Weitere VHS-Exkursionen: 19. März zum Rubben-bruchsee, 23. April in die Grünlandbereiche nordwestlich Osnabrücks und am 29. Mai an den Dümmer. Anmeldung unter Telefon 0541/ 323-2243 oder 323-4694.
Autor:
Dorte Eilers


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