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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das erste Theater der Stadt war ein alter Pferdestal
Zwischenüberschrift:
An der Großen Gildewart begann es
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Innenstadt
" Das Dach war anfangs so schlecht, dass die Schauspieler sich oft nass regnen lassen mussten, während sich die Zuschauer mit Regenschirmen schützten", schrieb zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Osnabrücker Theaterbesucher. Gemeint war der Vorgänger des stolzen Jugendstiltheaters am Domhof, das Alt-Osnabrücker " Theater an der Gildewart". Als es am 13. April 1819 eröffnet wurde, hatte das Theaterleben in Osnabrück bereits eine abenteuerliche Geschichte hinter sich.

Die Pionierzeit des Osnabrücker Theaters hat mit Pferdegeruch und Mist zu tun. Sie reicht zurück bis zu Bischof Klemens August [gestorben 1761), der während seiner Regierungszeit den Marstallflügel des Schlosses zum Hoftheater umbauen ieß. Erste Gehversuche mit einer einer Bühne machen die Osnabrücker Bürger 880 nach dem Umbau eines großen Pferdestalls im Waisenhof an der Großen Gildewart. Zehn Jahre lang durften sie freie Theaterluft schnuppern, bis napoleonische Besatzungstruppen dem Treiben 1890 einen Riegel vorschoben und hier ohne viel Federlesen erneut Pferde einteilten.

Als 1807 wieder fahrende Theatergruppen nach Osnabrück kamen, mussten sie ins Schlosstheater am Neuen Graben ausweichen. Später gastierten hier das " Nationaltheater des ersten Gouvernements" und die " Deutsche Schauspielgesellschaft".

Einflussreiche Osnabrücker, die Geschmack an einem eigenen Theater gefunden hatten, engagierten sich nach Schließung des Schlosstheaters 1818 für die Wiederbelebung des städtischen Theaterlebens und erreichten die Wiederherstellung " des großen Stalls" an der Großen Gildewart, der nach Abzug der Franzosen leer stand. Unter den Initiatoren waren namhafte Hasestädter wie Senator Carl Gosling, Stadtrichter Dr. jur. Ehmbsen und Stadtsekretär Dr. Gabriel Pagenstecher.

So standen hinter alten Giebeln im noch immer recht primitiven Domizil des Waisenhofes bald Lortzings " Undine", Mozarts " Zauberflöte" und Schillers " Don Carlos" auf dem Programm. Zudem gastierte im Frühling und im Herbst das Detmolder Hoftheater in Osnabrück. Albert Lortzing war von 1827 bis 1833 Mitglied dieses erfolgreichen Ensembles, zu dem auch Wilhelmine Schröder-Devrient gehörte, eine Sängerin von europäischem Format. Goethes " Clavigo" wurde hier schon zu seinen Lebzeiten gespielt. Und sogar ein Freund des Dichterfürsten, der Schauspieler Großmann, trat in Osnabrück auf.

Nach den Wirren der 48er-Revolution wurde es still um das Theater, bis 1865 Direktor Moritz Alexander Krüger den guten Ruf der Osnabrücker Bühne wiederherstellte. Die Preise waren niedrig und die Darsteller hoch angesehen in der Stadt.

Die Tage des alten Gildewart-Theaters gingen am 29. September 1909 zu Ende, als in der Amtszeit von Oberbürgermeister Dr. Julius Rißmüller das neue Jugendstil-Theater am Domhof eingeweiht wurde. Es war für 690000 Mark unter Regie des städtischen Baurats Lehmann an Stelle der Böselagerschen Kurie errichtet worden, die ehedem das alte Ratsgymnasium beherbergt hatte.

Das alte Theater:
Gespenster, Zauberer und Geister

Neben Oper und Schauspiel bot das frühe Theaterleben in der Hasestadt auch andere Höhepunkte. An einem Sonntag nach Neujahr flatterte einmal vor dem Kirchgang ein Flugblatt ins Haus, auf dem zu lesen war: " Heute große Elite-und Galavorstellung des berühmten kaiserlichrussischen Hof-Zauberkünstlers Professor Töpfer. Am Schluß Geister und Gespenstererscheinungen und Wunderfontäne. Das Theater ist gut beheizt." Tatsächlich erwärmten eiserne Öfen den Theaterraum im schlichten Renaissance-Zweckbau an der Großen Gildewart. Öl- und später Petroleumlampen erleuchteten ihn. Wie eng das Wohl und Weh des Alt-Osnabrücker Theaters mit äußeren Einflüssen verknüpft war, zeigt Folgendes: Als nach den sozialen Umwälzungen von 1848 die Lippische Landesvertretung die Zuschüsse für die " Ober-Ems- und Lippe-Departements-Schauspieler-Gesellschaft" strich und damit das Hoftheater aufhob, zahlte der Detmolder Kleinfürst noch weiter Unterstützung aus eigener Tasche. Mit seinem Tod nahm dies ein jähes Ende. Auch für das Osnabrücker Theater brachen damit schwere Zeiten an. (uls)

Bildunterschrift
AN DIESER STELLE befindet sich heute der Vorhof vom Haus der Jugend. An der Großen Gildewart stand bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg das Gebäude des alten Theaters. Das Foto (vor 1909) haben wir dem Buch " Alt-Osnabrück", Band 1, entnommen, erschienen im Verlag H. Th. Wenner.
Autor:
Ullrich Schärf


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