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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Als Flussbäder noch in Mode waren
Zwischenüberschrift:
Erste Badeanstalt an der Hase wurde im 19. Jahrhundert eingerichtet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Ullrich Schärf

Osnabrück

Das richtige Sommerwetter hat bisher lanqe auf sich warten lassen. Jeder warme Sonnnentag wird jetzt nach dem Beginn der großen Ferien genutzt, um endlich ins Freibad zu gehen.

In alten Zeiten konnten nur ganz wenige Bürger der Stadt schwimmen. Warum auch? Galt doch das Baden in offenen, kalten Gewässern damals als ungesund und sogar unmoralisch. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderte sich das in der Hasestadt mit dem Aufkommen der allgemeinen Turnerbewegung in Deutschland. Plötzlich war gesunde körperliche Ertüchtigung gefragt und somit auch das Schwimmen.

Nichts lag für die Osnabrücker näher, als in der Hase zu baden, da sie vom späteren Industrieschmutz noch verschont direkt vor den Toren der Stadt vorbeifloss. Um alles in geordnete Bahnen zu lenken, richtete der Magistrat nach den Befreiungskriegen unterhalb des Stadtgebiets zwischen der alten Ratswiese und den vorgelagerten Wiesen der Natruper Laischaft eine öffentliche Badestelle ein - " Pagentränke" genannt. " Das muss ungefähr da gewesen sein, wo heute die Bahnlinie nach Hannover die Haseüberquert, unweit der Wachsbleiche", wie Klaus Moniert vom städtischen Fachdienst Geodäten anhand alter Karten zeigt.

" Dies hätte man besser auf der anderen Seite der Stadt getan, aber da war es wohl zu sumpfig, denn bei ihrem Weg durch die unkanalisierte Stadt wurde das Flüsschen unter anderem mit Kot, Jauche und toten Haustieren verunreinigt." Obendrein stiegen an warmen Tagen die in Stadtnähe weidenden Kühe ins erfrischende Nass. All das muss aber dem neuen Badevergnügen im Freien keinen Abbruch getan haben.

" Da bisher oft an Orten öffentlich gebadet worden, wo es selbst mit Gefahren verbunden war und gegen die Sittlichkeit anstieß, in der Nähe der Stadt es demnach an einer Badestelle fehlte (...), ist nunmehr diesem Mangel von Polizeywegen abgeholfen worden", so der Wortlaut einer öffentlichen Bekanntmachung aus dem Jahr 1820. Die Tiefe des Wassers sei untersucht worden, auch habe man " die Grenzen zu beiden Seiten durch eine über den Fluss hingehende Vorrichtung bestimmt, und eine tiefere Stelle mit einem Pfahl bezeichnet".

Als Vorteil der " Pagentränke" sahen es die städtischen Beamten an, dass beide Uferseiten mit Erlen bewachsen waren, " um die Badelustigen den Augen der Umgebung zu entziehen". Die Stadtchronik weiß zu berichten, dass zur Sommerzeit ein polizeilicher Aufseher eingesetzt wurde, " welcher über Ordnung, Sittlichkeit und die Sicherheit der Kleidungsstücke wache, kleine Bequemlichkeiten anbiete und im zufälligen Unfalle gleich zur Hülfe komme". Weiter hieß es in der Bekanntmachung, " der Aufenthalt im Wasser darf sich, als im Übermaß ohnehin der Gesundheit nachtheilig, nicht über eine halbe Stunde erstrecken...".

Die Osnabrücker dürften die " Pagentränke" lange genutzt haben, denn in den alten " Osnabrücker Heimatblättern" ist nachzulesen, dass 1858 bei Überschreitung der Vorschriften Geldstrafen bis zu zehn Talern und sogar Gefängnis bis zu acht Tagen angedroht wurden. Trotz der neuen Kanalisation machte die zunehmende Industrialisierung mit den Jahren dieser ersten öffentlichen Badestelle ein Ende.

" Flussbäder waren in Osnabrück zur Gründerzeit in Mode", so Dieter Beckmann, ehemaliger Leiter des städtischen Sportamtes. " Es gab welche vom städtischen Unrat weitgehend unbelastet an der Nette in Haste, am Pottgraben und im Fledder an der Stelle des späteren Freibades Wellmannsbrücke - alle mit getrennten Herren- und Frauenbädern." 1883 "' baute die Stadt am Pottgraben ihr erstes festes Badehaus, den Vorläufer des späteren Pottgrabenbades.

Zur Sache

" Elektrizitätsapparat"

Osnabrück war in alten Zelten von Nichtschwimmern bevölkert, da man generell den Kontakt mit Wasser und Hygiene seit dem Mittelalter für wenig opportun hielt. Da in Osnabrücks erster Badeanstalt, der " Pagentränke", trotz des nicht allzu tiefen Wassers der Hase und mehrerer Sicherheitsvorkehrungen immer wieder Leute ertranken, schaffte der Magistrat vier Jahre nach Eröffnung im Jahre 1824 einen " Elektrizitätsapparat mit galvanischen Batterien" an - damals eine technische Sensation. Er diente zur schnellen Wiederbelebung der Verunglückten mithilfe von Stromstößen. Sachkundig bedient wurde er von einem " polizeylichen Aufseher". Ludwig Hoffmeyer berichtet in seiner Stadtchronik weiter, dass hier damals zwar kostenlos gebadet werden durfte, allerdings sollten auf Wunsch des Magistrats " die Wohlhabenderen die Dienste des Aufsehers durch eine geringe Erkenntlichkeit belohnen wollen".
Autor:
Ullrich Schärf


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