User Online: 1 | Timeout: 06:06Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Über der Altlast wächst so schnell kein Gras mehr
Zwischenüberschrift:
Tongrube: Stadt muss Boden nicht erneut austauschen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Über der Altlast wächst so schnell kein Gras

Tongrube: Stadt muss Boden nicht erneut austauschen

Hellern (hin)

Es sollte alles wieder so werden wie früher. Das hatte die Stadt versprochen, bevor die Bagger anrückten und die Grundstücke an der müllverseuchten Schnepperschen Tongrube einen Meter tief auskofferten. Hausbesitzer Karl-Otto Allerdisse wartet seit fünf Jahren, dass das Versprechen in seinem Sinne eingelöst wird - und konnte die Stadt auch gestern vor Gericht nicht dazu zwingen.

1999 hatte sich die Stadt vertraglich verpflichtet, auf 16 Grundstücken am Rande der ehemaligen Tongrube und späteren Müllkippe den Boden bis zu einer Tiefe von gut einem Meter auszutauschen. Geliefert werden sollte laut Vertrag ein " kulturfähiger Boden nach DIN 18915". Die Deutsche Industrie-Norm legt unter anderem die Wasserdurchlässigkeit des Bodens fest. Und der gelieferte Sand entsprach den Anforderungen nicht, wie ein Gutachter und das Verwaltungsgericht gestern feststellten.

Der Sand ist viel zu feinkörnig. Die Folge: Der Regen kann kaum versickern, der 650 Quadratmeter große Garten von Karl-Otto Allerdisse steht regelmäßig unter Wasser, und die Pflanzen gehen ein. Deshalb verlangte er von der Stadt, den Boden erneut auszutauschen.

Das muss die Stadt nicht, entschied das Verwaltungsgericht und verwies auf ein Sanierungsverfahren, das der Bodengutachter vorgeschlagen hatte. Demnach werden 50 Löcher von jeweils 30 Zentimeter Durchmesser im Abstand von 1, 50 Metergebohrt und mit Kies gefüllt. Die vertikalen Röhren sammeln das Wasser, lassen es bis auf eine undurchlässige Schicht absinken. Von dort kann das Wasser durch eine Drainage abfließen.

Allerdisse lehnte den erneuten Sanierungsversuch ab und pochte auf Einhaltung des Vertrages. Allerdings: Das Gesetz überlässt es dem Unternehmer (in diesem Fall ist das die Stadt als Beklagte), wie er einen Mangel aus der Welt schafft. Der Auftraggeber kann die Nachbesserung ablehnen, wenn sie unzumutbar oder ohne Erfolgsaussicht ist.

Beides trifft im Fall von Karl-Otto Allerdisse nicht zu, stellte das Verwaltungsgericht fest. Zwar müsse er schon wieder Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen und könne den Garten vorerst nicht so nutzen, wie er möchte. Doch am Ende sei zu erwarten, dass der Boden " in einen kulturfähigen Zustand versetzt wird", wie der Vorsitzende Richter sagte. Bei der Entscheidung spielten auch die Kosten eine wichtige Rolle: Das Sanierungsverfahren mit Drainageröhren kostet etwa vier Euro pro Quadratmeter. Der Bodenaustausch hätte 20 Euro pro Quadratmeter gekostet.

Mitte der achtziger Jahre sollte die ehemalige Tongrube mit Bungalows und Reihenhäusern bebaut werden. Doch dann kamen die Altlasten zu Tage. Die Gruben waren jahrzehntelang mit Mausmüll aufgefüllt worden. 1989 und 1991 verurteilte der Bundesgerichtshof die Stadt zu Schadenscrsatzzahlungen an die Bauherren. 1997 entpuppten sich die Belastungen als so schwer wiegend, dass der Boden von 16 Grundstücken ausgetauscht werden musste.

NEUER BODEN UNTER DEN FÜSSEN: Der Garten von Karl-Otto Allerdisse wurde wegen Müll-Altlasten saniert, doch der gelieferte Boden entsprach nicht den Qualitätsanforderungen. Er zog vor Gericht und scheiterte. Das Foto entstand 1999. Foto: Archiv / Michael Münch
Autor:
hin


Anfang der Liste Ende der Liste