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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Gebiet des Stadtteils galt als "unbewohnbar"
 
Rekordhalter bei der Zahl der Einwohner
 
"Nach wie vor eine Oase für Osnabrück"
Zwischenüberschrift:
Aus der Nähe betrachtet: Der Stadtteil Wüste
 
Vom unwirtlichen Sumpfland zum lebendigen Zuhause für Einwohner aller Altersgruppen
 
Was ist das Besondere an der Wüste?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Aus der Nähe betrachtet: Der Stadtteil Wüste

Gebiet des Stadtteils galt als " unbewohnbar"

Vom unwirtlichen Sumpfland zum lebendigen Zuhause für Einwohner aller Altersgruppen

Von Arne Köhler

Wüste

Vor acht Jahren löste die Wüste den Schölerberg als bevölkerungsreichsten Stadtteil in Osnabrück ab und liegt seither in der Statistik Jahr für Jahr jeweils um Haaresbreite vorn. Doch unabhängig davon, wie dieses Kopf-an-Kopf-Rennen in Zukunft ausgeht - ein Superlativ ist der Wüste in jedem Fall sicher. Sie ist und bleibt der Osnabrücker Stadtteil mit dem ungewöhnlichsten Namen.

Ein Name, der geradezu zu Wortspielen herausfordert. Die ironische Bezeichnung der Stadtteilbewohner als " Wüstlinge" ist eins davon. Und auch wenn es am Schölerberg, dem Zoo sei Dank, unstreitig mehr Kamele gibt als in der Wüste, kennt wohl jeder Wüstenbewohner die scherzhafte Frage, wo er denn sein " Wüstenschiff" gelassen habe.

Aber mit Abstand am häufigsten zu hören ist ein anderer alter Spruch - und der trifft sehr genau, was die Einwohner dazu bringt, dass sie so gerne in diesem Stadtteil wohnen: " Die Wüste lebt."

Denn für die Lebendigkeit dieses Stadtteils steht weit mehr als seine hohe Einwohnerzahl: In den Quartieren zwischen der Quellwiese, dem Schlosswall, der Martinistraße und der Bahnlinie nach Münster finden Menschen aller Altersgruppen nicht nur ein Zuhause, sondern auch zahlreiche Einrichtungen für ihre jeweiligen Bedürfnisse: Von Kindergärten über nahezu alle Schulformen bis hin zum Bischof-Lilje-Altenzentrum.

Dass es einmal so kommen würde, konnten sich unsere Vorfahren noch nicht vorstellen. Immerhin geht der Name " Wüste" auf das Wort " wöst" zurück: Das frühere Niedermoor in der Talsenke zwischen Kalkhügel und Westerberg galt ehemals als " unbewohnbar", so die Übersetzung dieses plattdeutschen Begriffes.

Um das Sumpfgebiet doch noch nutzbar zu machen, baute man im 18. Jahrhundert einen Entwässerungskanal: Der heutige Pappelgraben hat ebenso wie der als Regenrückhaltebecken erbaute Wüstensee großen Naherholungswert für die Stadtteilbewohner.

Die Gründerzeit brachte dann endgültig Leben in den Stadtteil: Während in der Vorderen Wüste erste Wohnhäuser entstanden, entwickelten sich zwischen Martinistraße und Jahnstraße Industriegrundstücke. Unter anderem begann hier die Erfolgsgeschichte der Osnabrücker Traditionsfirma Karmann, die auf dem Gelände der heutigen " Alten Fabrik Martiniviertel" unter anderem den legendären " Ghia" entwickelte.

Waren zu Beginn der Besiedlung noch die Überreste der alten Stadtmauer verwendet worden, um die noch immer sumpfigen Grundstücke trockenzullegen, gingen die Bauherren schließlich dazu über, diesen Effekt mit Hausmüll, Schutt, Schlacken und Aschen zu erzielen. Die Wüste ist also in weiten Teilen eine bewohnte Altlast. In den kommenden Jahren soll im Rahmen einer aufwändigen Bodensanierung dort eingegriffen werden, wo durch die frühere Baupraxis Schadstoffgrenzwerte überschritten werden.

Stadtteil-lnfo

Rekordhalter bei der Zahl der Einwohner

14 509 Einwohner in gut 10 000 Haushalten hat die Wüste und ist damit mit einem Vorsprung von 136 vor dem Schölerberg der Rekordstadtteil in Sachen Bevölkerungszahl (Datenstand 2003). 73 Prozent leben in einem Single-Haushalt. Dementsprechend sind nur gut 11 Prozent der Wüstenbewohner Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren - ein geringerer Prozentsatz findet sich nur noch in der Innenstadt (8, 5 Prozent). Dafür ist der Anteil der 18- bis unter 27-Jährigen (18 Prozent) und der 27- bis 40-Jährigen (gut 25 Prozent) im Stadtvergleich überdurchschnittlich hoch. Ihren niedrigsten Punkt hat die Wüste mit 61 Metern am Pappelgraben, am Beginn der Rohre bei der Sandstraße. Auf der Anhöhe westlich vom Gehöft " Kleine Nordhaus" geht es hinauf bis auf 90 Meter. (ack)

Was ist das Besondere an der Wüste?

" Nach wie vor eine Oase für Osnabrück"

" Man ist genauso schnell in der Innenstadt wie im Hörner Bruch", schwärmt Hans-Joachlm Riering. Sein ganzes Leben hat der 57-Jährige, bei der Sparkasse für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, in der Wüste gelebt. " Ein ganz normaler Stadtteil" sei sie, sagt er bescheiden, " aber eben schön". Denn neben einer guten Infrastruktur, die Riering als " relativ perfekt" beschreibt, gebe es in der Wüste viel Grün, lobt er, nicht zuletzt durch die weitläufige Schrebergartenkolonie " Deutsche Scholle". Nach wie vor, unterstreicht Riering, sei die Wüste deshalb " eine Oase für Osnabrück". Und trotz ihrer Nähe zur Innenstadt habe sie sich stellenweise sogar einen ländlichen Charakter erhalten: " Unser Nachbar hat zum Beispiel noch Hühner", verrät Riering schmunzelnd, " und mitten in der Stadt kräht jeden Morgen der Hahn." (ack)

EIN SPAZIERGANG IM GRÜNEN: Der bevölkerungsreichste Stadtteil verfügt unter anderem mit dem Wüstensee und dem einst als Entwässerungsgraben angelegten Pappelgraben über beliebte Naherholungsgebiete. Fotos: Jörn Martens, Klaus Lindemann

MOSKAU LIEGT IN DER WÜSTE - jedenfalls in Osnabrück. Das historische Foto des populären Freibades entstand 1931. Der 10-Meter-Sprungturm wurde im Krieg zerstört. Foto: Lichtenberg
Autor:
ack


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