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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Am Fernmeldeturm brütet der Wanderfalke
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Vogelkundler begeistert: Künstlicher Horst unter der Plattform bietet ideale Voraussetzung
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Am Fernmeldeturm brütet der Wanderfalke

Vogelkundler begeistert: Künstlicher Horst unter der Plattform bietet ideale Voraussetzungen

Von Gerhard Kooiker

Wldukindland

Euphorie bei den Vogelkundlern: Der Wanderfalke ist wieder da! Nach 75 Jahren kehrte er als Brutvogel nach Osnabrück zurück. Am Fernmeldeturm auf dem Schinkelberg hat sich ein Pärchen niedergelassen.

In 80 Meter Höhe, direkt an der Betonwand des Antennenturms, brachte unbemerkt ein Pärchen seine Brut durch. Es brütete so hoch in einem Kunsthorst, dass es kaum von jemandem gesehen wurde. Der Brutkasten hängt schon seit Jahren am Fernmeldeturm auf dem Schinkelberg, direkt unterhalb der Plattform.

Harald Gerken, vom Arbeitskreis Wanderfalkenschutz Nordseeküste, ein ehemaliger Telekom-Mitarbeiter, hat den Kasten in luftiger Höhe angebracht. Anfang Juni blickte der Hobbyornithologe Stefan Behrens nach oben und stellte verblüfft neben dem Kasten zwei Wanderfalken-Ästlinge fest, die bereits kräftig ihre Flügel trainierten. Ästlinge sind Jungvögel, die ihr Nest schon verlassen haben, aber noch nicht fliegen können. Sie werden von ihren Eltern auf einem Ast sitzend gefüttert.

Am Fernmeldeturm hat der Horst eine ideale Lage: Der Brutkasten hängt an der Südostseite und wird am Morgen von der Sonne beschienen, die nach einer kalten Nacht angenehme Wärme spendet.

Ab Mittag sorgt die gewaltige Plattform Turms für Schatten und schützt gleichzeitig vor Schnee und Regen. Der Turm ist steil und glatt, also weder für einen Steinmarder noch für einen Menschen ohne technische Hilfsmittel zugänglich. Das ist wichtig, denn es soll immer noch alljährlich mehrere illegale Aushorsungen geben. Von seinem Stützpunkt am Fernmeldeturm hat der Wanderfalke einen freien Ab- und Anflug und kann aus dem reichhaltigen Nahrungangebot wählen. Dazu gehören unzählige Vogelarten, die er im Flug schlägt. Dabei entfernt er sich bis zu drei Kilometer von seinem Horst. Tauben sind seine Hauptbeutetiere, daneben spielen Stare und Drosseln, Watvögel und Lachmöwen eine bedeutende Rolle. Das um 500 g schwere Weibchen und das um ein Drittel kleinere Männchen (Terzel) erreichen im Sturzflug auf ihre Beutetiere Geschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometern.

Die Jungvögel sind durch den wochenlangen Rundumblick mit der Landschaft vertraut geworden und inzwischen ausgeflogen. Sie werden noch etwa vier Wochen von den Eltern mit Nahrung versorgt. Dann begeben sie sich - ihrem Namen entsprechend - auf die große Flugwanderung, die alle Jungfalken unternehmen.

Der einmal bezogene Kunsthorst wird freiwillig selten wieder aufgegeben, so dürfen sich alle Naturliebhaber auf das nächste Jahr freuen, wenn die Falken hoch über dem Schinkelberg im pfeilschnellen Flug dahinsausen.

Zur Sache

Taubenjäger

1929 erlosch im Dörenberger Steinbruch das letzte Brutvorkommen des Wanderfalken im Osnabrücker Land durch den Abschuss des Männchens. Für den Rückgang der Greifvögel werden aber vor allem Pestizide verantwortlich gemacht. Der Deutsche Falknerorden begann in den 50er Jahren mit der Auswilderung der bedrohten Krummschnäbel. Dass es jetzt zu Bruterfolgen kommt, wird auch auf das Verbot des Pflanzenschutzmittels DDT zurückgeführt. Wanderfalken bevorzugen Tauben als Beutetiere. Wer sich über Taubenärgert, darf auf den Wanderfalken hoffen. Auch den Rabenvögeln, die vielen Menschen ein Dorn im Auge sind, droht eine Regulierung auf natürlichem Wege, wenn sich der Wanderfalke weiter ausbreitet.

AUF DER LAUER: Ein Wanderfalke, vor wenigen Tagen auf dem Schinkelberg fotografiert. Foto: Bernhard Volmer
Autor:
Gerhard Kooiker


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