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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Formfehler: Zoo-Gesellschaft muss neu wählen
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Alle Entscheidungen ungültig
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Formfehler: Zoo-Gesellschaft muss neu wählen

Alle Entscheidungen ungültig

Osnabrück (hin) Die Jahreshauptversammlung der Zoo-Gesellschaft wird wiederholt. Weil die Einladungen zu spät verschickt wurden, sind alle Beschlüsse nichtig.

Die Versammlung vom 26. März wird als eine der turbulentesten in die Geschichte der Zoo-Gesellschaft eingehen. Über vier Stunden diskutierten die Mitglieder lebhaft über Zukunftsprojekte wie den geplanten Tunnel zum Museum. Es war umsonst.

Denn ein Mitglied des Zoo-Vereins aus Georgsmarienhütte hat Widerspruch eingelegt. In einem Punkt gibt ihm das Präsidium Recht: Die Einladungen sind nicht fristgerecht versandt worden. Die Verantwortung für die Panne hat Zoo-Direktor Dr. Wolf Evertsübernommen: " Das ist meine Schuld, ich stehe dazu", sagte er gestern. Er habe angewiesen, die Post am 12. März zu verschicken, sie hätte aber an diesem Tag den Mitgliedern vorliegen müssen.

Damit sind wichtige Entscheidungen nichtig, unter anderem die Wahl des Vizepräsidenten Hans Cromme, der sich mit elf Stimmen Vorsprung in geheimer Wahl gegen Amtsinhaber Burkhard Fromme durchgesetzt hatte. Heide kündigten am Osterwochenende an, erneut zu kandidieren. Der Termin für die Wiederholungs-Versammlung steht noch nicht fest.

Der bisherige Vizepräsident Fromme ist scharfer Kritiker der Tunnel-Pläne. Kosten und Nutzen stünden in keinem vernünftigen Verhältnis, sagt er. Außerdem gebe es im Zoo " andere Projekte, die dringender sind". Cromme dagegen will die Machbarkeitsstudie abwarten. " Wir brauchen Fakten, bevor wir entscheiden. Ich bin offen für Ja und Nein."

Die Zoo-Gesellschaft ist tief gespalten in der Frage, ob die Millionen-lnvestition in eine unterirdische Erlebniswelt sinnvoll ist. Das spiegelt sich auch im Präsidium wider: Präsident Reinhard Coppenrath hatte Tunnel-Gegner Fromme zur Wiederwahl vorgeschlagen, Präsidiumsmitglied Wolfgang Schenk den Gegenkandidaten Cromme.

Die Bundesumweltstiftung untersucht zurzeit, ob eine unterirdische Verbindung machbar ist. Die Studie kostet rund 62 000 Euro und wird zur Hälfte von der Umweltstiftung bezahlt. Die andere Hälfte steuert der Zoo bei, und zwar als Eigenleistung. Im Klartext: Die Arbeitszeit des kaufmännischen Direktors Andreas Busemann wird angerechnet.

Busemann weist Vorwürfe zurück

Die weiteren Anfechtungen des GMHütter Vereinsmitgliedes weist die Zoo-Führung entschieden zurück. Der Beschwerdeführer wirft Präsidium und Geschäftsführung Wahlbetrug vor. Es seien " an Einzelpersonen" zwei Wahlscheine abgeben worden. Das sei in einem Fall geschehen, erklärt Busemann. Dabei habe ein Mitglied eine Wahlkarte für die nicht anwesende Ehefrau erhalten. Das Verfahren sei seit Jahrzehnten üblich, allerdings nicht durch die Satzung gedeckt. Busemann kündigte an, eine Änderung der Satzung zu beantragen, um diese Gepflogenheit rechtlich zu verankern. Die Vorstandswahl sei dadurch nicht gestört worden. Es waren nach seinen Angaben 233 Mitglieder anwesend, 234 Wahlscheine wurden ausgegeben und bei der Präsidiumswahl abgegeben.

Schwächen im System

Von Wilfried Hinrichs

Es ist schon merkwürdig: Der Zoo legt die beste Jahresbilanz aller Zeiten vor und liefert trotzdem schlechte Schlagzeilen. Busemann, Everts und Co. erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen satten Gewinn von 775 000 Euro. Die höchste Besucherzahl, die höchsten Eintrittserlöse und Sponsorengelder, große Investitionen - siehe Afrika-Panorama -, eine Reserve von 1, 8 Millionen Euro für weitere Projekte und ein fulminanter Saisonauftakt an diesem Osterwochenende: Kein Zoo in Deutschland kannÄhnliches vorweisen.

Doch statt die überaus positive Entwicklung ins rechte Licht zu rücken, streiten sich Mitglieder der Zoo-Gesellschaft über ein Projekt, das über das Stadium der Idee noch gar nicht hinausgekommen ist. Eine Entscheidung für die Machbarkeitsstudie ist noch keine Entscheidung für das Tunnel-Projekt. Warum also warten die Kritiker nicht einfach in Ruhe das Ergebnis der Studie ab? Es gibt keinen Anlass, der Untersuchung zu misstrauen - die den Zoo keinen Cent kosten wird. Auf der Grundlage dieser Expertise können sich Mitglieder, Präsidium und Kuratorium leichter ein Urteil bilden.

Und damit sind wir bei einem Kernproblem: das Nebeneinander von mehreren Entscheidungsgremien. Kuratorium, Präsidium, Mitgliederversammlung und zwei Geschäftsführer müssen harmonieren, sonst blockieren sie sich gegenseitig. Solange es keine grundlegenden Meinungsverschiedenheiten gibt, funktioniert das System. Aber im Konfliktfall, und den erleben wir jetzt, können Entscheidungen verzögert und Kompromisse erzwungen werden, die die Entwicklung des Zoos unnötig bremsen.
Autor:
hin


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