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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Notizen zum Funktionswandel der Innenstadt
Zwischenüberschrift:
Freiräume in der Stadtarchitektur
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Notizen zum Funktionswandel der Innenstadt

Freiräume in der Stadtarchitektur

Von Frank Henrichvark

Osnabrück
" Mit dem Zweiten sieht man besser", so beteuert zumindest das Zweite Deutsche Fernsehen. Oftmals sehen auch fremde Augen besser: Der Neumarkt komme ihm vor wie ein großer Schnitt durch die Stadt, sagt Prof. Gustavo Pinero, Architekt und Städtebauer mit einem Lehrstuhl an der Universität Córdoba in Argentinien, " aber unsere Aufgabe ist es doch, Einheiten herzustellen".

Das Fachgebiet Landschaftsarchitektur an der Fachhochschule in Osnabrück veranstaltete eine Tagung zum Thema " Fußgängerzone oder Shopping Mall - welcher Freiraum für die Stadt?" Beim Ortstermin im Rahmen der von Prof. Dirk Manzke betreuten Tagung mitten auf dem Neumarkt wurde Gustavo Pinero dann noch etwas deutlicher: Ein Shopping-Center etwa im Landgerichtsgebäude berge für ihn die Gefahr, den von sich aus multifunktional angelegten Ort vollends " auseinander zu reißen." Die Fußgängerzone dagegen erinnere ihn in vielen Aspekten an seine Heimatstadt Córdoba. Dort wie hier seien dies " urbane Knoten", belebte Orte mit vielfältigen Funktionen und einer zwar sparsamen, aber dennoch belebten Ausstattung.

Funktionen der Stadt werden entmischt

All dies waren akademischpraktische Anmerkungen eines Städtebauers nach einem einwöchigen Aufenthalt in Osnabrück. Gemacht vor dem theoretischen Hintergrund einer Tagung, die sich mit dem tief greifenden Funktionswandel der Innenstädte in Europa beschäftigte: Die historischen Städte sind in den letzten 50 Jahren zunehmend entmischt worden. Die Funktionen Wohnen, Arbeiten, Einkaufen wurden dabei getrennt. Die Fußgängerzonen gewannen zwar an Urbanismus zurück, so erläuterte Prof. Dirk Manzke, allerdings um den Preis einer Reduktion auf den durchschreitenden Menschen. " Selbst der Radfahrer ist in der Fußgängerzone nicht mehr erwünscht." In letzter Steigerung gäben sich dann die Shopping Mails als klimatisierte und regulierte City, " ohne allerdings je wirklich Stadt sein zu können".

Denn der widerspruchsfreien Welt der Shopping Mall fehle in jedem Fall der authentische Raum einer gewachsenen Stadt: Sie bietet eine privatisierte Öffentlichkeit und damit einen Gegensatz zum kulturell determinierten Freiraum der öffentlichen Stadtkultur europäischer Prägung, so sagte Manzke.

Eine These, die im Laufe der Tagung an mehreren Beispielen erläutert wurde: So haben die Niederlande auf das Experiment der Shopping Malls völlig verzichtet, weil hier die gewachsene Urbanität der Städte stärker wiegt.

Und am Beispiel der riesigen Mall in Wróclaw/ Breslau, die Prof. Andrej Poniwierka vorstellte, wurde der Gegenpol sichtbar: Hier entstand eine " klimatisierte Fußgängerzone", die den innerstädtischen Einzelhandel gewissermaßen abgesaugt hat - mit allen negativen Folgen.

ANMERKUNGEN ZUR FUNKTION INNERSTÄDTISCHER FREIRÄUME am Beispiel Osnabrück machten die Städtebauer Prof. Gustavo Pinero (links) und Prof. Dirk Manzke im Rahmen einer Tagung an der FH Osnabrück.
Foto: Michael Hehmann
Autor:
Frank Henrichvark


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