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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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"Tragische Arbeiterlieder" im Kabarett
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im April 1904: Von Unterhaltungskünstlern und Feiertagsvergnügungen
Artikel:
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Originaltext:
" Tragische Arbeiterlieder" im Kabarett

Osnabrück im April 1904: Von Unterhaltungskünstlern und Feiertagsvergnügungen

Von Christiana Keller

Wie schön hätte es sein können, das Osterwetter. Aber der Reporter der Osnabrücker Zeitung berichtete im Rückblick enttäuscht: " Das Feiertagswetter war nichts weiter als unbefriedigend. Es regnete eindringlich alle Viertelstunde, so dass sich jeder Aufenthalt im Freien unangenehm gestaltete. Am 2. Feiertag schien sich das Wetter aufhellen zu wollen, aber - wie gesagt - es schien nur so."

Kurz nach Ostern forderte ein Wettkampf die hiesigen Turnvereine heraus. Gesucht wurden die geeigneten Persönlichkeiten für das Gauturnfest im Juli. Der Vergleich fand in zwei Schwierigkeitsgraden statt, und alle Turner die sich schon in der Vergangenheit durch einen Preis auf einem Kreis- oder Gauturnfeste hervorgetan hatten, mussten den schwierigeren Grad erkämpfen.

Zugelassen waren nur Pflichtübungen nach den Richtlinien der deutschen Wettturnordnung. Zum Glück lockte anschließend ein Festmahl im Hackmann' schen Saale und ein fahnengeschmückter Festumzug am Nachmittag.

Schon am 9. April 1904 " blühte der Freeden". Trotz der langen Kälteperiode stand der Lerchensporn auf dem Höhenzug bei Bad Iburg in voller Schönheit für alle Ausflügler bereit. Wem der Freeden zu weit war, dem bot sich auch im Schlosspark eine größere Fläche Lerchensporn in verschiedenen Farben an.

Als Herausforderung an die Toleranz für das Osnabrücker Publikum erwies sich das Gastspiel des Kabaretts " Die 11 Scharfrichter" aus München. Vor spärlich gefülltem Saal im Harmonieclub präsentierten die Kabarettisten ihr sprühendes und ironisches Programm. Die Sängerin Maya Delvard trug deutsche und französische Chansons vor, " ohne die Grenze des Schicklichen zu überschreiten", wie der Reporter am nächsten Tag schrieb.

Doch die Resonanz auf die Scharfrichter war insgesamt geteilt. Die neuartigen Töne dieser " eleganten, intimen und teilweise heiklen Kunst" von der Bühne des Harmonieclubs, die sonst für ihre " erhabenen" Beiträge bekannt war, wirkten befremdlich. Es gab tragische Arbeiterlieder, leicht geschürzte Chansons und ironische Parodien, eine zu ungewohnte Kombination. Der Kritiker schrieb " dennoch: was uns hier geboten wurde ist wirkliche Kunst."

Da blieb man lieber bei den eigenen Angelegenheiten, zum Beispiel beim Thema Hygiene. Die Osnabrücker Badehausgesellschaft erweiterte ihr Angebot wegen steigender Nachfrage. Neben den 10-Pfennig Bädern am Samstag wurden nun auch 10-Pfennig Bäder an jedem Mittwoch angeboten.

Erfreuliches berichtete auch die Feuerwehr. In Osnabrück waren jetzt 460 Mann auf Abruf einsetzbar. Es gab die (freiwilligen) städtischen Spritzencorps 1 bis 8, die Hegerlaischaftsspritze, die Steigerabteilung der Turnerfeuerwehr und das Korps der Werkleute. Die Nr. 8 aus Eversburg war erst 1903 neu gebildet worden, sie umfasste allein 40 Leute, die im Brandfall ausrücken konnten.

Noch immer herrschte Schulmangel, nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt selbst. Die Domgemeinde reagierte darauf mit dem Neubau einer " Lehranstalt" an der damaligen Riedenstraße, heute Erich-Maria-Remarque-Ring. Dreistöckig sollte das Gebäude werden und 18 Klassen Raum bieten. Den Schulhof teilte man sich mit der bereits bestehenden Schule am Herrenteichswall.

Die Penter Tonwaren Industrie August Hölscher & Cie., die alle Klinker für die Fußwege der Stadt geliefert hatte, wurde im April 1904 verkauft. Für 32 000 Mark ging das Unternehmen in den Besitz der Firma Penter Ziegelei- und Tonwerke über. Hölscher spezialisierte sich stattdessen auf Dachziegel und Tonrohre.

Ende April duftete der Waldmeister bereits verlockend und zog die Pflanzenkundigen in die nahen Wälder. Um die Pflanzen zu schonen, wies die Zeitung darauf hin, den Waldmeister nur zu schneiden, beim Pflücken würden zu viele Wurzeln ausgerissen. Immerhin sollte der Maiwein der kommenden Jahre auch noch seine besondere Würze erhalten.

FEUERWEHRKAMERADEN: Osnabrück vergrößerte im Frühjahr 1904 sein Feuerwehrkorps: Ausrüstung und Uniformen sahen damals aus wie bei diesem Bild aus Beim von 1909.
Autor:
Christiana Keller


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