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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Sprachförderung inklusive Beförderung
Zwischenüberschrift:
Steppkes fahren ein paar Meter von der Overbergschule zum Joseph-Kindergarten im Taxi
Artikel:
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Originaltext:
Sprachförderung inklusive Beförderung

Steppkes fahren ein paar Meter von der Overbergschule zum Joseph-Kindergarten im Taxi

Osnabrück (swa) Für die rund 200 Kinderschritte messende Distanz zwischen Schule und Kindergarten fahren sieben Steppkes mit dem Taxi einmal um den Block.

Die sieben Kinder aus dem Kindergarten St. Joseph am Schölerberg nehmen seit einigen Wochen an der vorschulischen Sprachförderung teil. Zuständig für die Förderung der Kinder, die im kommenden Schuljahr eingeschult werden, ist die Overberg-Grundschule. Rund 400 Euro zahlt die Stadt für den motorisierten Transfer, der etwa ein halbes Jahr lang notwendig ist. Von den etwa 1400 Osnabrücker Kindern, die im kommenden Sommer eingeschult werden, benötigen derzeit 294, rund 20 Prozent, eine Sprachförderung. Die Kinder werden in der Regel im Kindergarten gefördert. 26 Kinder müssen auf Kosten der Stadt befördert werden.

Ob' s nicht etwas preiswerter geht, gerade in Zeiten, in denen die öffentlichen Haushalte tief in den roten Zahlen versinken - auf diese Frage antwortet Hans-Georg Freund, Leiter des Fachbereichs Schule / Sport bei der Stadtverwaltung: " Wir haben alles versucht, aber es gab keine andere Lösung." Und nach dem Schulgesetz ist die Stadt verpflichtet, einen verkehrssicheren Schülertransport sicherzustellen und zu bezahlen.

Die sieben Sprachförderschüler auf dem Drei-Minuten-Fußweg von der Overbergschule zum Kindergarten mit einer Lehrkraft zu begleiten, sei keine Alternative. Die Leitung der Overbergschule teilte auf Neue-OZ-Anfrage mit: Aus organisatorischen Gründen sei niemand abkömmlich, zumal die nächste Unterrichtsstunde kurz nach dem Sprachförderkurs beginne. Der Hausmeister oder ehrenamtliche Helfer dürften die Kinder aus " versicherungstechnischen" Gründen nicht eskortieren. Und so ungefährlich sei der Fußmarsch am Freitagmorgen auch deshalb nicht, weil durch den Wochenmarkt reger Betrieb auf der Strecke herrsche. " Und dass die Kinder gut und sicher durch den Straßenverkehr kommen, sollte uns allen am Herzen liegen."

Aber auch Kindergartenleiterin Gudula Tschirnich verspürt wenig Neigung, für eine Lösung mit weniger logistischem Aufwand zu sorgen. Eine Erzieherin zum Abholen der Kinder loszuschicken wäre eine weitere Aufgabe, die auf sie und ihre Kolleginnen abgewälzt würde. Die Verantwortlichen für die an sich sehr sinnvolle Sprachförderung hätten über die praktische Umsetzung offenbar wenig nachgedacht.

Dass die Eltern im wöchentlichen Wechsel ihre Kinder auf dem Weg zu Fuß begleiten, scheint offenbar auch nicht möglich zu sein. Jede Familie würde bei dieser Lösung einmal in sieben Wochen beansprucht. Auch das sei in Vorbesprechungen erwogen worden, sagte Hans-Georg Freund von der Stadt. Da die Eltern aber alle berufstätig seien, habe man diese Alternative zur Taxifahrt als " unzumutbar" verworfen.

Teure Fahrten

Turngeräte statt Taxi

Von Michael Schwager

Ein geschäftstüchtiger Mensch sollte der Stadt ein Konkurrenzangebot machen für den Transfer der Kinder von der Schule zum Kindergarten: die Begleitung zu Fuß zum halben Preis. 200 Euro für etwa 20-mal zehn Minuten Arbeit im Halbjahr, das macht einen Stundenlohn von 60 Euro - nicht schlecht. Aber Spaß beiseite: Wenn Kinder einen kurzen Fußweg nur im Taxi zurücklegen können, weil alle anderen Möglichkeiten nicht infrage kommen, dann stimmt was nicht. Weder Eltern noch Lehrer oder Erzieher halten sich für zuständig, ein kleines Problem aus eigener Kraft und ohne Kosten für die Allgemeinheit zu lösen. Ein Problem, das dadurch entsteht, dass die Jungen und Mädchen eine besondere Förderung erhalten, um in der Schule besser klarzukommen. Man kann nur hoffen, dass der Fall eine unrühmliche Ausnahme darstellt und es um die Eigeninitiative im Lande grundsätzlich besser bestellt ist. Mal ernsthaft überlegt: Wie viel Sinnvolles könnte man in einem Kindergarten oder einer Schule mit 400 Euro pro Halbjahr anfangen? Turngeräte, Bücher, Computer. Und nebenbei: In den armen Ländern dieser Erde reichen im Durchschnitt 60 Euro, um einem Straßenkind ein Jahr lang den Schulbesuch zu ermöglichen. Wir leisten uns davon lieber Taxi-Ausflüge über 100 Meter.

DER FUSSWEG (gelbe Linie) von der Overbergschule zum Kindergarten St. Joseph wäre für eine Kindergruppe in drei Minuten zu bewältigen. Aus verschiedenen Gründen scheint jedoch eine Taxifahrt die einzige Lösung für das Transport-Problem zu sein.Foto: Gert Westdörp
Autor:
swa


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