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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Der Bocksturm zu Osnabrück Teil 2
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Friderici sagt im ersten Bande der Geschichte der Stadt Osnabrück S. 31, daß der Bocksturm vermuthlich zu dem nahe dabei gelegenen unstreitig befestigt gewesenen Hofe der osnabrückischen Kirchenvögte gehört habe. Das ist von andern nachgesprochen und als zweifellose Wahrheit hingestellt worden. Jndessen haben wir dagegen doch das Bedenken, daß wir alsdann schwer begreifen können, auf welche Weise der Turm so früh von jenem Hofe getrennt worden, da der ganze Hof erst 1619 in den Besitz der Stadt gekommen, der Turm aber schon um 1300 ein städtisches Gefängniß gewesen ist. In der blühendsten Periode des Faustrechts und des mittelalterlichen Ritterthumes werden sich doch schwerlich die Grafen von Tecklenburg haben entschließen können, ein so wesentlich notwendiges Stück ihrer Befestigung an die Stadt abzugeben, die es in dieser gefährlichen Nähe zum größten Schaden der Burgleute hätte verwenden können, und vielleicht auch wirklich dann und wann mag verwandt haben. Denn daß Osnabrück oft genug mit den Tecklenburgern in Fede gelegen, ist gar keine Frage.
Ob der Bocksturm vom Anfang an zur Befestigung der Stadt gedient hat, ist auch schwer zu ermitteln. Wir wissen nicht, wie alt er sein mag; aber wissen genau, daß er Jahrhunderte älter ist als unsre Wälle, die ihn als ein schon vorhandenes Bollwerk in sich aufnahmen. Osnabrück ist übrigens mehrmals befestigt worden. Jm J. 1280 gab Kaiser Rudolf I. den Bürgern das Privilegium de munienda civitate d. h. das Recht, ihreer Stadt zur Sicherung gegen die Feuerpfeile ihrer Feinde ohne jemals Widerspruch mit Gräben zu umziehen, und diese nach Belieben zu erweitern; bei dieser Gelegenheit sind ganz gewiß auch neue Mauern gezogen worden. Ob die Bürgeer damals von ihrem Privilegium Gebrauch gemacht und ihre Stadt mehr befestigt haben, wissen wir freilich nicht, und Lodtmanns Acta osnabrugensia nehmen geradezu an, es sei nicht geschehen; vermuthen darf man, daß Gräben angelegt wurden, die vielleicht im J. 1553 eine ganz andre Lage erhalten mußteen. Aber es gab noch ältere Festungswerke, von deren Ursprung wir nicht das geringste wissen, z. B. die über den Hügel unterhalb der Musenburg den Bocksturm gegenüber streichende hohe Mauer, die uns viel uralte Geschichten erzählen würde, wenn sie sprechen könnte. Mit dieser ältesten Befestigung kann der Bocksturm nicht wohl in Verbindung gestanden haben, wie der Augenschein beweist; dagegen ist wohl anzunehmen, daß im J. 1280 der Stadtgraben keine andere Lage erhalten konnte, als die, in welcher wir ihn noch gekannt haben, und wo jetzt eine Wiese und gewesene Schleifmühle sich zwischen dem Heger- und Natruper-Thore befindet. Vielleicht hat man damals bei der Anlage des Grabens, wenn eine solche wirklich erfolgt ist, sich genöthig gesehen, die auf dem Westerberge (Kalkhügel) belegenen, nur mit Stroh gedeckten Häuser, welche gegen die damals in Gebrauch gekommenen Feuerpfeile nicht zu schützen waren, der Zerstörung preißzugeben, während man die äußere Stadtmauer als ein nutzbares Bollwerk stehen ließ; dann wäre es freilich wohl ganz natürlich gewesen, da´man zwischen den genannten Thoren diesseit des Grabens eine neue Stadtmauer zog, und in dieselbe auch den alten Bocksturm aufnahm. Allein von einer solchen inneren Mauer erzählt uns die Geschichte nichts; und wenn wir den Turm ganz unten auf der Stadtseite betrachten, so bemerken wir an der südlichen Ecke, daß man im J. 1553 die zu ihm gehörende Mauer nicht hat abbrechen können, ohne ihn selbst zu beschädigen, woraus denn zu folgen scheint, daß diese Mauer nicht später an ihn angemauert sein kann, sondern nothwendig mit ihm zugleich entstanden sein muß. Wir dürfen uns überhaupt in der ältesten Periode seines Daseins die Nachbarschaft des Turmes nicht als eine enge Gasse, Bocksmauer genannt, und mit niedrigen Hütten angefüllt vorstellen; war ein Tecklenburger Hof sein Nachbar, oder gehörte er gar selbst zu demselben, so stand er ganz gewiß in der Nähe großartiger Gebäude.
Wie alt mag er nun sein? Betrachten wir ihn von der Stadtseite, wo er nicht rund ist, so erblicken wir sechs zugemauerte Oeffnungen, und dürfen wohl annehmen, daß noch zwei derselben oben drüber gewesen, aber durch den Abbruch des oberen Theiles zerstört worden sind; und diese Oeffnungen haben sich paarweise neben einander befunden. Welchen Zweck hatten sie? Die beiden unteren können Thürer gewesen sein, sind aber so hoch, daß alsdann eine Treppe vorausgesetzt werden muß. Der jetzige Eingang vom Walle aus ist gewiß nicht der ursprüngliche, und jedenfalls erst im J. 1553 von außen eingehauen, nachdem das untere Geschoß durch die Anlage des Walles in ein finsteres Verlies verwandelt und zum Eingang untauglich geworden war. Aber was bedeuteten die oberen Oeffnungen, als man sie angelegte? Für Fensteröffnungen schienen sie uns zu breit, und als Ausgang zu einer Galerie hätte doch wohl nur das eine Paar dienen können, da wir uns schwerlich mehrere Galerien über einander werden vorstellen dürfen. Wir wagen aud diese Frage nicht zu antworten, bemerken aber, daß die beiden unteren Oeffnungen mit Rundbögen, die vier oberen mit Spitzbögen versehen sind, ahnlich wie wir es an dem älteren Theilen des Marienturmes bemerken, von welchen wir wissen, daß er 1147 noch nicht, aber wohl 1248 vorhanden war. Nach dieser zugemauerten Oeffnungen zu schließen, könnte die Entstehung des Bocksturmes in jene Periode der Baukunst fallen, die als Uebergang aus dem romanischen in den gothischen Baustyl betrachtet wird, und das würde das Jahrhundert zwischen 1100 und 1200 sein. Wäre dieser Schluß richtig, so zählte er jetzt höchstens 700 Jahre, während andere ihn aus dem Zeitalter der Karolinger stammen ließ, und ihm also ein mehr als tausendjähriges Alter zugeschrieben.
Nachschrift. In No. 224 vom Donnerstag heißt es S. 2174 irrig, Daß der erste osnabrückische Bischof im J. 738 ernannt sei; das soll heißen 783.
(Fortsetzung folgt.)


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