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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Pye wächst und Nordrhein-Westfalen muss bluten
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Wenn die Landesgrenze trockenfällt: Nach der Hase-Verlegung muss ein neuer Staatsvertrag ausgehandelt werden
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Originaltext:
Pye wächst, und Nordrhein-Westfalen muss bluten

Wenn die Landesgrenze trockenfällt: Nach der Hase-Verlegung muss ein neuer Staatsvertrag ausgehandelt werden

Von Rainer Lahmann-Lammert

Pye
Früher wurden Kriege geführt oder Prinzessinnen verheiratet, um Ländergrenzen zu verschieben. Pye, einwohnermäßig eher ein Winzling unter Osnabrücks Stadtteilen, vergrößert sich ganz stiekum. Und lässt die Bundesrepublik Deutschland die Arbeit machen. Pech für Nordrhein-Westfalen. Das Nachbarland muss bluten.

" Hier baut die Bundesrepublik Deutschland." Nein, keine neue Autobahn, wie das riesige Bauschild nahe legt, sondern ein neues Bett für die Hase. Das ist der Schauplatz eines Krimis, der vielleicht einmal als " Pyer Landnahme" in die Geschichte eingehen wird.

Die Hase ist der Grenzfluss zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, jedenfalls in diesem Abschnittt am Nordwestzipfel Osnabrücks. Und die Grenze verläuft üblicherweise - wie am Kongo oder Rio Grande - in der Gewässermitte.

Bei der Hase ist das anders. Noch. Auf einem 400 Meter langen Abschnitt wurde sie ein Stück nach Westen verlegt, im Schnitt um 20 Meter, wie Bert Dieme von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in Bramsche vorrechnet. Alles nur, weil der Platz sonst nicht gereicht hätte, den Stichkanal zu verbreitern.

Mit dem neuen Flussbett hat die Bundesrepublik Deutschland also Tatsachen geschaffen. Und dabei in Kauf genommen, dass die Landesgrenze trockenfällt. Die Hase verlässt also das niedersächsische Territorium, taucht in Lotte unter und wird vorübergehend nordrhein-westfälisch. Ein Verhalten, das man von einem Grenzfluss so nicht erwartet.

In Pye ist deshalb klar: Nordrhein-Westfalen muss etwas abgeben. Keine einfache Sache, denn das lässt sich nicht mal eben zwischen Lotte und Osnabrück vereinbaren. Solche Liegenschaftsangelegenheiten werden mit einem Staatsvertrag geregelt, von Bundesland zu Bundesland. Vorher muss das neue Flussbett noch auf den Zentimeter genau vermessen werden. Aber die Landvermesser kommen erst, wenn die Bauarbeiter fertig sind. Und das kann noch etwas dauern. Erst wenn der Boden wieder trocken ist, wagt sich die Wasserund Schifffahrtsdirektion mit ihren schweren Maschinen wieder aufs Gelände.

Auch die neue Holzbrücke, die mit Unterstützung des Bürgervereins Wersen über die frisch gebettete Hase gebaut wurde, existiert für die Planer noch nicht wirklich. Erst wenn sie freigegeben und vermessen ist, wird sie in die Landkarten aufgenommen.

Und erst dann kann Pye auf den Staatsvertrag hoffen. Der nördlichste Stadtteil Osnabrücks freut sich auf einen Zuwachs von 0, 8 Hektar. Ortsbürgermeister Josef Thöle ist zufrieden, dass sich sein Herrschaftsgebiet um 0, 105 Prozent vergrößert. Eines bedauert er jedoch: dass mit dem Landgewinn kein Einwohnerzuwachs verbunden ist.

LINKS IST NORDRHEIN-WESTFALEN, RECHTS IST PYE. Die Hase soll wieder Grenzfluss werden. Ein Staatsvertrag muss ausgehandelt werden.
Foto: Uwe Lewandowski
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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