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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Ungebremst raste der Zug über das Stopp-Signal
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Nach der Beinahe-Katastrophe halten die Ermittler einen technischen Defekt als Unglücksursache für denkbar
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Originaltext:
Ungebremst raste der Zug über das Stopp-Signal

Nach der Beinahe-Katastrophe halten die Ermittler einen technischen Defekt als Unglücksursache für denkbar

Von Beate Dammermann (Text) und Michael Hehmann (Fotos)

Osnabrück

Ein Defekt in der Bremsanlage des Zuges war vermutlich die Ursache des schweren Unglücks am späten Mittwochabend auf der Bremer Brücke. Den Lokführer treffe wahrscheinlich keine Schuld. Zu dieser vorläufigen Erkenntnis kamen gestern die Ermittler des Eisenbahnbundesamtes.

Am Tag zwei nach der knapp verhinderten Katastrophe ist die Bahnanlage nocn immer ein großes Trümmerfeld. Hinter der ausgebrannten Lok der Kesselwagen, aus dem 80 Tonnen Propangas ausgelaufen waren, die das Flammeninferno verursacht hatten. Dahinter drei weitere umgestürzte Kesselwagen, dann - über mehrere Schienenstränge verteilt, umgekippte, verkeilte Waggons. Schienen sind verbogen, Signalmasten liegen quer über den Gleisen.

Was ist am späten Mittwochabend passiert? Mark Wille vom Eisenbahnbundesamt in Bonn fasst die Ergebnisse seiner Ermittlungskollegen zusammen. Der Güterzug kam aus Maschen bei Hamburg. Mit Tempo 90 fuhr er Richtung Osnabrück. Einen Kilometer vor der Halle Gartlage zeigte ein Signal dem Lokführer an, dass er bremsen muss. " Es gab Probleme, die Bremskraft reichte nicht." Warum die Bremsen versagten, sei noch ungeklärt. " Wir müssen noch den Bremsspeicher der Lok auslesen und werden mit den Waggons, die stehen geblieben sind, Bremsproben machen."

1 000 Meter raste der Zug weiter und überfuhr das Stoppsignal 112 direkt vor der Bremer Brücke. Dort, wo am Bahndamm gerade das Riesenrad für den Jahrmarkt aufgebaut wird, hätte der Zug stoppen müssen: Fahrerwechsel in Osnabrück. Doch kaum gebremst rollte der Zug mit den gefährlichen Gütern noch 600 Meter weiter. Dort kamen Weichen, die der noch 60 km/ h schnelle Zug, der dadurch nach links umgelenkt wurde nicht schaffte - Waggon nach Waggon sprang aus den Gleisen. Ein Kessel schlug leck, das Propan entzündete sich. 500 Meter vor dem Hauptbahnhof.

Ein Blick auf die große Gleisanlage kurz hinter der Bremer Brücke zeigt, wie glimpflich der Unfall trotz allem ausgegangen ist. Beim Umstürzen hat ein mit Propangas gefüllter Kesselwagen die Schienen mit hochgezogen: Nur wenige Millimeter weiter, und der Eisenstrang hätte auch diesen Kessel durchbohrt.

An anderer Stelle liegt ein Signalmast, der von einem Waggon gerammt wurde, quer über mehreren Gleisen. Wenige Meter weiter versperrt ein Waggon das Gleis der ICE-Strecke nach Bremen. " Wenn Sekunden nach dem Unfall ein anderer Zug auf der Strecke gewesen wäre..., sagt Feuerwehrchef Jürgen Knabenschuh. Ein Personenzug, ein anderer Güterzug mit Chemikalien.

Die kleine Stichstraße, die zu dem Unglücksort führt, hat in der Nacht den Feuerwehrleuten geholfen: Bis an die Gleise konnten sie fahren und die Wasserwerfer zur Kühlung der noch nicht brennenden Kesselwagen aufstellen. " Wäre der Zug dreihundert Meter in eine andere Richtung verunglückt, hätten wir Probleme gehabt, schnell die Wasserversorgung aufzubauen. Ob wir dann eine Explosion hätten verhindern können, ist fraglich", sagen die Brandexperten.

Ob Feuerwehrleute aus Osnabrück, Chemie-Brandexperten oder Fachleute der Bahn: Sie alle sagen, Osnabrück habe großes Glück gehabt, das nicht Schlimmeres passiert ist. Man könne zwar nicht mit einem " Was wäre gewesen, wenn" argumentieren, aber andererseits: Es war das zweite schwere Bahnunglück innerhalb von zwei Jahren in dieser Stadt.

(Weitere Berichte über das Zugunglück auf Seite 23)

DER AUSGEBRANNTE KESSELWAGEN und die Folgen der Zugkatastrophe am späten Mittwochabend: Signale wurden wie Steichhölzer abgeknickt, Schienen verbogen sich in der Gluthitze.

MIT WASSERDRUCK wurden je 80 Tonnen Propangas aus drei Kesselwagen in Ersatzwaggons gedrückt. Die Restgase wurden kontrolliert abgeleitet und abgefackelt.

DER UNGLÜCKSORT aus der Luft: Die rote Lok, die Kesselwagen und weitere 20 Waggons. Foto: ddp

GESTERN ABEND war es so weit: Die verunglückte und ausgebrannte Lok wurde wieder auf die Räder gestellt. Die Bergung der Kesselwagen hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen. Deshalb war die Zugstrecke Richtung Bremen weiterhin gesperrt.
Autor:
Beate Dammermann


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