User Online: 1 | Timeout: 02:41Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Letzte Ausfahrt Jahnstraße: Der Abfallbetrieb zieht um
Zwischenüberschrift:
Heller, sauberer, geräumiger: Müllabfuhr und Straßenreinigung richten sich am Wochenende an der Hafenringstraße ein - Die Müllwagen gehen, der Bagger kommt
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Von Holger Jansing (Text) und Klaus Lindemann (Fotos)

Feierabend an der Jahnstraße: Der Abfallwirtschaftsbetrieb der Stadt zieht an diesem Wochenende im Akkord um. Gestern haben die Frauen und Männer der Müllabfuhr zum ersten Mal Ihre Fahrzeuge in den neuen Garagen an der Hafenringstraße geparkt.

In der Osnabrücker Innenstadt geht damit eine Ära zu Ende. Seit 1905 befand sich der " Städtische Fuhrpark" (wie es bis heute an einem der Gebäude zu lesen ist) in der Wüste - zunächst auf der grünen Wiese, später als Fremdkörper inmitten eines Wohnviertels. " Wir gehörten hier schon lange nicht mehr hin", resümiert Werksleiter Willi Niggemann.

Deshalb fasste der Rat im Dezember 2000 den Umzugsbeschluss. Für knapp 7, 5 Millionen Euro erwarb die Stadt im Gewerbegebiet Hafen das Gelände der Baufirma Köster, die sich später am Burenkamp ansiedelte. Das Grundstück und die bestehende Bausubstanz in Eversburg wurden saniert, neue Gebäude errichtet, die Kosten stiegen, was über Jahre zu politischen Querelen führte (siehe auch die Box " Hintergrund").

Nun ist es endlich so weit: Der Tag X, den eine Projektgruppe in den vergangenen sechs Monaten mit zunächst wöchentlichen und dann fast täglichen Besprechungen vorbereitet hat, ist gekommen. Seit gestern sind ein Umzugsunternehmen und Mitarbeiter der Abfallwirtschaft damit beschäftigt, sich am neuen Standort einzurichten. Kisten auspacken, Akten verstauen, Möbel aufstellen: " Wenn wir nicht fertig werden, haben wir den Sonntag ja noch als Puffer", sagt Martin Donnermeyer, der als stellvertretender Werksleiter den Umzug koordiniert hat und fest an einen reibungslosen Ablauf glaubt.

Montag jedenfalls muss der Betrieb an der Hafenringstraße laufen - von der Telefonanlage bis zur Tankstelle, von der Warmwasserdusche bis zur Waschhalle für die Fahrzeuge.

Es war eine große Herausforderung, im laufenden Betrieb umzuziehen. Deshalb hat Martin Donnermeyer im zurückliegenden halben Jahr so manche schlaflose Nacht gehabt. Immerhin soll der Bürger vom Umzug nichts merken. So wurden am Freitag planmäßig die Mülltonnen geleert, und auch am Montag werden die orangen Lastwagen wieder durch die Stadt fahren und ihre Fracht zum Piesberg bringen - so, als ob nichts gewesen wäre.

Dabei ist der Umzug der 70 Fahrzeuge noch die leichteste Übung. Sie haben gestern Morgen ihre Tour an der Jahnstraße begonnen und am Nachmittag an der Hafenringstraße 12 beendet. Schwieriger war da schon die Überführung der Werkstatt, in der die Fahrzeuge der Müllabfuhr und der Straßenreinigung gewartet und repariert werden. Zwei Wochen ließen sich die Mitarbeiter Zeit, um Maschinen und Ersatzteile rechtzeitig zum 1. März vom alten zum neuen Standort zu bringen, dort aufzubauen und einzuräumen.

Es waren vor allem die vielen Detailprobleme, die Martin Donnermeyer Kopfzerbrechen bereitet haben. Zum Beispiel die Telefon- und Faxnummern, die unverändert bleiben sollten. Es hat geklappt: Das Auskunfts- und Sperrmülltelefon mit der Nummer 323-2697 klingelt jetzt in Eversburg. Niemand braucht sich umzustellen.

" Wir gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge", sagt Günther Miska, während ein Schneeschauer auf dem Gelände an der Jahnstraße niedergeht. Als Personalratsvorsitzender vertritt er die Interessen der über 200 Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebes, die die gute Erreichbarkeit des alten Betriebshofes schätzen gelernt haben. Andererseits freue sich jeder auf das nagelneue Sozialgebäude und die schöne, große Werkstatt an der Hafenringstraße.

" Es kann nur besser werden", schmunzelt Müllmann Marco Bergmann, während er die letzten Sachen aus seinem Spind in eine Plastiktüte stopft und die verbeulte Tür schließt. Die Umkleiden machen einen heruntergekommenen Eindruck, es ist schmutzig und eng. Und die Pausenhalle ein Stockwerk tiefer lädt ebenfalls nicht gerade zum Verweilen ein.

Dagegen sind die Räume an der Hafenringstraße hell, sauber und bieten viel Platz. Der 600 Quadratmeter große Sozialtrakt mit Duschen, Umkleiden und einem Trockenraum für feuchte Jacken und Hosen ist neu errichtet worden. Das Gebäude ist in so genannte Schwarzweiß-Bereiche unterteilt. Das heißt: Es gibt separate Zonen mit Spinden für Zivil- und Arbeitskleidung mit dazwischen liegenden Waschgelegenheiten. Die beiden Aufenthaltsräume für die Beschäftigten der Müllabfuhr und der Straßenreinigung befinden sich im Keller des 30 Jahre alten Verwaltungsgebäudes, das die Stadt ebenso wie die Werkstatt von Köster-Bau übernommen hat. Unterm Dach residiert Werksleiter Willi Niggemann, der auch am neuen Standort von seinem Büro aus einen guten Überblick über das Betriebsgelände hat. Aber nicht nur das. Hier ist er näher dran am Müll, denn die Deponie auf dem Piesberg scheint nur einen Steinwurf entfernt zu liegen, und etwas weiter östlich stehen zwei Baukräne dort, wo künftig die Firma Herhof Abfälle aus Stadt und Landkreis verarbeitet.

Am Montagmorgen kehrt der Chef des Abfallwirtschaftsbetriebs noch einmal an seine alte Wirkungsstätte zurück, die er dann nach der heutigen Aufräumaktion besenrein an den Nachnutzer übergeben muss. Erst dann ist wirklich Feierabend an der Jahnstraße.

Hintergrund

Der Umzug und die gestiegenen Kosten

Der Umzug des Abfallwirtschaftsbetriebs geht mit politischen Querelen einher. Schon die Ratsentscheidung im Dezember 2000 ist umstritten. CDU und FDP, damals noch Opposition im Stadtrat, lehnen sie ab. Im Mai 2002 stellt sich dann heraus, dass die Tankstelle auf dem Köster-Gelände neu beschafft werden muss, weil ihre Kapazität nicht ausreicht und die Anlage als Leasingobjekt ohnehin nicht zum verkauften Inventar gehört. Außerdem sind die Garagen zu klein. Es entstehen Mehrkosten in Höhe von 815 000 Euro. Die Kommunalaufsicht nimmt das Vertragspaket der Stadt mit Köster-Bau unter die Lupe. Ein knappes Jahr später, im März 2003, erweisen sich die alten Sozialräume als unterhalb des gewünschten Standards. Wieder kommen zusätzliche Kosten von 295 000 Euro auf den Abfallwirtschaftsbetrieb zu. Schließlich muss der Hof an der Hafenringstraße für 400 000 Euro grundlegend renoviert und mit einer neuen Asphaltdecke versehen werden. In der Summe belaufen sich die Mehrkosten auf gut 1, 5 Millionen Euro. Werksleiter Willi Niggemann steht dennoch zu der Entscheidung aus dem Jahr 2000. Aus städtebaulicher Sicht habe es für eine Verlagerung des Abfallwirtschaftsbetriebes aus der Innenstadt an den Stadtrand keine Alternative gegeben.

WIR KOMMEN: Am gestrigen Freitag eroberten die Frauen und Männer der Müllabfuhr mit ihren schweren Fahrzeugen das neue Betriebsgelände an der Hafenringstraße.

MÜLLMANN Marco Bergmann zieht an der Jahnstraße zum letzten Mal seine leuchtend orange Arbeitskleidung an.

AUCH WERKSLEITER Willi Niggemann (links) und Umzugskoordinator Martin Donnermeyer packen tatkräftig mit an.

IN DER ABFALLBERATUNG verstauen Sabrina Fip (links) und Dagmar Nilius die Aktenordner wieder in den Regalen.

NUR NOCH GESCHICHTE: Fast 100 Jahre war der Städtische Fuhrpark und später der Abfallwirtschaftsbetrieb an der Jahnstraße präsent. Jetzt werden die Garagen abgerissen, um Platz für Wohnhäuser zu machen.

DER NEUE STANDORT: Das frühere Köster-Gelände wird auch vom Bauhof des städtischen Fachdienstes Straßenbau genutzt. Im Holzgebäude (links) ist das gemeinsame Salzlager für den Winterdienst untergebracht.

Das Gerümpel muss weg!

Wo soll bloß das ganze Gerumpel hin, das sich im Laufe der Zeit ansammelt und eigentlich niemand mehr haben will? Am besten wegwerfen, meint Till - und findet, dass dafür ein Umzug genau der richtige Zeitpunkt ist. " Wenn nicht jetzt, wann dann?", war in den vergangenen Wochen auch die Devise des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebes. Im Keller an der Jahnstraße hatten sich Berge von Akten aufgetürmt. Dort war einfach alles deponiert - und schließlich vergessen worden. " Die meisten Unterlagen können in den Reißwolf", entschied Umzugskoordinator Martin Donnermeyer, zumal die wirklich wichtigen Dinge längst elektronisch archiviert sind. Auf einem Dachboden lagen noch hunderte von roten Mülltonnendeckeln. Auch die sind nicht mehr zu gebrauchen und wanderten deshalb ins Kunststoffrecycling. Auch Till hat vor einigen Monaten, als die Lokalredaktion von der Großen Straße ins Medienzentrum am Berliner Platz umgezogen ist, viel Ballast abgeworfen und sich fest vorgenommen, fortan seine Sachen immer sofort zu durchforsten. Wie lange der Vorsatz wohl hält? Schon wächst auf dem Schreibtisch der erste Stapel mit allerlei Papieren.

Bisübermorgen

Die Müllwagen gehen - die Bagger kommen

Die Bewohner am Jahnplatz können aufatmen. Auf Grund der starken Lärmbelästigung durch den Lastwagenverkehr morgens und nachmittags haben sie seit Jahren den Umzug des Abfallwirtschaftsbetriebs herbeigesehnt. Doch kaum sind die Müllwagen verschwunden, rücken die Bagger an. Denn schon in dieser Woche fällt der Startschuss für das Wohnprojekt, das der Investor GPI - Grundwerte und Projektideen auf dem 9 500 großen Grundstück zwischen Jahnstraße und Schnatgang verwirklichen will. Unter dem Leitmotiv " Urbanes Wohnen Jahnplatz" sollen verschiedene Bevölkerungsgruppen ein neues Zuhause finden. Dafür wird ein Großteil der alten Gebäude, abgerissen. In den vergangenen Jahren hat es eine modellhafte Bürgerbeteiligung gegeben.


Anfang der Liste Ende der Liste