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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Der Hamster lässt grüßen: Tretrad als Kranantrieb
Zwischenüberschrift:
An der nackten Mühle entsteht eine historische Maschine
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Tretmühle? Da denken die meisten gleich an den Hamster im Laufrad. Dabei hat das Tretrad der Menschheit schon im Altertum geholfen, schwere Lasten zu heben. An der Nackten Mühle soll ein Tretkran demnächst dicke Baumstämme auf den Sägeschlitten hieven. Mit Zweibeinern als Antrieb.

Mit Wasserkraft sägen - diese Kunst beherrscht das Team vom technisch-ökologischen Lernort Nackte Mühle mittlerweile wie in alten Zeiten. Aber beim Wuchten der mächtigen Baumstämme muss gelegentlich das Technische Hilfswerk um Unterstützung gebeten werden. Mitarbeiter des Vereins für Jugendhilfe hatten die Idee, einen Tretkran zu bauen. Nicht so sehr, um das THW zu entlasten, sondern um gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Solch ein historischer Apparat, sagt Geschäftsführerin Urthe Bohnert, passe gut zur Umwelt- und Technikbildung, die der Lernort Nackte Mühle vermitteln will. Mechanik, Industriegeschichte und Arbeitssicherheit zum Beispiel.

Arbeitssicherheit war kein Thema, als sich die ersten Tretmühlen drehten. Eine 2200 Jahre alte Zeichnung aus Byzanz zeigt ein Laufrad, mit dem ein Schöpfwerk angetrieben wird. Der Motor ist ein Mensch. Andere Darstellungen zeigen Esel oder Hunde, die sich im " Hamsterrad" bewegen müssen. Im Mittelalter wurden sogar Baukräne mit Tretantrieb verwendet. Die Umweltpädagogin Björg Devert vom Lernort Nackte Mühle hat recherchiert und herausgefunden, dass die Überreste eines solchen Tretkrans im Turm der Osnabrücker Johanniskirche erhalten sind. Damit wurden früher die Glocken hochgezogen. Mit der Kraft eines Esels, wie es heißt.

Alte Technik, neue Sicherheitsnormen

Das Tretrad für das Sägewerk an der Nackten Mühle soll von Menschen bewegt werden. 14 Schüler aus dem 10. Jahrgang der Gesamtschule Schinkel wollen das vier Meter hohe Rad bauen. Zusammen mit ihrem Technik-Fachlehrer Eberhard Eckert werden sie sich am Wochenende im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer von einem Meister in die Zimmermannstechniken einweisen lassen. In Gruppenarbeit haben die Gesamtschüler schon Modelle hergestellt und Holzverbindungen getestet.

Mit Unterstützung des Projekts " Denkmal aktiv" von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz schauen sie sich historische Vorbilder an, zum Beispiel den Hafenkran in Lüneburg, der vor weniger als 100 Jahren benutzt wurde. Fachlehrer Eckert ist wie alle Beteiligten fasziniert von der Idee, einen Tretkran für die Nackte Mühle zu bauen. Seine Schüler bekämen damit nicht nur eine konkrete und wirklichkeitsnahe Aufgabe. Das Laufrad sei ein ideales Instrument, um Technik " sinnlich wahrzunehmen".

Während sich die Gesamtschule für den Bau der Trittbretter rüstet, müssen die Bestandteile des Krans noch von einem Statiker überprüft werden. Eine Herausforderung der besonderen Art sind aber die heutigen Sicherheitsanforderungen, denen sich die antike Technik stellen muss. Eine 18-seitige Gefahrenanalyse muss Punkt für Punkt abgearbeitet werden, und das führt mitunter zu kuriosen Auswüchsen. Damit keiner der Läufer aus dem Rad fallen kann, müssen die Seiten verschlossen werden. Allerdings so, dass ein Sichtfenster den Blick auf einen festen Punkt erlaubt, denn sonst könnte den Insassen schlecht werden: Vier Türen sollen außerdem einen Ausstieg in jeder Radstellung ermöglichen. Der Verein für Jugendhilfe sucht - gegen Spendenquittung - Sponsoren für seinen Tretkran. Wer 20 Euro auf das Konto 99023723 bei der Sparkasse Osnabrück überweist (Stichwort Tretkran), darf seinen Namen auf einem der 111 Trittbretter verewigen. Bei einem Trägerbalken kostet der Spaß 100 Euro, andere Bauteile sind schon ab 2 Euro zu vergeben, allerdings ohne Widmung. Über den Tretkran informiert der Verein für Jugendhilfe am Sonntag, 1. Februar, von 10 bis 13 Uhr beim Schausägen an der Nackten Mühle.

EIN BAUKRAN mit Tretrad aus dem 14. Jahrhundert.

HISTORISCHES VORBILD: Mit diesem Tretkran im Turm der Jo' hanniskirche wurden früher die Glocken nach oben befördert.

DAS MODELL IST FERTIG, jetzt geht es an die Arbeit: David, Mesut, Craig und Sonnur, vier von 14 Schülern aus dem Technikkurs der Gesamtschule, die das vier Meter hohe Laufrad für den Tretkran bauen werden. Foto: Klaus Lindemann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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