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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Osnabrück will den Anschluss nicht verpassen
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Vor 25 Jahren: Die Stadthalle
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Osnabrück will den Anschluss nicht verpassen

Vor 25 Jahren: Die neue Stadthalle

Von Frank Henrichvark

Draußen lag Schnee. Und drinnen gab es den Begrüßungsschluck gleich hinter der Tür. Und dann noch mal Freibier von der OAB, der Osnabrücker Aktienbierbrauerei. Da kann dem Hausherrn schon mal angst und bange um seinen Teppichboden und das teuere Parkett werden, zumal wenn eine ganze Stadt eingeladen ist. Aber am dritten " Tag der offenen Tür" dieses langen Wochenendes vom 12. bis 14 . Januar 1979 war klar: Die Stadthalle hatte ihre erste Bewährungsprobe überstanden.

Nicht nur Geschäftsführer Günter Valjak fiel da ein Stein vom Merzen. Auch wenn Valjak heute, 25 Jahre später, eingesteht, dass er wie ein guter Regisseur bei jeder Veranstaltung in " seinem" Haus nach wie vor mitfiebert.

" Das Werk ist vollendet." Dieser Stoßseufzer kam Albert Vietor von den Lippen, als der damalige Neue-Heimat-Vorstandsvorsitzende dem Oberstadtdirektor Raimund Wimmerden symbolischen Schlüssel für das 39-Millionen-Bauwerk überreichte. Dabei hatte der Bauträger Neue Heimat doch nur den letzten Akt einer mehr als 15-jährigen Leidensgeschichte mit mancherlei Irrungen und Wirrungen mitbekommen. An jenem Wochenende allerdings war davon wenig zu spüren: 65 000 Menschen sollen es gewesen sein, die damals " ihre" Stadthalle erkundeten.

Ein Blick zurück ins Jahr 1969: Roy Black singt nur in der Oetkerhalle in Bielefeld; die Egerländer Musikanten müssen 300 Kartenwünsche zurückweisen, weil die Halle Gartlage nur 1 700 Plätze hat, der Sportpresseball findet in der Aula der Fachhochschule am Westerberg mit 861 Sitzplätzen und in quetschender Enge statt, der OSC erwägt allen Ernstes, für seinen Winterball mit 1400 Gästen einen

Plötzlich ging alles ganz schnell

Sonderzug nach Münster zu chartern und dort in der Halle Münsterland zu schwofen.

In dieser Situation taucht nach acht Jahren Dornröschenschlaf der Plan wieder auf, endlich auch in Osnabrück eine Stadthalle zu bauen. Im November 1969 wird ein Gutachten zum Raumprogramm vergeben; es beginnt die Suche nach dem besten Standort.

Nur ein halbes Jahr später - das Konzept-Gutachten liegt noch nicht vor - ist ein passendes Grundstück offenbar schon gefunden. Denn am 28. April 1970 beschließt der Rat in nichtöffentlicher Sitzung, aber wohl doch mit einer fraktionenübergreifenden Mehrheit: Am Schlossgarten, zwischen Wall und Hans-Böckler-Straße, Gewerkschaftshaus und Ratsgymnasium, da soll die neue Halle hin.

Dass eine Woche später 17 Osnabrücker Architekten städtebauliche Gutachten vorlegen, in denen sie Vorschläge für die Bebauung des Krankenhausgeländes am Heger Tor unter Einbeziehung eines Stadthallenbaus unterbreiten sollten, stößt nicht nur den gefoppten Baumeistern sauer auf. Entweder sei der Rat " diesmal" zu schnell gewesen oder die Verwaltung habe " in tiefem Schlaf" gelegen, mutmaßte die Neue OZ: " So zeugt man Missstimmung."

Gleichwohl besichtigt eine Kommission schon mal Vergleichsprojekte in der Bundesrepublik und den Niederlanden, die Bürger werden zu einem ersten Ideenwettbewerb aufgefordert. Was dabei herauskommt, bleibt unter Verschluss. Ein Ideenwettbewerb zur Namensgebung für das Baby erbrachte so sinnige Vorschläge wie Nordwest-Halle, Bürgerhaus Osnabrück-Emsland oder Pumpernickelhalle; von prominenten Namensgebern wie Karl der Große, Justus Möser, Remarque, Windthorst, Ernst Weber und Walter Haas ganz zu schweigen.

Die letzten Vorschläge waren eher satirisch gemeint und zielten auf die Verantwortlichen in jenen Jahren. Denn die SPD mit dem Oberbürgermeister Ernst Weber und dem Fraktionsvorsitzenden Walter Haas an der Spitze regiert mit einer komfortablen absoluten Mehrheit in Osnabrück. Die Partei will die Stadt voranbringen: Mit der Gebietsreform, der Innenstadtsanierung, einer schicken Fußgängerzone und diversen Parkhäusern, sogar mit einer Universität soll es aufwärts gehen.

Die erste Ölkrise mit den " autofreien Sonntagen" im Jahr 1973 hat die Bundesrepublik Deutschland noch relativ gut gemeistert. Dass im gleichen Jahrzehnt die Bezirksregierung nach Oldenburg abwandert, ist ein erstes Warnzeichen sinkender Attraktivität. Nur Eingeweihten ist bewusst, dass die Spinnerei Hammersen schwer angeschlagen ist und das Stahlwerk bereits schwächelt.

Wenn deshalb die CDU vor den Haushaltsrisiken eines über Kredite finanzierten Stadthallenbaus warnte, dann erfüllte sie zunächst einmal ihre Aufgabe als parlamentarische Opposition. Diese Rolle mutete den Konservativen in jenen Jahren immer wieder die Aufgabe zu, prinzipiell dagegen zu sein.

So auch beim Thema Stadthalle. Immerhin sprachen die Kostenschätzungen bereits von mindestens 32 Millionen für die Netto-Bausumme. Hochrechnungen einschließlich der Zins- und Tilgungsleistungen kamen schnell auf 100 Millionen DM: Bis zur Jahrtausendwende würde die Stadt jahrlich 3, 1 Millionen aufbringen müssen - zusätzlich zu den laufenden Betriebszuschüssen von mindestens einer weiteren Million. Das Wort von der " Subventionsscheune" machte die Runde.

Stadtkämmerer Dierk Meyer-Pries hatte ohnehin Probleme, den städtischen Haushalt in der Waage zu halten, und die CDU warnte vor " ungedeckten Schecks auf die Zukunft". SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Haas konterte mit dem Vorwurf, solche Schwarzmalerei sei wohl die " Kämmerer-Pflichtübung und Ausführungen eines CDU-Politikers". So zaghaft komme die Stadt jedenfalls " nie zu einer Stadthalle".

Im Dezember 1974 entschied sich das Preisgericht für den Entwurf der Architekten Hafkemeyer, Fangmeyer, Richi aus Braunschweig. Ein großer Saal für 1 800 Plätze und mehrere Nebensäle, Gastronomie und Ladenzeile; sogar eine Kegelbahn im Keller war vorgesehen - das Ganze mit zunächst 53 109, später dann 72 453 Kubikmeter umbautem Raum.

Nachdem nun alle Weichen gestellt waren, ging es auch Schlag auf Schlag vorwärts. 9. April 1975: Der Rat gibt mit 25 gegen 20 Stimmen weitere Haushaltsmittel frei. März 1976: Finanzierungsvertrag mit der Neuen Heimat, 10. Mai 1976 erster Spatenstich, 27. August 1976 Grundsteinlegung, 26. August 1977 Richtfest für ein Haus, das nun offiziell " Schlosspark-Centrum" heißen soll.

11 500 Kubikmeter Beton sind zu diesem Zeitpunkt verarbeitet, die Kostenschätzungen sprechen mittlerweile von 39 Millionen DM Baukosten plus 7, 7 Millionen für den Grunderwerb, den Abriss des Saalbaus am Gewerkschaftshaus und die Erschließung. Aber der Rohbau lässt auch erkennen, dass Osna-

Erfolgsgeschichte mit Kulissen-Krach

brück ein rundum gelungenes Haus bekommen wird.

Da mag auch die CDU-Opposition nicht länger abseits stehen und wirft ihre lang gehegten Bedenken beherzt über Bord: " Ein architektonisch gelungenes Werk, das einen interessanten städtebaulichen Akzent setzen wird", formuliert Kreisvorsitzender Dr. Konrad Schneller im Juni 1978.

Da war es nur noch ein halbes Jahr, bis sich am 12. Januar 1979 erstmals der Vorhang öffnete. 25 Jahre lang fast immer zur Freude der Besucher, während es hinter den Kulissen auch heftig krachte. Aber das wäre dann eine andere Gastro-Geschichte.

ERSTER SPATENSTICH IM SCHLOSSGARTEN: Oberstadtdirektor Raimund Wimmer und der Polier schauen zu, wie sich OB Ernst Weber abmüht. Foto: Walter Fricke
Autor:
Frank Henrichvark


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