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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Als Weltanschauung eher geschmacksneutral
 
Wer hat den dicksten Kürbis?
 
Kürbistag auf dem Westerberg
Zwischenüberschrift:
Botanisch gesehen ist der Kürbis eine Beere, aber als Riesengemüse vertreibt er sogar böse Geister
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Als Weltanschauung eher geschmacksneutral

Botanisch gesehen ist der Kürbis eine Beere, aber als Riesengemüse vertreibt er sogar die bösen Geister

Von Rainer Lahmann-Lammert

Panzerbeere, das klingt martialisch und lustig zugleich. Aber es ist botanisch korrekt. Streng genommen muss der Kürbis dem Beerenobst zugeordnet werden. Gärtner und Wochenmarktbeschicker zeigen in diesen Tagen stolz ihre Prachtexemplare, der Botanische Garten veranstaltet am Sonntag einen Kürbistag, und die aus Amerika herübergeschwappte Halloween-Begeisterung verwandelt auch bei uns arglose Kürbisse gleich tonnenweise in schaurige Monsterfratzen.

Alles Gute kommt aus Amerika, das wissen wir ja schon von der Kartoffel und der Tomate. Weniger bekannt ist, dass die Indianer aus Mittel- und Südamerika schon vor 8000 Jahren anfingen, den Kürbis zu kultivieren. Was am Anfang dieser Entwicklung stand, mag einem Zierkürbis von heute ähneln, klein, holzig und nett anzusehen.

Als sich Kolumbus und Co. über den Kontinent hermachten, waren die unscheinbaren " Beeren", schon stattlicher und schmackhafter geworden. In der Folgezeit verbreiteten sich die Kürbisse zunächst als Zierpflanzen und Viehfutter über alle Erdteile. Heute gibt es rund 800 Sorten - die Zwerge sind nicht viel größer als eine Zwei-Euro-Münze, die Riesen kommen auf mehrere Meter Umfang.

Fast zwei Meter Leibesfülle misst der Kürbis, den Birgit Eußner aus Voxtrup in ihrem Hausgarten am Mühlenkamp geerntet hat. Vielleicht ist ihr Zentnerkürbis (Cucurbita maxima)

Pudding, Gugelhupf und Marshmallows

die Krönung der Osnabrücker Kürbiskultur in diesem Jahr, denkbar aber auch, dass in anderen Gärten der Stadt ganz stickum noch fülligere Ungetüme herangereift sind.

In Europa darf sich der Italiener Sergio Moretti als Kürbiskönig fühlen. Seine Panzerbeere kam auf 292, 8 Kilo. Der absolute Rekord wurde aber vor einem Jahr in den U.SA aufgestellt, wo schon immer die Devise galt " Bigger is better": Geneva Emmons aus Canby im Bundesstaat Oregon lässt sich im Internet als Pumpkin-Weltmeisterin feiern. Ihr Prachtexemplar brachte 571, 5 Kilo auf die Waage.

Fraglich ist allerdings, ob solche Schwergewichte noch mit Genuss zu verzehren sind. Der Riesenkürbis " Atlantic Giant" wird speziell für Wettbewerbe gezüchtet, aber nicht für den verwöhnten Gaumen.

Nun gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob die Riesenfrucht überhaupt lukullisch überschätzt wird. Zwar wird dem Kürbis zugestanden, dass sein Aroma je nach Sorte " süße" bis " nussige'' Andeutungen enthält, zuweilen auch an " Marone" oder " Muskat" erinnert. Aber selbst ein Kochbuch wie " Endlich Kürbiszeit!" von Gisela Allkemper kommt nicht ohne den dezenten Hinweis aus, dass das Fleisch eigentlich " relativ geschmacksneutral" sei. Eine Herausforderung also an Safran, Ingwer und Cayennepfeffer, Zimt, Kardamon oder Nelken. Geben wir dem Kürbis, was die Natur ihm vorenthalten hat. Rezepte gibt es zu Hunderten, auch der Freundeskreis des Botanischen Gartens hat eine kleine Sammlung herausgegeben, die am Sonntag erhältlich ist. Beliebt ist Kürbissuppe in mannigfachen Variationen mit Curry und Knoblauch, Orangensaft und Chllischoten, Dillspitzen und Creme fraiche.

Wer aus dem Kugelgemüse eine Weltanschauung macht, findet in den zahlreichen Kochbüchern Kürbisaufläufe und Kürbisgratins, Kürbissauce und Kürbisrisotto, Kürbisgulasch und Kürbis gegrillt. Nicht zu vergessen Süßspeisen und Gebäck, vom Kürbispudding bis zum Marshmallow-Dessert, vom Tessiner Kürbiskuchen bis zum Kürbisgugelhupf. Und dann gibt es noch den Purnpkin-Pie, ein für den Verzehr bestimmtes Nationalheiltgtum aus den Vereinigten Staaten.

Kürbis ist sehr kalorienarm, kein Wunder, er besteht zu 90 Prozent aus Wasser. Die gelbfleischige Sorten wie der gelbe Zentner enthalten viel Karotin. Auch Vitamine, Ballaststofe und Minerale werden der Riesenbeere nachgesagt, die als Naturheilmittel gegen Blasen- und Nierenleiden eingesetzt wird. Sogar bei Prostataerkrankungen soll Kürbis-

Ein Naturheilmittel gegen Nierenleiden

fleisch segensreich wirken. Was die kolossale Frucht aber maßgeblich von anderem Gemüse unterscheidet, ist ihre Fähigkeit, böse Geister zu vertreiben. Halloween ist auch aus Osnabrück nicht mehr wegzudenken. Im Bewusstsein von unzähligen Kindern eben ein uralter heimischer Brauch.

EINE AUGENWEIDE, die auch dem verwöhnten Gaumen etwas zu bieten hat: Im Botanischen Garten ist am Sonntag Kürbistag

Fotos: Klaus Lindemann

DER KOMMT IN DIE SUPPE: Ghostrider gilt als schmackhaft und Halloween-tauglich.

AN MUSIKINSTRUMENTE erinnert dieses Paar namens Kelle, im Englischen auch Pear bicolor genannt.

FAST ZWEI METER UMFANG: Birgit Eußners Rekordkürbis aus Voxtrup, eine Sensation für die ganze Familie (hier mit den Töchtern Nadine, Geraldine und Ehemann Peter Hinze).

HÜBSCH ANZUSEHEN: Coutors, ein Zierkürbis wird nur zehn cm lang.

TEUELSKRALLE heißt dieser Zierkürbis, der mit den Patissons verwandt, aber nicht essbar ist.

KEINE MELONE, aber schön rund: Flap striped ein Zierkürbis.

Wer hat den dicksten Kürbis?

Till ahnt schon, dass in Osnabrück die Rekorde purzeln werden. Wer einen Riesenkürbis hat, der es auf mehr als zwei Meter Umfang bringt, sollte sich nächste Woche in der Redaktion melden, Das Foto vom dicksten Kürbis aus Osnabrück kommt in die Zeitung. Für alle Gärtner, die es auf einen solchen Giganten abgesehen haben, gibt Till ein paar Tipps: Eine Kürbispflanze bildet männliche und weibliche Blüten. Nur aus den weiblichen entstehen jedoch Früchte. Die männlichen Blüten werden abgeknipst; sie lassen - sich in der Küche vielseitig verwenden. Wer rekordverdächtige Kürbisse ernten möchte, sollte die Zahl der Blüten weiter reduzieren. Hier gilt die Faustregel: Je weniger Blüten, desto größer die Früchte. Till wünscht allen Gärtnern viel Erfolg.

Bismontag

Kürbistag auf dem Westerberg

Der Botanische Garten auf dem Westerberg veranstaltet am morgigen Sonntag in der Zeit von 11 bis 16 Uhr einen Kürbistag. Dabei geht es um essbare Kürbisse, Zierkürbisse, Kürbissuppe, Kürbiskuchen, Kürbisbrot und Kürbisliteratur. Um das leibliche Wohl kümmern sich die Pflanzenfreunde vom Freundeskreis des Botanischen Gartens. Für Kinder bietet die Grüne Schule ein Bastelprogramm an.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, Till


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