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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
"... vom boßhafften Pöbel ohngestrafft angezündet"
 
Zu Fuß zum Gertrudenberg
Zwischenüberschrift:
Tag des offenen Denkmals auf dem Gertrudenberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Tag des offenen Denkmals auf dem Gertrudenberg

Von Rainer Lahmann-Lammert

Wenn die Osnabrücker früher auf den Gertrudenberg kamen, mussten die Nonnen mit dem Schlimmsten rechnen. Mehr als einmal wurde das Kloster angezündet und geplündert. Am Sonntag, beim Bürgerfest rund um den Gertrudenberg, werden wieder Tausende von Osnabrückern erwartet - in friedlicher Absicht. Zum Tag des offenen Denkmals veranstaltet die Stadt Führungen durch das Kloster, die historischen Gebäude des Landeskrankenhauses und den Bürgerpark.

Vor über 900 Jahren gründete Bischof Benno das Kloster jenseits der Hase, 1142 vollendete sein Nachfolger Philipp von Katzenellenbogen den Bau. Die beiden Landesherren konnten noch nicht wissen, dass die Fortschritte in der Waffentechnik den Gertrudenberg schon bald zu einem strategisch bedeutsamen Punkt machen würden. Wer immer die Stadt bezwingen wollte - wie Beispiel die Schweden im Dreißigjährigen Krieg - , mochte auf die exzellente Schussposition nicht verziehten.

Schon deshalb hatten sie es schwer, die Benediktinerinnen auf dem Gertrudenberg. Aber die Gefahr kam nicht nur von außen, auch viele Stadtbewohner blickten argwöhnisch zum Kloster hinauf, das manchem Gewerbe Konkurrenz machte und stetig Besitztümer anhäufte, ohne Steuern zahlen zu müssen.

Verrat durch die Katholischen?

Oft kamen die Brandschatzer von außen. Aber 1636 - mitten im Dreißigjährigen Krieg - hatte die Stadt ihre Finger im Spiel, als das Kloster in Flammen stand. Man befürchtete Verrat durch die Katholischen, angebliche Briefe dienten als Vorwand, wie es Erwin Uhrmacher in seinem 1983 veröffentlichten Kunstführer zum Kloster Gertrudenberg vermerkte.

Als die Nonnen protestierten, geschah .... nichts, alß daß der Brandt nicht nur gedämpfet sondern vom boßhafften Pöbel mehr und mehr angezündet worden; ja solcher Brandt dauerte an die 10 Tage. Die Thäter schleppten alles, was ihnen anstunde, ohngestrafft nach der Stadt, ja sogar die Orgelpfeifen in Sacke, die Stucke von denen zerhauenen Glocken in Bette gewickelt weggetragen. Das Holtz und Eißen wegnehmen und Steine wegfahren währte unterschiedliche Jahre. Vornehme und geringe Leute thaten solches, wer nur was brauchte, denn das Closter schiene nun zum Raubgut geworden zu seyn."

Erholen konnte sich die klösterliche Gemeinschaft im 18. Jahrhundert, allerdings nicht lange. 1803 kam mit der Säkularisation das Ende. 60 Jahre später, als das Königreich Hannover in Osnabrück eine Irrenanstalt baute, wurden die alten Gebäude dieser neuen Einrichtung angegliedert. Damals entsprach der Krankenhauskomplex an der Knollstraße den modernsten heilkundlichen Erkenntnissen. Seine neuromanischen Fassaden, teilweise mit gotisierenden Details angereichert, wirken auch heute noch eindrucksvoll und repräsentativ. Für die Denkmalpflege ist es ein Glücksfall, dass die Gebäude dem Landeskrankenhaus gehören. Behutsam hat das Staatshochbauamt die Fassaden in den vergangenen Jahrzehnten restauriert. Entstanden ist eine kleine Welt, die mit ihrer Makellosigkeit " fast wie Marzipan" wirkt. Davon können sich die Besucher an diesem Sonntag überzeugen. Aber nicht nur dieses eine Mal im Jahr. Der Gertrudenberg ist jeden Tag geöffnet.

Führungen

Morgen findet von 11 bis 18 Uhr das Bürgerfest rund um den Gertrudenberg statt, bereichert durch den Tag des offenen Denkmals. So können das alte Klostetgebäude, die historischen Bauten des Landeskrankenhauses und der Bürgerpark in Augenschein genommen werden. Während des ganzen Tages werden kostenlose Führungen angeboten. Sie beginnen am Schäferbrunnen, an der ehemaligen Brauerei und am Gertrudenring und dauern jeweils 20 Minuten.

Zu Fuß zum Gertrudenberg

Till gehört zu den Osnabrückern, die regelmäßig über den Gertrudenberg spazieren. Der Bürgerpark, das ehemalige Kloster und die alten LKH-Gebäude sind natürlich die wichtigsten Sehenswurdigkeiten, aber auch den Blick vom Abtissinnenhaus auf die Stadt sollte man sich nicht entgehen lassen. Und demnächst wird auch die alte Hebammenlehranstalt wieder eine Perle sein. Leider ist vielen Osnabrückern gar nicht bewusst, was der Gertrudenberg alles zu bieten hat. Vielleicht liegt es daran, dass die Bahnlinie eine Barriere darstellt. Till gibt zu bedenken, dass seit Jahrzehnten darüber nachgedacht wird, die Erreichbarkeit des Bürgerparks zu verbessern. Am Hasetorbahnhof müsste der Durchgang bis zur Ziegelstraße verlängert werden. Dann könnte man gleich auf der anderen Seite über die Terrasse zur Klostermauer gelangen, natürlich zu Fuß. Till wartet schon lange auf diesen Durchstich. Hoffentlich wird noch mal was draus! Bismontag.

BISCHOF BENNO gründete das Kloster Gertrudenberg vor über 900 Jahren. Teile der Gertrudenkirche sind noch älter. Der zeitweise verschollene Barockaltar wurde 1980 wieder aufgebaut.

MAKELLOS BIS INS DETAIL: Die 130 Jahre alten Gebäude der ehemaligen Irrenanstalt sind in den vergangenen Jahrzehnten aufwendig restauriert worden.Fotos: Michael Hehmann

FORMVOLLENDET: Romanische Formen an einem Durchgang neben dem alten Hauptgebäude.

REPRÄSENTATIV: Im 19. Jahrhundert entschprach der Krankenhauskomplex den modernsten heilkundlichen Erkenntnissen.

SCHÄFER AN DER TRÄNKE: So heißt der Brunnen von Hans-Gerd Ruwe im Hof hinter der Klosterkirche.

AN DER KLOSTERMAUER befindet sich eine der schönsten Alleen Osnabrücks. Im Hintergrund der Eingang zum Bürgerpark.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, Till


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