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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
251 Gärten in der Wüste müssen saniert werden
 
Happy End?
Zwischenüberschrift:
Kosten: Stadt übernimmt Löwenanteil
 
Altlst Wüste
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
251 Gärten in der Wüste müssen saniert werden

Kosten: Stadt übernimmt Löwenanteil

Nach achtjährigen aufwendigen Altlasten Untersuchungen für 1700 verdächtige Grundstücke im Stadtteil Wüste steht nun definitiv fest: Auf 251 Grundstücken sind die gesetzlich festgelegten Grenzwerte so hoch überschritten, dass der Boden ausgetauscht werden muss. Die Gesamtkosten von rund acht Millionen Euro für diese Sanierung übernimmt zu 80 Prozent die Stadt, um Rechtstreitigkeiten zu vermeiden. Der Vorsitzende des Bürgervereins Wüste, Dr. Johannes Schmidt, riet gestern gegenüber der Neuen OZ zur Annahme dieses Angebots.

Große Teile der Wüste waren bis in die 7() er Jahre hinein mit Hausmüll und Gewerbeabtall verfüllt worden, um den moorigen Untergrund für eine anschließende Bebauung zu befestigen. Seitdem finden sich im Boden deutlich erhöhte Werte insbesondere von Schwermetallen und giftigen Kohlenwasserstoffen. Eine seit 1994 laufende Gefährdungsabschätzung und Einzelfallprüfung belegten nun, dass bei 251 Grundstücken (14 Prozent der ursprünglichen Verdachtsfläche) gehandelt werden muss. Für 268 weitere Grundstücke gab die Stadt Nutzungsempfehlungen, um Gesundheitsgefährdungen der Gartennutzer auszuschließen.

Die 251 betroffenen Grundstücke sind wie ein Flickerlteppich in der Wüste

Verursacher sind nicht zu ermitteln

verteilt. Daher dürfte schwer festzustellen sein, wer im Einzelfall der Verursacher der jeweiligen Giftfracht ist. An der Urbarmachung des Geländes hatten sich nümlich seit der Jahrhundertwende nicht nur die städtische Müllabfuhr, sondern auch Firmen und Privatleute beteiligt.

Das Rechtsarnt der Stadt ist daher der Meinung, es gebe keine rechtliche Verpflichtung der Stadt zur Übernahme der Sanierungskosten. " Wir wollen aber keine Rechtsstreitigkeiten mit unseren Bürgern, sondern übernehmen 80 Prozent der Kosten", erklärte gestern Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip in einem Pressegespräch. Dieses Vorgehen sei bereits mit den Fraktionen abgesprochen, und der Stadtrat werde

Eigentümer müssen noch zustimmen

am 24. September endgültig darüber entscheiden. " Das geht aber nur, wenn alle Betroffenen mitmachen, denn sonst ist dieses Modell gefährdet", betonte Fip.

Für den Bürgerverein Wüste empfahl gestern Vorsitzender Dr. Johannes Schmidt allen 251 Eigentümern, den Vorschlag anzunehmen. " Das ist ein akzeptables Modell, zumal die Belastung für Eigentümer unter 20 Prozent liegt, weil die Gartenpflanzen wiederverwendet werden können." Schmidt, der auch als Anwalt tätig ist, warnte Betroffene vordem Klageweg. Da das Bodenschutzgesetz relativ neu sei, gebe es dazu noch keine höchstrichterlichen Entscheidungen. " Insofern ist man bei einem solchen Rechtsstreit sehr in Gottes Hand."

Detlef Gerdts skizzierte für die Umweltverwaltung das weitere Verfahren. Der Boden müsse einen Meter tief ausgekoffert und durch unbelasteten Mutterboden ersetzt werden. Bei den 251 Flächen kommen so 90 000 Tonnen Aushub zustande. Große Bäume sollen möglichst stehenbleiben. Bei vielen " gefangenen Gärten" werde mit Kränen gearbeitet, um an die ringsum bebauten Flächen überhaupt heranzukommen. " Das alles erforderte eine intelligente Planung der Arbeiten, den Abschluss von Einzelverträgen mit den Eigentümern und Vergabeverfahren, so dass erst im Winterhalbjahr 2004 begonnen werden kann". (fr)

Altlast Wüste

HappyEnd?

Von Christoph Franken

Mit der bewohnten Altlast im Boden des Stadtteils Wüste, immerhin eine der größten ihrer Art in Deutschland, hat Osnabrück zunächst bundesweit und dann international Pluspunkte gesammelt: Von Anfang an ging die städtische Umweltverwaltung behutsam vor, band die Betroffenen über modellhafte Projektbeiräte ein und kommunizierte mit 18 000 Bewohnern gleichzeitig. Auch dies ein Novum, das von der Bundesumweltstiftung gefördert wurde.

Dabei blieb es aber nicht: Statt sich in Sack und Asche zu hüllen, gingen die Fachleute ganz offensiv mit dem Thema um und hatten sogar den Mut, es als Expo-Projekt vorzuschlagen. Als solches machte es international nicht nur in der Fachwelt Furore. Kein Zweifel, ohne die Altlast Wüste hätte Osnabrück nicht den Anstoß bekommen, sich beim Thema Boden zu profilieren: Das Sekretatriat des Europäischen Bodenbündnisses und gute Chancen auf den Sitz des deutschen Bodenkommunikationszentrums sind der Lohn dafür.

Jetzt geht es darum, das Vorzeigeprojekt zu einem guten Ende zu bringen. 251 Grundstücke müssen saniert werden, und die Fraktionen im Stadtrat sind bereit, dafür tief in die Tasche zu greifen. Das stellt angesichts leerer Stadtkassen ein enormes Entgegenkommen dar. Nun liegt es an den Eigentümern der 251 Flächen, mitzuziehen: Sie allein entscheiden letztlich darüber, ob die Erfolgsstory Wüste glücklich endet.
Autor:
fr


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