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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Gretescher Wasserzeichen mit Zar, Kaiser und König
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Spannende Materie: Papierhistoriker tagten bei Schoeller
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Originaltext:
Gretescher Wasserzeichen mit Zar, Kaiser und König

Spannende Materie: Papierhistoriker tagten bei Schoeller

An dem Papier, das sie im Moment in der Hand halten, interessieren sie vornehmlich der Text und die Fotos, die sie gerade unter die Lupe nehmen. Die 65 Papierhistoriker aus verschiedenen europäischen Staaten, die sich am Wochenende bei der Firma Schoeller in Gretesch trafen, haben es aber weniger auf die gedruckten Wörter und Bilder als auf das Material abgesehen.

Papier ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Oh es die tägliche Zeitung ist, das Schulheft oder Geldscheine - Papier gehört zum Leben wie das Tor zum Fußball. Aber Papier ist nicht gleich Papier. Die Variationen sind sehr vielfältig: Vom Asbestpapier bis zum Zeitungspapier gibt es für jede Lebenslage eine bestimmte Sorte. Die Geschichte des Papiers ist lang und beginnt schon in der Antike.

" Papierhistoriker ist kein Beruf, und man kann auch keine entsprechende Ausbildung machen", erläutert Dr. Frieder Schmidt, der Vorsitzende des Arbeitskreises für Papiergeschichte. Er selbst ist über die Mühlentechnik zu seiner Passion gekommen. Schmidt erzählt weiter, dass seine Kollegen hauptsächlich über den Beruf auf die Papierhistorie stoßen. So war zum Beispiel Tagungsteilnehmer Hans-Joachim Drissler jahrzehntelang der wichtigste Importeur für Japanpapier in Deutschland.

Der Arbeitskreis für Papiergeschichte wurde 1990 in Berlin gegründet. Seitdem treffen sich die Mitglieder jährlich. Nach Auskunft von Frieder Schmidt sind die Tagungen lockere Zusammenkünfte von Menschen, die an der Geschichte von Papier interessiert sind. " Ich bin ein bisserl der Häuptling, aber wir haben keine Satzung", sächselt Schmidt, der in Leipzig als Leiter der Papierhistorischen Sammlung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum arbeitet. In ganz Deutschland beschäftigen sich ein Dutzend Einrichtungen mit Papier, wie zum Beispiel das Deutsche Technik-Museum in Berlin und das Deutsche Museum in München. " Wir sind eine kleine Schar", stellt Frieder Schmidt fest: " Aber im internationalen Vergleich stehen wir gut da."

Der Schwerpunkt der 12. Tagung in Burg Gretesch, zu der die Firma Felix Schoeller einge-

Urkundenschatz aus dem Abfall gerettet

laden hat, lag auf technischen Papieren. Ein Vortrag beschäftigte sich beispielsweise mit einem bestimmten Maschinenpapier, mit dem Kunstfälschungen aufgedeckt werden können.

Ein anderes Thema waren Wasserzeichen. Der Papierhistoriker Stefan Feyerabend aus Hamburg hat es geschafft, 2 000 Wasserzeichen zu aufzuschlüsseln. " Die Wasserzeichen sind eine Wissenschaft für sich", erklärt Walter Niemeyer, der 47 Jahre bei Schoeller gearbeitet hat und nun als Pensionär das dortige Archiv verwaltet. Viele Wasserzeichen könnten heute kaum noch entschlüsselt werden, weil vieles verloren gegangen sei oder vernichtet wurde.

In seinem Vortrag sprach Walter Niemeyer über die Wasserzeichen aus Burg Gretesch. Eine absolute Rarität seien die Wasserzeichen aus den Jahren 1813 / 14, als diese Technik zum ersten Mal in Gretesch angewandt wurde. Sie enthalten die Monogramme von Zar Alexander von Russland, Kaiser Franz II. von Österreich, König Georg von England und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, die als Befreier und Erretter Deutschlands von der napoleonischen Herrschaft gefeiert wurden.

Im vergangenen Jahrhundert umwehte der Hauch von James Bond und seinen Kollegen die Gretescher. Von 1960 bis 1970 stellte Schoeller Sicherheitspapiere für die Geheimdienste der skandinavischen Staaten her. Etwas später stand die Arbeit der Papierdrucker wieder unter dem Siegel " top secret", als die Ausweispapiere für die deutsche Bundesdruckerei in Produktion waren.

Einen besonderen Schatz hatte ein Kollege von Walter Niemeyer im Gepäck: Eine Reichsgesetzverordnung aus dem Jahre 1731, die vom Bischof von Bamberg und Würzburg und dem Markgrafen Friedrich Christian zu Brandenburg ausgestellt worden war. Der Papierhistoriker hatte die Urkunde in Stettin im Abfall gefunden, kurz bevor die Rote Armee einmarschierte. Ein Beispiel dafür, dass der Weg manchen Papiers zum Glück doch nicht vergänglich ist. (tw)

DIE GESCHICHTEN AUF DEM PAPIER interessierten die Papierhistoriker Dr. Frieder Schmidt (links) und Walter Niemeyer, hier vor dem Modell der ehemaligen Papiermühle, nicht so sehr wie die Geschichte des Papiers.Foto: Elvira Parton
Autor:
tw


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