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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Inhalt:
Überschrift:
Den Klang von 2000 PS noch immer im Ohr
 
Zum Abschied fließt Freibier
 
Warum nicht mal spinnen?
Zwischenüberschrift:
Am kommenden Dienstag wird die Schinkellok vom Sockel geholt
 
Was Lokführer mit der 042 erlebten
Artikel:
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Originaltext:
Was Lokführer mit der 042 erlebten

Von Michael Schwager

" Die 42er hatte einen schönen Klang." Der Osnabrücker Lokführer Werner Huxol hat die satten Schläge noch immer im Ohr die bei langsamer Fahrt aus dem Schornstein dieser Loks tönten. In den 70er Jahren, kurz bevor das Dampfzeitalter bei der Bundesbahn endete, hatte er einmal einen Eisenbahn-Fan mitgenommen, der diese Musik mit einem Richtmikrofon vom Dach des Führerstandes aufnahm. Ein Exemplar der Baureihe 042 steht noch bis Dienstag als Denkmal auf einem Sockel im Schinkel.

" Im Grunde war es eine ganz solide, einfach zu handhabende Lokomotive", beschreibt Huxol seine Erfahrungen mit der Maschine, die aber auch eine unangenehme Eigenschaft hatte. " Sie riss manchmal Wasser, wie der Fachmann sagt. Wenn der Wasserstand im Kessel zu hoch war, gelangte Wasser in den Zylinder der Dampfmaschine und sorgte dort für verbogene Teile. Außerdem bildete sich im Heißdampfbereich Kesselstein. Lokführer August-Wilhelm Aufderheide erinnert sich an eine Panne nahe der Weserbrücke bei Kirchweyhe. Nach einem Halt vor einem Signal konnte er den Heißdampfregler, der von Kesselstein blockiert war, nicht mehr betätigen. Die Lok musste abgeschleppt werden.

Ob Huxol oder Aufderheide selbst jemals am Regler der 042052-1 aus dem Schinkel gestanden haben, können sie heute nicht mehr rekonstruieren. Zwar waren von 216 der nach dem Krieg in Westdeutschland verbliebenen Exemplare der Baureihe etwa zwei Drittel bis 1969 irgendwann einmal im Betriebswerk Osnabrück Hauptbahnhof beheimatet; sie gilt In Fachkreisen deshalb auch als " die Osnabrücker Lokomotive". Die 042052-1 war aber nur vom 18. April 1946 bis zum 1. März 1948 in " Kamerun" stationiert.

Der Loktyp war in den 30er Jahren von der Firma Schwartzkopff entwickelt wurden und zunächst als Baureihe 41 in Dienst gestellt worden. Die Schinkellok selbst, 1939 nach den Schwartzkopff-Plänen bei Henschel in Kassel gebaut und für 196 000 Reichsmark an die Bahn verkauft, war nach ihrer Endabnahme zuerst Hamburg-Harburg zugeteilt. Nach zahlreichen Stationen kam sie 1967 nach Rheine. Von hier aus zog der bei voller Betriebsbereitschaft 177, 5 Tonnen schwere Koloss mit knapp 2 000 Pferdestärken Erzzüge auf der Strecke Löhne-Osnabrück-Oldenzaal. Inzwischen war die Maschine 1960 von Kohle- auf Ölfeuerung umgerüstet und deshalb mit der neuen Baureihen-Nummer 042 versehen worden. Im Oktober 1977 dampfte die 042052-1 in Rheine aufs Abstellgleis und wurde knapp ein Jahr später, am 6. September 1978, nach Osnabrück geschleppt. Seit dem 7. Juli 1979 steht sie an der Ecke Buersche / Rotenburger Straße als Industriedenkmal auf einem Sockel.

Hier rostete sie langsam vor sich hin, wurde 1987 einmal für gut 50 000 Mark grob restauriert und schlummerte weiter ihren Dornröschenschlaf. Bis 1999 wieder Bewegung in die Angelegenheit kam. Die Pläne, in dem Straßendreieck eine Senioreneinrichtung zu schaffen, hatten immer konkretere Formen angenommen. Es wurde klar, dass der schwarze Riese dem Projekt im Weg steht. Neuen 40 Pflegeplätzen entstehen dort auch Möglichkeiten für betreutes Wohnen. Mehrere Eisenbahn-Vereine bekundeten damals Interesse an der Lok. Der Verein Schwabendampf e.V. gehörte zu den Clubs, die die 042052-1 wieder fahrbereit machen wollten. Aber die Stadt. Eigentümerin der Lok, gab schließlich den Osnabrücker Dampflokfreunden (OUF) den Zuschlag. Die Nostalgie-Eisenbahner vom Zechenbahnhof Piesberg, die bisher nur historische Dieselloks zu ihrem Fuhrpark zählen, nehmen die Schinkellok jetzt in Pflege. Vor dem Abtransport zum Zechenbahnhof untersuchten die Dampflokfreunde den Schienen-OIdie. ODP-Vorsitzender Albert Merseburger war von dem maroden Allgemeinzustand nicht sonderlich überrascht. Der Kessel ist im Innern vermutlich völlig kaputt. Die Bremsbacken waren so festgerostet, dass sie nur mit Schweißbrenner und Vorschlaghammer von den Rädern gelöst werden konnten. Aber ohne Bresmen rollte die Lok auf dem kurzen Schienenstück auf ihrem Sockel noch immer wie geschmiert.

Nicht ganz wie geschmiert lief es für Lokführer August-Wilhelm Aufderheide vom Betriebswerk Osnabrück mit einer 042er Jahr 1962. Er war mit einem Gesellschaftssonderzug zur Internationalen Gartenschau in Hamburg unterwegs. Aufderheide freute sichüber den Auftrag: " Nun konnte ich mich zum ersten Mal als Lokführer vor den Leuten meiner Heimat zeigen, die nichts anderes wussten, als dass ich irgendwo im fernen Osnabrück beschäftigt war."

Auf der Rückfahrt verschaffte er seiner Frau die Gelegenheit, ein paar Stationen mitzufahren. " Sie stand nun hinter mir auf der Tenderbrücke, einem Riffelblech, das an der Lok mittels Gelenken befestigt war und das sich während der Fahrt fortlaufend hin und her bewegte." In einer Rechtskurve wurde der Fuß seiner Frau zwischen dem gleitenden Blech und dem Ölkasten des Tenders für ein paar Sekunden eingeklemmt. Es passierte nichts, und Aufderheides Frau war schließlich froh, die Lok wieder unversehrt verlassen zu können. Aufderheide: " Das kleine Missgeschick verstand sie als Fingerzeig der Maschine, dass es Unbefugten nicht erlaubt war, auf einer Lok mitzufahren."

Zum Abschied fließt Freibier

Fast ein Vierteljahrhundert war sie das Wahrzeichen des Osnabrücker Stadtteils Schinkel: die Dampflokomotive 042052-1 aus dem Jahr 1939. Nun tritt das Tonnen schwere Gefährt von der Buerschen Straße am 18. und 19. September seinen Weg zu einem neuen Standort am Zechenbahnhof Piesberg an. Mit Hilfe einer Rampe und 36 Metern Gleise werden die historische Lokomotive und der von den Osnabrücker Dampflokfreunden abgekuppelte Tender auf zwei Tieflader gehievt.

Begonnen wird am Dienstag um 7 Uhr mit dem Auslegen der Gleise und dem Aufbau der Rampe. Zunächst wird der Tender verladen - der Vorratswagen für Wasser und Schweröl. Gegen 12.30 Uhr wird dann mit der Verladung der Lokomotive begonnen. Kurz zuvor sprechen unter anderem der Sozial- und Kultusdezernent Reinhard Sliwka und der Vorsitzende der Osnabrücker Dampflokfreunde e. V., Albert Merseburger, Grußworte. Bürger, die sich die Verladung anschauen, erhalten von 12 bis 22 Uhr Freibier, zu dem die Stadt Osnabrück, die Osnabrücker Dampflokfreunde e. V. sowie der Bürgerverein Osnabrück-Schinkel von 1912 einladen. Kostenlose alkoholfreie Getränke spendiert der Bürgerverein Schinkel-Ost.

Um 22 Uhr beginnt dann der Abtransport der Dampflokomotive auf der Straße, der am 19. September voraussichtlich um 2 Uhr zunächst auf dem Hellmann-Gelände an der Dornierstraße im Industriegebiet West endet. Um 7 Uhr werden dort Lok und Tender wieder auf Schienen gesetzt und in den Zechenbahnhof überführt.

Die Stadt Osnabrück hat kürzlich den Osnabrücker Dampflokfreunden e. V. die Dampflokomotive für zunächst zehn Jahre überlassen. Am Piesberger Standort wird sie äußerlich aufgemöbelt, in Stand gehalten und auch ; weiterhin bei Veranstaltungen präsentiert.

Warum nicht mal spinnen?

Till, für den der Jungen-Traum vom Lokomotivführer immer nur an der Modelleisenbahn Wirklichkeit wird, hat eine Idee: Wäre es nicht toll, wenn die Schinkellok, die ja jetzt zur Osnabrücker Dampflok wird, eines Tages wieder durch die Schinkelkurve ratterte. Wenn Senioren irgendwann in der geplanten Einrichtung an der Buerschen Straße, dort, wo die Dampflok jetzt noch ihren Dornöschenschlaf schläft, den dumpfen Klang der 2000-PS-Maschine hören könnten. Das Heulen der Dampfpfeife. Wenn dieälteren Herrschaften dann zum Haltepunkt Bremer Brücke spazierten, in die grünen Donnerbüchsen-Waggons stiegen und zur Bundesgartenschau an den Piesberg abdampften. Am Hauptbahnhof stiegen noch Touristen zu. Bis dieses Szenario Realität werden könnte, gehen sicher noch einige Jahre ins Land. Aber warum soll man nicht etwas spinnen. Klar, man müsste erst einmal einen Haufen Geld auftreiben. 500 000 bis 800 000 Mark würde es nach Expertenschätzungen kosten, das Dampfross wieder auf Trab zu bringen. Die Reparatur des Kessels ist aufwendig und teuer. Aber dass es geht, beweisen Eisenbahnclubs in ganz Deutschland. Vielleicht wäre ein Förderverein " Osnabrücker Dampflok" ein erster Schritt. Osnabrücker Eisenbahnfans könnten hier Spenden sammeln und damit ein Stück regionaler Industriegeschichte wiederbeleben. Wie gesagt, alles nur eine Idee, ein Traum. Aber wieso sollte der Traum nicht Wirklichkeit werden?

Bisübermorgen

Fotountertitel:

DER DORNRÖSCHENSCHLAF geht zu Ende. Am Dienstag versuchen die Osnabrücker Dampflokfreunde die Schinkellok endgültig wachzuküssen. Fotos (3): Dietmar Koch

ALS DIE SCHINKELLOK noch unter Dampf stand: Diese Aufnahme aus den 70er Jahren zeigt die 042 052-1, wie sie vor einem Güterzug aus der Schinkelkurve in den Osnabrücker Hauptbahnhof einfährt. Foto: privat

MIT SCHWEISSBRENNER und Vorschlaghammer lösten die Osnabrücker Eisenbahnfans die festgerosteten Bremsbacken von den Rädern.

EIN KLEINE-JUNGEN-TRAUM wurde für Werner Huxol wahr: Jahrelang fuhr er als Lokführer, auch auf Maschinen der Baureihe 042. Foto: privat

HAU RUCK: Die Schinkellok rollte nach den ersten Vorbereitungen wie geschmiert.
Autor:
Michael Schwager, Till


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