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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Beim Festumzug mit stolzgeschwellter Brust
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Vor 100 Jahren: Katholikentag in Osnabrück abgehalten
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Beim Festumzug mit stolzgeschwellter Brust

Vor 100 Jahren: Katholikentag in Osnabrück abgehalten

Von Kerstin Pentermann

Mit »stolzgeschwellter Brust" stellten sich die Osnabrücker Gesellen- und Arbeitervereine am 25. August 1901 zu einem Festumzug am Domhof auf. Grund: Die Hasestadt war Veranstaltungsort der 48. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Osnabrück wurde damit zu einem Begriff für die Katholiken innerhalb Deutschlands; während der fünf Versammlungstage wurden zudem für den Katholizismus richtungweisende Beschlüsse gefasst.

Drei deutsche Städte waren als Veranstaltungsort in die engere Auswahl gekommen: Neben Osnabrück auch Passau und Paderborn. Graf Clemens Droste zu Vischering-Erbdroste, Vorsitzender des Zentralkomitees, das die Auswahl des Versammlungsortes zu treffen hatte, führte zunächst Verhandlungen mit süddeutschen Städten, die aber scheiterten. Osnabrück fiel auf, weil von 1897 bis 1899 " ein geräumiges Vereinshaus entstanden war", wie es in dem vom Lokal-Komitee in Osnabrück herausgegebenen Band " Verhandlungen der 48. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands vom 15. bis zum 29. August 1901" heißt. Das Vereinshaus am " Collegienwall" erhielt in der Festschrift eine besondere Würdigung.

Autor der Festschrift mit dem Titel " Osnabrück - seine Geschichte, seine Bau- und Kunstdenkmäler" war der Osnabrücker Dr. Alois Wurm, Hüttendirektor des Stahlwerkes. In der Festschrift, die 88 Abbildungen und auch einen Stadtplan enthält, heißt es zum Osnabrücker Vereinshaus: Dieser Gebäudekomplex von dem Kölner Architekten Seche entworfen und gebaut, bietet für große Versammlungen, Feste und Aufführungen einen Ort, wie ihn wenige Städte innerhalb Deutschlands aufzuweisen haben. Bei einer Gesamtausdehnung von etwa 90 mal 30 Metern umschließt er genial entworfene, sehenswerte Restaurationsräume, wie auch mehrere Riesensäle, welche zusammen 6 000 bis 7 000 Personen fassen..." Bedenken gegen den Standort Osnabrück hegte das Zentralkomitee aus einem Grund: Die Stadt war bis zu zwei Drittel protestantisch.

Die Festschrift von Dr. Alois Wurm fand in Osnabrück viel Zuspruch. Der Autor der Festschrift war der Meinung, dass Osnabrück trotz seiner elfhundertjährigen Vergangenheit zwar nicht so viele Kunstschätze biete wie andere Orte in Niedersachsen, aber doch mehr historische Bedeutsamkeit habe, als mancher vermute. Die Niederlage Wittekinds gegen Karl den Großen bezeichnete Wurm als Gründungsjahr Osnabrücks. Alois Wurm war zwar Chemiker, beschäftigte sich aber mit der Geschichte seiner Heimatstadt und fotografierte selbst leidenschaftlich Osnabrücker Motive. Alois Wurm nahm auch an den Versammlungen des Katholikentages teil. Allerdings, so beklagte Wurm sich in Briefen an seinen Schwiegervater, sei ihm der Ton manchmal ein wenig zu scharf.

So kritisierte Prälat Rade aus Paderborn im Rahmen einer Parallelversammlung in der noch nicht fertiggestellten Herz-Jesu-Kirche zu Osnabrück in einem Vortrag zum Bonifatius-Verein das Alltagsleben von Katholiken in protestantischen Hochburgen.; Der Bonifatius-Verein kümmerte sich laut Rade um Katholiken in protestantischen Städten oder Dörfern " in der Diaspora". Rade kritisierte, dass die Betreuung manchmal nicht ausreiche: " Die Kinder gingen in die protestantische Schule. Die Erwachsenen konnten keine Sakramente empfangen, wurden lau und fielen dem Protestantismus anheim..."

Im Rahmen der Ergebnisse der 48. Generalversammlung wurde gefordert, das Papsttum als Sicherung des Friedens unter den christlichen Völkern anzuerkennen. Als Schiedsrichter unter den Völkern und Staaten könne der Papst erfolgreich wirken, wie die Weltgeschichte bewiesen habe.

Im privaten Bereich setzte sich die Generalversammlung unter anderem für die Bekämpfung des Duells" ein. Es widerspreche den Geboten Gottes, der Zivilisation und den bestehenden Gesetzen, sich im Zweikampf zu schlagen und jeden, der sich dagegen wehre, als feige anzusehen.

In der Katholikenversammlung in Osnabrück gedachte man insbesondere eines Osnabrückers. In den Einführungsreden zum Auftakt der Versammlungen wurde Ludwig Windt hörst als " einer der größten Söhne des katholischen Deutschlands" gewürdigt. Der Auftakt der Generalversammlung wurde zum Ehrentag Windthorsts erklärt.

Windthorst gilt als einer der größten Widersacher Bismarcks, der die Rechte der katholischen Kirche im Rahmen des neu gegründeten Deutschen Reiches immer mehr einschränken und eine allgemeine Säkularisierung des Staates durchsetzen wollte. Sein Programm: Ausweisung der Jesuiten, staatliche Aufsicht über alle Schulen, Eingriffe in die kirchliche Ausbildung angehender Priester und das " Brotkorbgesetz", die Sperrung aller staatlichen Zuschüsse.

Da die katholische Bevölkerung - auch in Osnabrück - Widerstand leistete, kam es zu Ausweisungen. Der Bischofsstuhl in Osnabrück war von 1878 bis 1882 nicht besetzt. Ludwig Windthorst, geboren in Ostercappeln, studierte Rechtswissenschaften und wurde im Rahmen parlamentarischer Arbeit in der katholischen Partei Zentrum zum Widersacher Bismarcks. Erst 1880 und 1887 kam es durch Ausgleichsverhandlungen mit dem neuen Papst Leo XIH. zum Kompromiss zwischen Staat und Katholizismus.

VIEL ZUSPRUCH fand Dr. Alois Wurm für seine Festschrift.

EINE MITGLIEDSKARTE zum Preis von 7, 50 Mark ermöglichte Interessenten die Teilnahme am Katholikentag.

GROSSES LOB gab es für das Vereinshaus am " Collegienwall", das in den Jahren von 1897 bis 1899 errichtet worden war. Repros: Hermann Pentermann
Autor:
Kerstin Pentermann


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