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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Katasteramt war Grundlage für die königlichen Stezereintreiber
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Katasteramt öffnet zum 125-jährigen Bestehen Türen und Karten
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Originaltext:
Kataster war Grundlage für die königlichen Steuereintreiber

Osnabrücker Katasteramt öffnet zum 125-jährigen Bestehen Türen und Karten

Osnabrück (pol) Wer sein Haus schätzen lassen möchte oder wissen will, wie die Baulandumlegung funktioniert, wer einen Blick in eine historische Amtsstube riskieren oder aber auch einfach nur seine Körpergröße von einem Geometer vermessen lassen will, sollte sich am morgigen Samstag (8. September) auf den Weg zum Katasteramt an der Mercatorstraße in Osnabrück machen. Bei einem Tag der offenen Tür zum 125-jährigen Bestehen des Katasteramtes Osnabrück wird dort ein abwechslungsreiches Programm geboten.

" Der Anlass zur Einrichtung von Katasterämtern war eher amüsant", schmunzelt Helmut Bölke, leitender Vermesungsdirektor der Vermessungs- und Katasterbehörde für die Stadt und den Landkreis Osnabrück. In Frankreich sei nach der Revolution die Größe des Grundeigentums als Grundlage zur Steuerveranlagungen herangezogen worden. " Jeder konnte selbst angeben, wie groß seine zu besteuernde Fläche war, mit dem Ergebnis, dass Frankreich auf ein Drittel seiner wahren Größe zusammenschrumpfte", so der Leiter der Katasterbehörde. Später sei auch im Königreich Hannover, zu dem Osnabrück gehörte, eine Veranlagung zur Grundsteuer eingeführt worden, hier ebenfalls mit dem Versuch, das jeder sein Grundeigentum selbst angebe. Und mit dem gleichen niederschmetternden Ergebnis: nur etwa ein Viertel der tatsächlichen Flächen sei deklariert worden.

" Das zeigt deutlich, dass die Einrichtung von Katasterämtern Sinn machte", waren sich Bölke und Vermessungsoberamtsrat Manfred Ritterhoff, Personalchef der Behörde, einig.

Nach der Annektion des Königreiches Hannover durch Preußen 1866 sei dann das preußische Grundsteuersystem eingeführt worden, für das als Grundlage eine vollständige Vermessung und Bonitierung (Bewertung nach Ertrag) der Grundstücke und eine Erfassung in Karten und Büchern nötig gewesen sei, erklärte Bölke. In nur fünf Jahren gelang es, genaue Katasterkarten und - bücher aufzustellen. Der 1. Januar 1876 war nicht nur der Termin für den Abschluss der Vermessung und die Grundsteuerveranlagung, sondern auch der Gründungstag von 38 Katasterämtern in der Provinz Hannover, denen die Aufgabe übertragen wurde, das Grundsteuerkataster fortzuführen und auch zur Gebäudesteuer zu veranlagen. Die ehemaligen preußischen Katasterämter Osnabrück, Bersenbrück und Melle wurden 1973 zum Katasteramt Osnabrück zusammengefasst.

Heute ist dem Finanzamt die Aufgabe der Steuererhebung übertragen. Den 125 Mitarbeitern des Katasteramtes obliegt die Aufgabe, die Ergebnisse von Bodenschätzungen in Karten und Buch darzustellen. Jedes Flurstück, früher Parzelle, ist nach seiner Geometrie, Größe und Nutzung mit Schätzungsmerkmalen für den Wert und Eigentümernachweis festgehalten. Auch ist das Kataster die Grundlage für den Eigentumsnachweis im Grundbuch. Gutachterausschüsse, in denen auch Katastermitarbeiter mitwirken, haben ihre Geschäftsstelle beim Katasteramt. Sie ermitteln unter anderem den Wert von Immobilien und Grundstücken und erstellen Verkehrswertgutachten. Eine Grundlage dafür ist die beim Katasteramt geführte Kaufpreissammlung. Auf dem Immobilien- und Grundstücksmarkt kennen sich die Mitarbeiter also bestens aus - aber sie haben eine Schweigepflicht.

Weil die alten Liegenschaftskarten, die noch auf Karton gezeichnet und deshalb nicht zum Vervielfältigen waren, auch wegen ihrer Ungenauigkeit nicht mehr als Grundlage für Planungen und topographische Karten dienen konnten, wurden in den 80er Jahren umfangreich neu vermessen und es wurden neue Liegenschaftskarten erstellt. Mittlerweile ist der Karten-und Buchnachweis digital verfügbar. Das vereinfacht auch die Hauptaufgabe der Katasterämter, die Fortführung des Katasters in Karten und Buch, da sich jährlich rund 15 bis 20 Prozent der Daten ändern. Heute ist das Kataster ein umfassendes Geoinformationssystem.

Und natürlich ist die Vermessungstechnik mittlerweile eine ganz andere als vor 125 Jahren. Nicht ohne Stolz präsentierten Bölke und Ritterhoff die neue GPS-Technik (Global Positioning System). Sie ersetzen die astronomischen und terrestrischen Landesvermessungssysteme. Die GPS-Technik ist ein System zur Bestimmung von Standort, Geschwindigkeit und Bewegungsrichrung anhand der künstlichen Sterne oder Satelliten. Es dient nicht nur der Landvermessung. Der ganze Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft, die Bauwirtschaft und die Landwirtschaft und selbst Wanderer und Radfahrer bedienen sich heute der GPS-Technik. Wer die Navigationstechnik im Auto hat, kann die Genauigkeit seines Systems beim Tag der offenen Tür im Katasteramt kontrollieren. Außerdem werden dort von 10 bis 18 Uhr Karten zu Sonderpreisen verkauft und eine Schatzsuche über Satellitenvermessung veranstaltet.

SICH IN DIE KARTEN schauen lassen am morgigen Samstag beim Katasteramt Osnabrück Amtsleiter Helmut Bölke (stehend) und Personalchef Manfred Ritterhoff. Foto: Maria Pohlabeln
Autor:
pol


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