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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
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Überschrift:
Günstiges Bauland für Familien in bester Lage - aber keiner baut
 
Sozialministerin gefordert
Zwischenüberschrift:
Förderrichtlinien des Landes bremsen Stephanswerk am Hauswörmannsweg
 
Probleme für Häuslebauer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Günstiges Bauland für Familien in bester Lage - aber keiner baut

Förderrichtlinien des Landes bremsen Stephanswerk am Hauswörmannsweg

Bauwillige Familien sollen in der Stadt bleiben, das will der Rat. Auf dem Glände der ehemaligen Kaserne am Hauswörmannsweg will das kirchliche Wohnungsunternehmen Stephanswerk bis zu 100 kinderreichen Familien helfen, den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Aber jetzt fehlt Geld, weil das Land nicht wie geplant fördert. Mit Zuschüssen ab 1 500 Euro will das Stephanswerk gegensteuern.

Wegen Geldknappheit hat das Land Niedersachsen vor etwa anderthalb Jahren die Richtlinien für die Bauförderung kinderreicher Familien verschärft. Ab jetzt erhalten nur Familien mit drei oder mehr Kindern und einem geringen Einkommen ein zinsloses Darlehen des Landes. Dadurch ist der Kreis der Anspruchsberechtigten stark eingeschränkt. Josef Heile, Geschäftsführer des Stephanswerkes, rechnet mit ein bis zwei Familien pro Jahr, die unter diesen Umständen auf dem ehemaligen Kasernengelände bauen können. 15 bis 20 Familien pro Jahr hatte er zu Beginn des Projektes erwartet. " Die Familien werden gleich doppelt bestraft", erklärt Heile den Fördermechanismus. Denn wer die Landesförderung nicht erhält, darf auch die verbilligten Grundstücke nicht kaufen. Das Stephanswerk hatte 35 000 Quadratmeter Kasernengelände vom

" Familien gleich doppelt bestraft"

Bund gekauft, etwa die Hälfte davon zum halben Preis. Der Rabatt des Bundes von etwa 26 Euro pro Quadratmeter sollte an die vom Land geförderten Bauherren weitergegeben werden. Durch die aufwendige Erschließung liegt der Kaufpreis heute ohnehin deutlich höher. Besonders prekär für Osnabrück: Nordrhein-Westfalen hat großzügigere Förderrichtlinien. Bauwillige Familien fühlen sich deshalb von den Gemeinde im Kreis Steinfurt, die sie zum Teil noch mit dem Osnabrück Stadtbus erreichen können, besonders angezogen.

Heile hat alles versucht, um zumindet die Bundesförderung weitergeben zu können. Kriterium für die Vergabe der verbilligten Grundstücke sollten die alten niedersächsischen Förderrichtlinien sein. Bauherren hätten dann zwar nicht das zinslose Landesdarlehen bekommen, aber wenigstens etwas beim Grundstückspreis gespart. Aber da machte der Bund nicht mit. Begründung: Nur wer Landesförderung bekommt, hat auch Anspruch auf Bundesförderung, alles andere widerspreche dem Prinzip der Gleichbehandlung. Interventionen von Stephanswerk-Aufsichtsratschef Heinrich Franke, einst Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, oder den Bundestagsabgeordneten Carl-Ludwig Thiele konnten an dieser Haltung wenig ändern.

Heile setzt auf die Ausnahmeregelung, die auch die neuen niedersächsischen Förderrichtlinien vorsehen. Schließlich seien die alten Richtlinien Vertragsgrundlage gewesen, die Änderung im laufenden Verfahren rechtfertige, die Ausnahmeregelung anzuwenden, findet Heile. Er hofft auf Unterstützung von Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip und von Christian Wulff, Oppositionschef im Landtag. Sie sollen das zuständige Sozialministerium des Landes und Ministerin Gitta Trauernicht überzeugen.

" Es muss doch vorangehen", findet auch Stadtdechant Hermann Wieh. Es sei im gesellschafltichen Interesse, Familien in der Stadt zu halten. Es sei gar kein Problem, die Grundstücke in der Kaserne zu marktüblichen Preisen abzusetzen, ein nobles

" Es muss doch vorangehen"

Wohngebiet zu schaffen und mit dem Erlös dann auch dem Bund den gewährten Rabatt zurückzuzahlen. Aber das wolle man gerade nicht.

Seine Gemeinde St. Johann engagiert sich deshalb ebenfalls im Bauprojekt am Hauswörmannsweg. Durch günstigere Erbbauzinsen bis hin zum kompletten Erlass des Zinses will die Gemeinde kinderreichen " Schwellenhaushalten" zu günstigem Wohneigentum verhelfen. Das Stephanswerk gewährt jetzt vom zweiten Kind an pro Kind einen Kaufpreisnachlass von 1500 Euro.

(swa)

Probleme für Häuslebauer

Sozialministerin gefordert

Von Michael Schwager

Schwerter zu Pflugscharen - leichter gesagt als getan. Besonders ärgerlich, wenn die Friedensdividende wegen Prinzipienreiterei verschiedener Behörden nicht eingefahren werden kann.

Das Gelände der ehemaligen Martini-Kaserne wird zwar in Teilen schon zivil genutzt, aber in dieser bevorzugten, innenstadtnahen Lage Wohnhäuser zu bauen, scheint schwierig. Das Projekt Ökodorf kommt nicht in die Strümpfe und jetzt knirscht auch beim Stephanswerk Sand im Getriebe.

Der Bundesfinanzminister zementiert unter Berufung auf den Grundsatz der Gleichbehandlung die Ungleichbehandlung von weniger gut betuchten, kinderreichen Häuslebauern, die durch die im Vergleich zu NRW strengere niedersächsische Förderpraxis schon besteht. Aber wer wenig Geld zu verteilen hat, ist Sachargumenten gegenüber wohl nur dann zugänglich, wenn sie zur Abwehr von Ansprüchen genutzt werden können.

Jetzt ist Sozialministerin Trauernicht gefordert. Um die nicht nachvollziehbare Benachteiligung niedersächsischer Familien auszugleichen und um ein für die Stadtentwicklung Osnabrücks bedeutendes Projekt nicht zu gefährden, sollte sie sämtliche Ausnahmeregelungen prüfen lassen, die eine rasche Besiedlung der ehemaligen Kaserne doch noch ermöglichen.

DUNKLE WOLKEN über dem Bauprojekt des Stephanswerkes am Hauswörmannsweg: 100 Häuser für weniger gut betuchte Familien mit Kindern sollen auf dem ehemaligen Kasernengelände entstehen. Durch neue Förderrichtlinien des Landes erreicht die Wohnungsgesellschaft ihre Zielgruppe nur noch ganz selten. Foto: Gert Westdörp
Autor:
swa, Michael Schwager


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