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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Kraftsportclub räumte in Hamburg die Preise ab
Zwischenüberschrift:
September 1901: Pferdemusterung auf dem Viehmarktplatz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Christiana Keller

Nach dem Katholikentag im Vormonat wurde in Osnabrück Bilanz gezogen. Das Vereinshaus am Kollegienwall veröffentlichte eine Statistik, die noch einmal zeigte, wie viele Menschen zu dieser Massenveranstaltung in die Hasestadt geströmt waren. Während des Katholikentages wurden allein in der damaligen Stadthalle 230 Hektoliter Bier gezapft und 15 500 Essensportionen verteilt, 120 Teilzeitkräfte arbeiteten kurzzeitig in der Küche und im Service.

Eine erfolgreiche Kampagne für die Volksgesundheit bildeten die endlosen Alleen entlang der Landstraßen im Osnabrücker Land. Schon in den 80er Jahren hatte man begonnen, Obstbäume zu pflanzen, die alljährlich an die Bevölkerung versteigert wurden. Mit den erzielten Gewinnen finanzierten die Behörden die Pflege und Neuanpflanzungen.

Schon Anfang September 1901 waren die ersten Äpfel reif, an den Chausseen begannen die Verkäufe der saftigen Früchte. Allein an der Strecke von Ankum nach Vörden wurden 20 Scheffel Gravensteiner meistbietend an das Publikum verkauft. Das gleiche Bild bot sich auch an allen anderen Straßen im Osnabrücker Land, zwischen Lechtingen und Vehrte, zwischen Wallenhorst und Damme, auch auf der Strecke von Osnabrück nach Rothenfelde, Osnabrück-Bad Iburg oder Osnabrück-Melle.

Bei einem Turnerwettbewerb in Hamburg fielen fast alle wichtigen Preise an Sportler aus Osnabrück, die mit dem Osnabrücker " Kraftsportclub" dorthin gereist waren. Die Meisterschaft im Schwergewichtstemmen errang der Trainer des Klubs, ein Herr Zimmermann. Die Turnerriege bekam den ersten Ehrenpreis im Tauziehen, aber auch im Steinstoßen und Ringen nahmen die Osnabrücker alle Preise mit nach Hause.

Grund genug für die Osnabrücker Zeitung, ein wenig Werbung zu machen: " Es kann daher jedem, welcher gewillt ist seine Körperkräfte auszudehnen und zu stählen, der Beitritt zu diesem Club nur bestens empfohlen werden."

Alljährliche Pflichtveranstaltung für Pferdehalter war die so genannte " Pferdemusterung" auf dem Viehmarktplatz an der heutigen Halle Gartlage. Die Tiere bekamen eine Startnummer und wurden einzeln an der Prüfungskommission vorbei geführt. Alle Pferde mussten antreten, sonst drohten den Besitzern empfindliche Geldstrafen. Ausgenommen von der Musterung waren u.a. ganz junge oder sehr kleine Pferde, Mutterstuten, Hengste und Vollblüter, blinde Tiere und solche, die dauernd in Bergwerken Dienst taten.

In der damaligen Gesellschaft gab es aber auch Menschen, die generell von solchen Veranstaltungen befreit waren und ihre Pferde nicht mustern lassen brauchten. Das waren z. B. " Mitglieder der regierenden Familien des Reiches", Diplomaten und Gesandtschaftspersonal, aktive Offiziere, Beamte, Tierärzte und Ärzte, die Pferde zur Ausübung ihres Dienstes hielten, Posthalter und die Königlichen Staatsgestüte.

Am 8. September 1901 starb in Frankfurt am Main der Staatsmann Johannes von Miquel. 36 Jahre zuvor war er als Nachfolger von J. C. B. Stüve erster Bürgermeister von Osnabrück geworden. In seiner Amtszeit reformierte Miquel das Rechnungswesen der Stadtverwaltung, gründete das Realgymnasium und bemühte sich, angesichts der Choleraepidemie von 1866 um verbesserte hygienische Verhältnisse in der Stadt.

Nach seiner Zeit in Osnabrück stieg Miquel in Berlin die Karriereleiter als Politiker weiter hinauf und wurde 1890 preußischer Finanzminister. Die Osnabrücker gedachten ihres ehemaligen Bürgermeisters mit Flaggenschmuck und Trauerfeiern. Vor 100 Jahren ließ sich schon am Stadtbild ablesen, dass die Zahl der alten Fachwerkhäuser schrumpfte. So war es jeweils eine Zeitungsnotiz wert, wenn einer der alten Giebel erneuert oder auch nur gestrichen wurde. Im September 1901 berichtete die Zeitung, dass das Haus Willmann in der Krahnstraße einen neuen Anstrich erhielt.

Als Publikumsmagnet erwies sich im selben Monat die beliebte Oeseder Kirmes. Nur waren es 1901 keine Pkw, die die Straßen verstopften, sondern Kutschen und Reitpferde. Prall gefüllt fuhren die Sonderzüge aus Osnabrück nach Oesede, für ein paar Stunden drangvolle Enge mit vergnüglichem Inhalt.

FISCHE FARBE für einen der schönsten Fachwerkgiebel gab es im September vor 100 Jahren. Das Haus Willmann ist auch heute noch eine Zierde der Krahnstraße.
Autor:
Christiana Keller


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