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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Gänsekrieg am Rubbenbruchsee
Zwischenüberschrift:
Welche Wildgans darf der Jäger schießen? Polizeistreife ermittelte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Gänsekrieg am Rubbenbruchsee

Welche Wildgans darf der Jäger schießen? Polizeistreife ermittelte

Seit über zehn Jahren leben Wildgänse am Rubbenbruchsee. Sehr zur Freude der Spaziergänger, der Ornithologen - und der Jäger. Wenn die einen aber auf die Breitschnäbel anlegen, kochen bei den anderen die Gemüter. So auch gestern, wo ein vermuteter Fall von Jagdfrevel sogar die Polizei anrücken ließ.

Eine Anwohnerin wurde gestern Morgen Zeugin, als die Atteraner Jäger zur Gänsejagd ausrückten. Zur Rede gestellt, habe der Wortführer der Gruppe sie " angebrüllt", berichtete sie: Vor allem die " Bastarde" unter den Gänsen müssten nun mal aussortiert werden, so seine Argumentation, und im Übrigen schieße er " auf seinem Grund alles, was der Jagdschein hergibt." Und erlegt wurden dann in der Tat vier der auf den Wiesen und Äckern am See heimischen Vögel.

Wenig diplomatische Worte, vor allem wegen des Wortes " Bastarde", weshalb die Zeugin eine Anzeige bei der Unteren Jagdbehörde erstattete. Denn, so hatte sie mittlerweile erfahren, die Jagd auf Graugänse ist in Niedersachsen zwar vom 1. bis 31. August freigegeben. Aber Mischformen, also Nachkommen zwischen den Graugänsen und den ebenfals am Rubbenbruchsee vorhandenen Kanadagänsen, sind nach einem Erlass des zuständigen Ministeriums für Landwirtschaft und Forsten nicht zur Jagd freigegeben. Dieser Erlass ist allen Jagdfunktionären und den Revierinhabern aus gegebenem Anlass noch im Frühjahr ans Herz gelegt worden.

Deshalb rückte gestern Nachmittag eigens eine Funkstreife des 1. Polizeikomissariats auf dem Hof von Hegeringleiter Heiner Kolkmeier in Atter an. Ihr Auftrag: Die Jagdstrecke zu besichtigen und mögliche Beweismittel zu sichern.

Wie einer der beteiligten Beamten anschließend berichtete, fanden die Polizisten dort zwei der gesuchten Gänse vor. Die anderen waren mittlerweile an die Mitjäger abgegeben. " Eine Graugans und ein Mischling mit weißem Gefieder", so einer der Beamten später. Weil es in dieser Frage auf biologische Detailkenntnis ankommt, hatten sich die ermittelnden Beamten eigens sachkundig gemacht: " Beide Vögel hatten rote Füße und rote Schnäbel, deshalb haben wir die Sache nicht weiter verfolgt."

Der Osnabrücker Tierschützer Wolfgang Herkt, seinerseits selbst Jagdpächter für weite Teile des Rubbenbruchsees, erklärte gestern auf unsere Nachfrage noch einmal die Situation: Die Graugans wie auch die domestizierte weiße Hausgans sind biologisch gesehen dieselbe Art, von den Biologen deshalb einheitlich " anser anser" genannt. Paaren sie sich, so entstehen daraus wohl landläufig als " Mischlinge" bezeichnete Fehlfarben. Ihr Erkennungsmerkmal sind jedoch übereinstimmend die orange-roten Schnäbel und Füße. Die Kanadagans dagegen und ihre Hybrid-Abkömmlinge aus einer Paarung mit der Graugans haben schwarze " Latschen" und schwarzen Kopf und Hals sowie einen charakteristischen weißen Kehlfleck.

" Die Kanadagans und auch die Hybridformen aus einer Verbindung mit der Hausgans sind derzeit in Niedersachsen nicht freigegeben", betonte Herkt weiter: " Weil die Möglichkeit der Verwechslung besteht, sollte der Jäger diese Exemplare nicht schießen." Und Kreisjägermeister Konrad Brockmann, der ebenfalls in den " Gänsekrieg" am Rubbenbruchsee eingeschaltet war, kommentierte den lautstarken Nachbarschaftsstreit zwischen Jägern und Passanten so: " Bei allem jagdlichen Handeln sollten sich die Jäger an den üblichen Sprachgebrauch gewöhnen." (fhv)

WUNDER DER NATUR: Am Rubbenbruchsee leben sowohl Graugänse (vom links) wie auch solche mit weißem Gefieder. Beide durften im August bejagt werden. Nicht dagegen die Kanadagans (hinten links) und ihre Nachkommen aus der Ehe mit dieser Graugans. Das Foto wurde im April gemacht. Foto: Michael Hehmann

Autor:
fhv


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