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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Vier Blindgänger in zwei Stunden entschärft: Das gab es noch nie
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Gestern Nachmittag: Großaktion im Fledder - Um 16.20 Uhr war alles vorbei
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Vier Blindgänger in zwei Stunden entschärft: Das gab es noch nie

Gestern Nachmittag: Großaktion im Fledder - Um 16.20 Uhr war alles vorbei

Von Beate Dammermann (Text) und Jörn Martens (Fotos)

" Sicherheit ist hergestellt. Ich beginne jetzt mit der Entschärfung." In seiner ruhigen Art " spielte" Sprengmeister Thomas Gesk gestern geduldig schon zwei Stunden vor der Entschärfung von vier Zehn-Zentner-Bomben im Fledder für die NDR Kameras seinen späteren, nicht ungefährlichen Part. Zusammen mit seinem Kollegen Michael Tillschneider machte er innerhalb von zwei Stunden die vier großkalibrigen Blindgänger unschädlich - eine Aktion, wie es sie in dieser Dimension in Niedersachsen zuvor noch nicht gegeben hat.

Durch die Auswertung von Luftbildern waren die vier Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg in Tiefen zwischen 1, 50 und 3, 40 Metern im Fledder geortet worden: Drei an der Gesmolder Straße nahe den Firmen Polking und Prelle sowie hinter der Kart-Bahn, die vierte auf dem TÜV-Parkplatz an der Rheinstraße. Alle vier sind amerikanischen Ursprungs und sollten, so vermuten die Sprengmeister, wahrscheinlich die Bahnlinine treffen.

Wir sind immer wieder erstaunt, wie viele, auch große, Blindgänger wir hier in Osnabrück immer noch entdecken", erläuterte Gesk. Statistisch gesehen, so Sprengmeister und Feuerwehrmann Norbert Lauxtermann, hätten die Kampfmittelräumer noch Über 170 Jahre in Niedersachsen zu tun, um alle noch im Boden liegenden Blindgänger zu entschärfen. " Und die werden immer gefährlicher." Wie sehr, zeigte sich gestern nach Ende der Großaktion: Die sieben aus vier Blindgängern herausgedrehten Zünder waren noch " wie neu".

Ab 11 Uhr wurden die Zufahrten zum Gebiet gesperrt, die 10 000 Bewohner im Fledder, Teilen des Schölerbergs und der Neustadt, die im Umkreis von 1, 5 Kilometern um die Entschärfungspunkte leben, zum Verlassen der Häuser aufgefordert. Polizisten, Feuerwehrleute und Freiwillige des Technischen Hilfswerks zogen von Haus zu Haus - doch die meisten Bewohner hatten bei dem schönen Wetter die Gegend bereits verlassen. Ausflüge und Besuche bei Freunden hatten durch rechtzeitige Ankündigung der Bomben-Aktion geplant werden können. Zwei Bewohner des Gebietes wollten aber partout ihre Häuser nicht verlassen. Erst nach endlosen Diskussionen mit der Polizei und in einem Fall der Androhung, die Haustür von der Feuerwehr öffnen zu lassen, gaben die Leute klein bei. Nur gut 120 Menschen waren - mit Linienbussen, mit Krankentransporten oder mit dem eigenen Wagen - ins Evakuierungszentrum in der Gesamtschule Schinkel gekommen. " Wir werden hier richtig gut versorgt", meinten drei ältere Damen. Helfer des DRK kümmerten sich um alle, und die Freiwillige Feuerwehr Kloster Oesede sorgte für eine warme Mahlzeit: 700 Portionen Gulaschsuppe für Evakuierte und die Helfer. " Gestern frisch gemacht, mit 120 Kilo Fleisch, 90 Kilo Zwiebeln, 10 Kilo Paprika und 12 großen Dosen Pilzen." Frisch gekocht am Samstag - und dass es schmeckte, bewiesen viele, die sich einen Nachschlag holten. Derweil warteten die Männer des Kampfmittelräumdienstes auf ihr " Stichwort" und eine Pause im Zugverkehr. Um 14.08 Uhr wurde " Sicherheit" gemeldet. Ein Anruf von Gesk auf dem TÜV-Gelände zu Tillschneider auf dem Prelle-Parkplatz dann gingen beide, unterstützt von Ralf Reisener und Norbert Lauxtermann von der Osnabrücker Feuerwehr, ans Werk " Ohne Hektik, wer als Erster fertig ist", flachste Gesk vorher. Von der zerschellten, aber intakten Bombe bei Prelle musste nur ein Zünder herausgedreht werden, von der TÜV-Bombe wurden die beiden Zünder am Kopf und am Heck herausgeschraubt, danach der Sprengstoff aus den Zündern herausgeholt.

Zwei Stunden Pause blieb den Männern dann, in denen die entschärften Blindgänger zur Sprengung nach Münster abtransportiert wurden. Die nächste Zugpause war um 15.50 Uhr: Dann ging es den Blindgängern drei und vier an der Gesmolder Straße an den Kragen.

Um 16.15 Uhr war der Spuk vorbei - die Evakuierten konnten wieder in ihre Wohnungen zurück, die Helfer (589 von Polizei, Technischem Hllfswerk, Feuerwehr und allen Rettungsorganisationen, Verkehrsbetrieben und Stadtverwaltung) hatten Feierabend, als sie alle Bettlägerigen und Kranken heile zurück in die Wohnungen gebracht und die Straßensperren weggeräumt hatten.

Feierabend bis in 14 Tagen: Am Samstag, 27. Oktober, wird an der Weberstraße in Schinkel ein Blindgänger entschärft, am Sonntag, 28. Oktober, erneut eine Zehn-Zentner-Bombe im Fledder. Die Neue OZ wird rechtzeitig über die Evakuierungszonen informieren.

GESCHAFFT: Sprengmeister Thomas Gesk (links) und Norbert Lauxtermann haben zusammen zwei Bomben unschädlich gemacht.

ABTRANSPORT der Zehn-Zentner-Bombe, die auf dem TÜV-Gelände an der Rheinstraße entschärft wurde

ZERSCHELLT, aber noch mit einem Zünder, die Bombe auf dem Prelle-Parkplatz. Sprengmeister Michael Tillschneider machte gestern zwei Blindgänger unschädlich.

FABRIKNEU und intakt waren die sieben Zünder, die gestern aus den vier Blindgängern herausgedreht wurden.

DIE GULASCHSUPPE, die Dieter Steutermann an Evakuierte und Helfer austeilte, schmeckte allen.

IM EVAKUIERUNGSZENTRUM Gesamtschule Schinkel kümmerten sich DRK-Helfer um gut 120 Evakuierte.
Autor:
Beate Dammermann


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