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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Standesgemäß für die Denkmalpflege
Zwischenüberschrift:
Neue Nutzung für das Steinwerk Bierstraße 7 - Ältester Profanbau der Stadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Lange Zeit hat die städtische Denkmalpflege nach einer vertraglichen Nutzung für das fast 800 Jahre alte Steinwerk an der Bierstraße 7 Ausschau gehalten, jetzt zieht sie selber ein.

Sicher, der Dom ist in seinen Ursprüngen noch ein wenig älter, aber das Steinwerk im Hinterhof der Bierstraße darf mit Fug und Recht als ältester Profanbau der Stadt bezeichnet werden. Und der hat die Jahrhunderte - von minimalen Umbauten abgesehen - im Originalzustand überdauert. 75 Jahre lang nutzte die Samenhandlung Kobe & Hopfer das historische Gemäuer als Lager. Als das Geschäft im vergangenen Jahr aufgegeben wurde, gab es allerlei Gedankenspiele, was man aus dem Baudenkmal machen könne.

Aber ob Weinstube, Restaurant oder Architektenbüro - keine dieser Nutzungen hätte die Bausubstanz aus vorgotischer Zeit unversehrt gelassen. Schon wegen der Durchbrüche für Lüftungsschächte oder Heizungsrohre, aber auch, weil durch das veränderte Raumklima Schaden drohte.

Jetzt scheint das Problem gelöst, jedenfalls für die nächsten 20 Jahre: So lange läuft der Mietvertrag zwischen der Stadt und Hans-Ferdinand Wunderling, dem Eigentümer des mittelalterlichen Schatzes. Die Denkmalpflege - als Zweimannunternehmen bescheiden in den Platzansprüchen - richtet ihr Büro im Erdgeschoss des Steinwerks ein. Nur dieser Raum wird beheizt; die Therme und die sanitären Einrichtungen lassen sich im Verbindungstrakt aus der Nachkriegszeit unterbringen, ohne dass ein Stein von seinem angestammten Platz bewegt werden müsste.

Im Kellergewölbe und in den beiden Obergeschossen sollen Lager für historische Bauteile eingerichtet werden, etwa Formziegel, Fensterprofile oder Abgüsse von Steinen. Nach den Plänen der Denkmalpflege wird eine kleine Ausstellung an die Samenhandlung Kobe & Hopfer erinnern, deren Geschichte seit 1925 mit dem Steinwerk verbunden ist. Exponate gibt es genug: Zum Beispiel die alte Samenreinigungsmaschine oder die vielen Schubladen mit Aufschriften wie " Bohnenkraut" und " Kürbis".

Im Erdgeschoss, dem künftigen Büro, erinnern volkstümelnde Deckenmalereien an die Zeit des Landhandels. Sie wurden 1944 angebracht, nachdem das Steinwerk durch einen Bombentreffer in der Nachbarschaft Feuer gefangen hatte und von innen ausgebrannt war. Aber der Dachstuhl blieb unversehrt, weil das spitzbogige Gewölbe eine Ausbreitung der Flammen vereitelte.

Vor 800 Jahren war der Brandschutz eigentlich anders herum gemeint. Das Steingewölbe unter dem Dachstuhl sollte verhindern, dass das Haus - etwa durch brennende Pfeile - von außen angezündet wurde. Wohlhabende Leute müssen damals im Steinwerk gelebt haben. Gewohnt wurde im Erdgeschoss, die übrigen Stockwerke dienten der Lagerhaltung.

Wenn die Denkmalpflege am 1. März 2002 einzieht, wird das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die Agentur Zeitseeing plant Führungen, um Interessierten das Authentische aus dem 13. Jahrhundert nahe zu bringen. Stadtführer Carsten Lehmann schwärmt: " Das ist einmalig für Osnabrück!" (rll)

Fotountertitel

BOHNENKRAUT UND PORREE, Zwiebeln, Kürbis und Gurken: So sind die Schubladen der ehemaligen Samenhandlung beschriftet, markant auch die Deckenmalerei von 1944. Unten die Nardansicht und ein Schnitt durch das Steinwerk.

BEEINDRUCKENDES GEWÖLBE: Das Dachgeschoss im Steinwerk an der Bierstraße 7 - vor knapp 800 Jahren ein Schutz vor der Brandgefahr. Links im Bild Denkmalpfleger Bruno Switala, der demnächst sein Büro ins Steinwerk verlegt. Fotos: Michael Hehmann

KURZ VOR KRIEGSENDE enstand diese volkstümelnde Deckenmalerei im Erdgeschoss des Steinwerks.

FUNKTIONIERT NOCH: Hans-Ferdinand Wunderling mit einer Samenreinigungsmaschine. Sie soll im Steinwerk bleiben.
Autor:
rll


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