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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das bewegt die Osnabrücker
 
Blöde Panne
 
An die Arbeit
Zwischenüberschrift:
Die Ergebnisse der ersten Vollbefragung in einer deutschen Großstadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das bewegt die Osnabrücker

Die Ergebnisse der ersten " Vollbefragung" in einer deutschen Großstadt

Der Verkehr, die Angst vor Kriminellen, die Möglichkelten zur Freizeitgestaltung: Das sind die drei Themen, die die Osnabrücker offenbar am meisten beschäftigen.

Diesen Eindruck vermittelt die Bürgerbefragung, deren Ergebnisse am Samstag im Rathaus präsentiert wurden. Dass die Lage auf den Straßen Thema Nummer eins ist, überrascht nicht. Bemerkenswert ist die Erkenntnis, dass viele Osnabrücker Angst haben, Opfer einer Straftat zu werden, obwohl die Kriminalstatistik die Stadt ganz und gar nicht als heißes Pfalster ausweist. In der Bürgerbefragung nutzten vor allem ältere Osnabrücker die Möglichkeit, ihr Gefühl zum Ausdruck zu bringen.

Bestandsaufnahme: Die Osnabrücker leben gern in ihrer Stadt. Fast zwei Drittel der Bürger, die ihren Fragebogen zurückgegeben haben, bescheinigen ihrer Stadt eine sehr gute (4, 7 Prozent) oder gute (57, 4 Prozent) Lebensqualität. 30 Prozent halten die Lehensqualität für befriedigend, sieben Prozent empfinden sie als ausreichend oder mangelhaft (1, 1 Prozent).

Wenig überraschend: Besonders zufrieden mit der Lebensqualität sind die Menschen in den Stadtteilen Sonnenhügel, Westerberg und Weststadt. Schlecht schneiden Fledder, Pye und Nahne ab.

Die Bürger sind mit den Möglichkeiten, sich in der Politik Gehör zu verschaffen, offenbar nicht zufrieden. Knapp fünf Prozent halten sie für mangelhaft, 20 Prozent für gerade ausreichend. Nur drei Prozent halten die Möglichkelten für sehr gut, 31 Prozent für gut.

Welche Sehenswürdigkelten würden Sie einem auswärtigen Besucher zeigen?

An der Spitze steht eindeutig die Altstadt, gefolgt vom Rathaus, dem Zoo und dem Dom. Der Botanische Garten liegt überraschenderweise auf Platz fünf, erst danach folgen die Museen der Stadt.

Und wer hätte das gedacht: Die hier lebenden Ausländer schätzen die Hasestadt viel mehr als " schmutzig" ein als die Osnabrücker selbst. Sie empfinden die Stadt auch als ausländerfreundlicher als Ihre deutschen Nachbarn.

Wünsche: Handlungsbedarf sehen die Osnabrücker in der Verkehrslenkung und - planung. Ihre Forderung: Mehr Parkplatze, besserer Verkehrsfluss vor allem auf den Wällen und Überprüfung aller Ampeln und Schilder auf ihre Notwendigkeit. Zur Bekämpfung der Kriminalität und Verbesserung des Sicherheitsgefühls wünschen sich die meisten mehr Polizeipräsenz und Kontrollen.

Die Bürger in Pye, Atter und VVidukindland beklagen, dass es zu wenig Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Kleinkram in der Nähe gibt. Auf der Wunschliste der Bürger stehen mehr Parks und Grünanlagen in der Innenstadt, mehr Naherholungsmöglichkeiten in Schinkel, bessere Pflege der Kinderspielplätze vor allem in der Innenstadt. Die Jugendlichen in Darum-Gretesch-Lüstringen wünschen sich mehr kostengünstige und erreichbare Freizeitangobote.

Das Niedersachsenbad soll mehr für das öffentliche Baden geöffnet werden, das Nettebad nicht zum reinen Spaßbad umgebaut, sondern auch den Ansprüchen von Sportschwimrnern gerecht werden. Viele junge Leute würden mehr Open-Air-Veranstaltungen am Rathaus begrüßen. Mehr Sicherheit für Radfahrer wird vor allem von Bürgern vom Schölerberg und der Weststadt reklamiert.

Bewertungen: Als " rein psychologisches Problem" stufte der Leiter der Studie, Dr. Bernd Runde, die Erkenntnisse über das Unsicherheitsgefühl vieler Bürger ein. Den Menschen Sicherheit zu vermitteln, sei sehr schwer. Die Stadt Herten zum Beispiel habe ermittelt, dass durch konkrete Maßnahmen wie mehr Kontrollen und Polizeipräsenz erst nach vier Jahren eine Veränderung in der Gefühlswelt der Bürger messbar geworden sei.

Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip führte das Ergebnis auf ein allgemeines Generationsproblem zurück: Es gebe immer mehr ältere Menschen, die naturgemäß eher ängstlich seien. Hinzu komme eine wachsende Kritikfähigkeit" dieser älteren Generation. Immer mehr meldeten sich zu Wort, wenn sie sich durch Veränderungen in ihrer Umgebung belästigt fühlten. " Es gibt Seniorenpaare, die selbst vier Kinder großgezogen haben, und jetzt keinen Kinderspielplatz nebenan haben wollen", sagte Fip.

Die Möglichkeiten der Stadt, das Sicherheitsgefühl zu verbessern, seien beschränkt, so Fip weiter. Die Stadt könne es sich nicht leisten, alle dunklen Ecken und Wege die ganze Nacht auszuleuchten. Die Bürger müssten eben beleuchtete Umwege in Kauf nehmen. Verstärkte Polizeistreifen konnte Fip nicht versprechen: " Das Streifegehen ist ein ungeliebter Job bei der Polizei", so Fip. Er gehe davon aus, dass die Osnabrücker Polizei demnächst personell verstärkt werde. Das sei aber Sache des Landes.

Professor Rolf Wortmann von der Fachhochschule wies auf die gegensätzlichen Interessen hin, die in der Befragung zum Ausdruck gekommen sind. Die Schaffung von Arbeitsplätzen steht auf Platz eins der " zu fördernden Aufgabenbereiche", die Schaffung von neuen Gewerbegebieten rangiert dagegen weit hinten. Es werden mehr Parkplätze gefordert - zugleich aber auch mehr Grünanlagen.

Blöde Panne

Till liest seine Texte sehr genau, bevor er auf den Knopf drückt, der den Artikel zum Druck freigibt. Doch ein zweites oder drittes Lesen nutzt meist nicht mehr, denn es gibt ein eigenartiges Phänomen: Der Autor liest, was er lesen will, und nicht, was dort wirklich steht. Auch den Autoren des Bürgerfragebogens ist eine solche Panne passiert, die das Ergebnis der Studie in einem Bereich sehr in Frage stellt. Bei der Frage " Welche Sehenswürdigkeiten würden Sie auswärtigen Besuchern unbedingt in der Stadt zeigen?" taucht unter den Antwortmöglichkeiten zwei Mal der Botanische Garten auf. Dafür fehlt das Felix-Nussbaum-Haus. Der Fehler wurde zu spät bemerkt, die Fragebögen sind so verschickt worden. Kein Wunder also, dass der Garten auf dem Westerberg in der Bürgerbefragung so weit vorn gelandet ist. Fip sagte am Samstag, er würde sich einen solchen Ansturm auf den Botanischen Garten wünschen. Seine Beobachtungen bestätigten aber das Ergebnis der Bürgerbefragung nicht. Es darf spekuliert werden: Wie viele hätten auf die Frage, wo der Botanische Garten liegt, wohl richtig geantwortet? Bismorgen

Befragung

An die Arbeit

Von Wllfrled Hinrichs

Haben sich der Aufwand und die Kosten von 180 000 Mark gelohnt? Legen wir die Argumente in die Waagschalen.

Nein - weil es keiner Volksbefragung bedurfte um festzustellen, dass der Straßenverkehr in Osnabrück ein Aufreger-Thema ist oder dass die Stadt einen gemütlichen Eindruck macht, dass die Lebensqualität am Westerberg am höchsten ist oder dass der Busverkehr sehr ordentlich funktioniert. Auch deshalb ein Nein, weil 105 063 Bürger den Fragebogen in die Mülltonne geworfen haben. Ja - weil noch nie so deutlich wurde, wie weit subjektives Sicherheitsempfinden und objektive Kriminalstatistik voneinander entfernt sind. Vor allem aber: Weil die Bürger die Politiker mit Verbesserungsvorschlägen überschüttet haben. Dieser Berg an Vorschlägen wiegt schwer und senkt die Waagschale eindeutig zum ja. Dafür haben sich Aufwand und Kosten gelohnt.

11 758 einzelne Vorschläge allein zur Verbesserung des Verkehrs: Das zwingt zum Nachdenken. Die Politiker stehen in der Pflicht, den großen Schatz an Ideen und Anregungen aus der Bürgerschaft in konkretes Handeln umzusetzen. 28 587 Bürger haben ein Recht darauf, dass ihre Vorstellungen intensiv geprüft werden. Sie werden gespannt sein, wie der neue Stadtrat mit diesen Verbesserungsvorschlägen umgehen wird. Denn die bürgerliche Mehrheit, die jetzt am Ruder sitzt, hat die Bürgerbefragung sehr skeptisch beobachtet.

Die Methode

" Die Ergebnisse können verallgemeinert werden, sagt Dr. Bernd Runde von der Uni. Diejenigen, die geantwortet haben, spiegeln nach seinen Angaben die ganze Stadtbevölkerung wider. Was die knapp 29 000 Bürger in den Fragebögen geäußert haben, kann also auf alle 156 000 Einwohner übertragen werden. Die Rücklaufquote von rund 20 Prozent wollte Runde nicht kommentieren, denn es gebe bislang keine vergleichbare Befragung.30 Prozent der Befragten hatten angegeben, sich nicht für Kommunalpolitik zu interessieren. Runde: " Einen Teil der Ohnemichels haben wir also doch erreicht."

FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN - und Gefühle: Dr. Bernd Runde erklärte den Zuhörern die Ergebnisse der Bürgerbefragung.
Autor:
Wilfried Hinrichs, Till


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