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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
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Überschrift:
Verunstaltet die neue Vitischanze das Stadtbild?
Zwischenüberschrift:
Spielbank: Ein Bau, der polarisiert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Verunstaltet die neue Vitischanze das Stadtbild?

Spielbank: Ein Bau, der polarisiert

Von Rainer Lahmann-Lammert

Die einen sehen in der neuen Vitischanze eine " Verunstaltung des historischen Stadtbildes", die anderen sind begeistert, wie der Kontrast von alter und neuer Architektur auf den Punkt gebracht wird. Am 1. November soll die Spielbank Osnabrück eröffnet werden. Schon jetzt fordert der ungewöhnliche Bau Gegner und Befürworter zur Diskussion heraus.

" Das hätte im historischen Stil wieder aufgebaut werden müssen", entrüstet sich Martin Barth aus Hasbergen. Mit seinem Freundeskreis hat er ausgiebig über die Architektur der neuen Spielbank diskutiert. Alle anderen, so sagt er, hätten ihm beigepflichtet. " Wie kann man so etwas machen?", fragt Martin Barth vorwurfsvoll.

Denkmalpfleger Bruno Switala hat solche Reaktionen erwartet. " Natürlich ist das ein Bruch in den Sehgewohnheiten", räumt er ein. Aber gerade er, der Hüter historischer Bausubstanz in Osnabrück, will keine " romantische Verklärung", sondern klare Verhältnisse: Altes und Neues soll klar auseinander gehalten werden. " Das ist hier gelungen", sagt er anerkennend.

Begeistert fügt er hinzu, dass die Eingriffe in die Altbausubstanz auf ein Minimum begrenzt blieben. Keines der wirklich bedeutenden Bauteile sei beschädigt worden. Der Bau der Spielbank habe sogar die Chance geboten, beschädigte oder gefährdete Partien zu sichern und zu konservieren. Vor über 500 Jahren, als Barenturm und Vitischanze entstanden, sei es nicht um ein schönes Stadtbild gegangen: " Das sind Kriegsbauten!", vermerkt der Denkmalpfleger.

Diese " Wehrhaftigkeit" hat der Architekt Wilhelm Pörtner aufgegriffen. Am liebsten hätte er auf der Vitischanze ein Museum zur Stadtbefestigung gebaut. Wie Schießscharten wirken die schmalen Fensteröffnungen in dem metallisch schimmernden Kubus, dessen Aluminiumfassade mit Chromlack behandelt ist. Eine gläserne Front schafft Distanz zwischen dem dominierenden Baukörper und dem wuchtigen Barenturm von 1471. Den Glaskörper will Pörtner mit vertikalen Lamellen überziehen, damit er noch filigraner wirkt.

Obwrohl der letzte Schliff an der Außenhaut noch fehlt, ist auf der Vitischanze unübersehbar ein Gebäude entstanden, das es in seiner Originalität mit dem Bau der Umweltstiftung und dem Felix-Nussbaum-Haus aufnehmen will. So etwas muss polarisieren, und so geht die Front zwischen Ablehnung und Begeisterung quer durch die Generationen. Das machte eine kleine Umfrage unserer Zeitung deutlich.

" Absolut bescheuert" lautet das Urteil der 29-jährigen Daniela Loges. Die Architektur? Nein, es stört sie, dass in Osnabrück eine Spielbank gebaut wird. " Die Architektur ist schön!", betont die junge Mutter entschieden. Begeisterung spricht auch aus dem Blick von Christa Stöcke (65), die ganz in der Nähe wohnt und jeden Tag auf die neue Vitischanze blickt: " Ich find das total prima!", sagt sie, " der Gegensatz von Alt und Neu, das passt sehr gut zusammen". Ihr Fazit: " Eine Bereicherung für das Stadtbild."

Ganz anders der 14-jährige Jeremy Wente: Den Neubau findet er " zu modern für das alte Gebäude". Es stört ihn auch, " dass so viel Glas da reingekommen ist". Verhaltener äußert sich Jürgen Schlegel (55), der die Gaststätte aus den 50er Jahren ansprechender fand als den Pörtnerschen Neubau. Den findet er zwar nicht gerade abstoßend, aber eben auch " nicht förderlich für das Stadtbild". Und vom Spielcasino hält er ohnehin nicht viel.

Ebenso wie die 21-jährige Studentin Silvia Grote. Sie empfindet den glänzenden Kubus als " unästhetisch" und kritisiert: " Das harmoniert gar nicht!" Was sie besonders stört, ist das " metallische Grau", das nach ihrer Ansicht " zu kalt" wirkt. Und mit der Spielbank kann sie sich auch nicht anfreunden: " Ich werde da garantiert nicht hingehen!"

DIE VERBINDUNG von Alt und Neu hat es in sich: Architekt Wilhelm Pörtner und Denkmalpfleger Bruno Switala vor der Baustelle Vitischanze.

Fotos: Detlef Heese

" ZU KALT" findet Silvia Grote die metallisch glänzende Fassade des Neubaus.

" NICHT GERADE FÖRDERLICH für das Stadtbild", meint Jürgen Schlegel zur Architektur.

" DIE ARCHITEKTUR IST SCHÖN", bemerkt Daniela Loges zur neuen Vitischanze.

" ZU MODERN" urteilt der 14-jährige Jeremy Wente über den Neubau für die Spielbank.

" TOTAL PRIMA": So lautet der Kommentar von Christa Stöckel.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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