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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Der Oster-Ausflug vor 100 Jahren: In vollen Zügen bis nach Oesede
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Pferde versinken im Morast und Dr. Rissmüller bekommt ein Angebot
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Originaltext:
Der Oster-Ausflug vor 100 Jahen: In vollen Zügen bis nach Oesede

Pferde versinken im Morast und Dr. Rissmüller bekommt ein Angebot

Von Christiana Keller

Mit Sturm und Regen führte sich 1901 der April in Osnabrück ein. Fensterscheiben wurden eingedrückt, Dachpfannen flogen auf die Straßen, Äste lösten sich von den Bäumen. Passanten auf der Hasebrücke sahen ihre Hüte mit dem Wasser entschwinden. Die Wiesen waren nach wochenlangem Regenwetter morastig und nass. Und so sanken zwei Pferde, deren Halter Dünger auffahren wollte, an der KarIstraße auf der ehemaligen Lodtmannschen Wiese bis zum Bauch im Moor ein. Nur mit Mühe gelang es, die Tiere aus der misslichen Lage zu befreien.

Anfang April war in den Tageszeitungen zu lesen, dass der hiesige Stadtsyndikus Dr. Rissmüller in der Stadt Rheydt als Kandidat zur Bürgermeisterwahl aufgestellt worden war. Diesen Wechsel wollte man in Osnabrück verhindern. Der erste Schritt war " ihm eine namhafte Gehaltserhöhung anzubieten". Eine städtische Deputation erschien bei Rissmüller und bat ihn, die Kandidatur in Rheydt zurückzuziehen. Auf die Initiative von Dr. Rissmüller während seiner damals dreijährigen Zeit in Osnabrück ging vor allem der Kontakt mit den Elektrizitätsbetreibern zurück und der Bau der Artilleriekaserne auf dem Westerberg. Mit allen Mitteln wolle man einen solchen fähigen Verwaltungsbeamten in der Stadt halten.

Noch in der gleichen Woche, wählte ihn die rheinische Stadt zum ersten Bürgermeister und Rissmüller nahm die Wahl an. Hier stand in der Zeitung: " Ist doch die Wahl für Osnabrück ein sehr unerfreuliches Ostergeschenk, so soll uns das doch nicht abhalten, ihm in seinem, neuen Wirkungskreis besten Erfolg und volle Befriedigung zu wünschen."

Strahlendes Frühlingswetter an den beiden Ostertagen lockte Alt und Jung in die Natur. Der Arbeiter-Bildungsverein machte einen Ausflug zur Blankenburg, um die Kinder im dortigen Gasthaus-Garten reichlich Eier suchen zu lassen. Lieder, vom Sängerbund vorgetragen, rahmten den Nachmittag.

Erstmals gelangte Bachs Matthäuspassion in Osnabrück zur Aufführung. Der Musikverein organisierte die Aufführung im Vereinshaus am Kollegienwall. Dieser " krönende Abschluss der Wintersaison" wurde musikalisch von Robert Wiemann geleitet. Er mobilisierte 340 Personen für die Aufführung. Das Orchester war auf 60 Personen verstärkt worden. Zwei Chöre, bestehend aus 160 Frauen-, 80 Männer- und 40 Knabenstimmen, wirkten mit. Aus Frankfurt, Düsseldorf und Leipzig kamen die Solisten.

Für die kurz vor der Aufführung erkrankte Altistin sprang " Frau Dr. Stüve" ein, deren " volltönende Stimme die Osnabrücker in guter Erinnerung" hatten. Damit auch auswärtige Musikliebhaber das Konzert besuchen konnten, war die Aufführung auf 16 Uhr angesetzt. So bestand die Möglichkeit, die Abendzüge zu erreichen.

Die ausführliche Musikkritik in der Osnabrücker Zeitung lobte das Ereignis in höchsten Tönen und nannte auch weniger Gelungenes: " Die Orchester-Begleitung gerieth vortrefflich. Ein kleines Versehen der Holzbläser wurde glücklicherweise von ihnen selbst bemerkt."

Zur Jahresversammlung trat der Museums- und Kunstverein zusammen und hielt Bilanz über den musealen Bestand. Viele Geschenke hatten die Sammlungen seit dem Vorjahr bereichert. Es gehörte offensichtlich zum " guten Ton" in der Osnabrücker Gesellschaft, dem Museum etwas zu stiften und damit dem eigenen Namen zu verewigen. Mineralien aus aller Welt waren 1900 in der naturwissenschaftlichen Abteilung dazugekommen, auch der Zahn eines Narwals und das Horn eines Nashorns. Die Abteilung Frühgeschichte verzeichnete den Zugang einer merowingischen Halskette und das " Osnabrücker Zimmer" hatte als Stiftung von Frl. Ida Schwartze einen Spazierstock und eine Tischuhr aus dem Nachlass von Justus Möser gestiftet bekommen. Besonders zufrieden waren die Versammelten über umfangreiche Stiftungen für die Museumsbibliothek.

Noch Ende April gab es hin und wieder Nachtfröste, das beeinträchtigte den Nestbau der gefiederten Tierwelt jedoch nicht. Zu wachem Schutz der Nester, Eier und Jungvögel wurden alle Erwachsenen, besonders Lehrer und Eltern aufgerufen. Denn Nestraub war weit verbreitet aber streng verboten. Eine Extranotiz in der Osnabrücker Zeitung war am 17. April dem " romantischsten" Vogel gewidmet." Die Nachtigall ist wieder da! Gestern ist in den Gärten vor dem Natruper Tor die erste Nachtigall gehört worden."

Kaum lockte die Natur mit schönem Wetter, waren auch wieder die Züge an den Wochenenden hoffnungslos überfüllt. An einem Sonntagabend, Ende April, mussten 60 Fahrgäste in Oesede stehen bleiben, weil in den Zug nach Osnabrück niemand mehr hineinpasste. Zwei Stunden später wurde ein Sonderwagen eingesetzt, um die Wartenden heim zu bringen.

BELIEBTES AUSFLUGSZIEL der Osnabrücker war um die Jahrhundertwende auch die Gastwirtschaft Blankenburg (heute " Zur Spitze") in Hellern. Zu Ostern 1901 machte der Arbeiter-Bildungsverein dorthin einen Ausflug samt Eiersuchen für die Kinder.
Autor:
Christiana Keller


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