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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Auch in den Nachbargemeinden werden die Flächen langsam knapp
Zwischenüberschrift:
Stadt verliert weiterhin Einwohner ans Umland - Regionales Bewusstsein?
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Die regionale Zusammenarbeit heute am Beispiel " Wohnen"

Auch in den Nachbargemeinden werden die Flächen langsam knapp

Stadt verliert weiterhin Einwohner ans Umland - Regionales Bewusstsein?

Von Rainer Lahmann-Lammert

Das Jahr 2000 hat Osnabrück wieder etwas schrumpfen lassen. Unter dem Strich kehrten fast 700 Einwohner der Stadt den Rücken. Immer noch wandern junge Familien in die Landkreisgemeinden ab, wo das Bauland noch preiswert zu haben ist. Aber auch im " Speckgürtel" von Osnabrück sind die Flächen endlich. Ein Grund für die Stadt und die Nachbargemeinden, über ein regionales Bewusstsein nachzudenken.

Mit jedem Steuerzahler, der Osnabrück verlässt, büßt die Stadt Einnahmen in beträchtlicher Höhe ein. Wolfgang Plecha aus der Finanzverwaltung rechnet vor, dass sich die Ausfälle aus dem Finanzausgleich und der Einkommensteuer auf rund 1165 Mark pro Jahr belaufen - pro Familienmitglied.

Seit der Gebietsreform vor knapp 30 Jahren ist die Einwohnerzahl von Osnabrück tendenziell geschrumpft, wenn man den Zuzug von Aus- und Übersiedlern in den 80er und 90er Jahren einmal beiseite lässt. Auffallend ist, dass alle Nachbarkommunen im selben Zeitraum kräftig zugelegt haben. In Wallenhorst stieg die Einwohnerzahl sogar um 70 Prozent von 14 000 auf fast 24 000. Und das wird sich wohl noch fortsetzen. Wallenhorsts Bürgermeister Ulrich Belde kündigt schon die Erschließung weiterer Wohnsiedlungen an. Mit einem Quadratmeterpreis von weniger als 200 Mark sollen junge Familien ins neue Baugebiet Ruller Esch gelockt werden.

Da kann die Stadt nicht mithalten. Unter 300 Mark pro qm ist nichts zu machen, am Haster Berg sind manche Lagen sogar für 500 Mark verkauft worden. Wird das Wohnen in Osnabrück zum Privileg für die Wohlhabenden? Das scheint nur auf den ersten Blick der Fall zu sein. Unter dem Strich verliert die Stadt mehr und mehr zahlungskräftige Einwohner. Mit dem Wegzug von Familien steigt tendenziell der Anteil von Singles, alten Menschen, Sozialhilfeempfangern und Ausländern.

Wohnen in der Stadt soll wieder schick sein

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnte der soziale Friede Schaden nehmen, zugleich droht die Finanzkraft der Stadt zu schwinden. Mit seinem Programm " Handeln für die Zukunft" will Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip dieser Entwicklung ein neues Bewusstsein entgegensetzen. Das Wohnen in der Stadt soll wieder schick sein - auf diese Formel lassen sich die meisten Vorschläge bringen. Kurze Wege zwischen Wohnung und Arbeit, attraktive Dienstleistungsangebote um die Ecke und ein reichhaltiges Kulturangebot - diese Wettbewerbsvorteile gegenüber den Umlandgemeinden will Fip stärker herausstreichen. Zugleich soll der neue Flächennutzungsplan der Stadt 131 ha zusätzliche Baugebiete bescheren.

Nur wenige dieser Wohnbauflächen berühren auch die Nachbargemeinden. So sieht der Flächennutzungsplan ein winziges Baugebiet in Pye vor, direkt an der Grenze zu Wallenhorst, als Abrundung der Lechtinger Siedlung auf Osnabrücker Gebiet. Ähnlich unspektakulär gestaltet sich das Zusammenwachsen mit der Gemeinde Bissendorf an der Nahtstelle zwischen Lüstringen-Ost und Natbergen. Die Grenze zieht sich mitten durch die Siedlung, einige Häuser an der Stockumer Straße gehören zu Osnabrück, andere zu Bissendorf. Demnächst will die Stadt das Quartier erweitern. Es spreche nichts dagegen, einen Teil der neuen Häuser an das Kanalnetz der Nachbargemeinde anzuschließen, sagt der Bissendorfer Bauamtsleiter Karl-Heinz Senkel. Und den Kindergarten könnten die Familien jenseits der Grenze ja auch gleich mitbenutzen. An anderer Stelle werde sich vielleicht mal eine ähnliche Zusammenarbeit mit umgekehrten Vorzeichen anbieten.

Bissendorf hat noch Flächenreserven, allerdings zum größten Teil weit entfernt von der Stadtgrenze. Mit städtebaulichen Verträgen will die Gemeinde verhindern, dass die Grundstückspreise auf über 200 Mark / qm klettern. Diese Größenordnung peilt auch die Gemeinde für ihr neues Baugebiet am Gänsehügel an. Schon in den vergangenen Jahren wurden großflächig neue Wohnsiedlungen in Wersen und am Bürener Berg gebaut. Doch für die westfälische Nachbargemeinde ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Bürgermeister Dieter-Joachim Srock spricht von 100 ha, die " peu ä peu" erschlossen werden sollen.

In Belm dagegen sind die Ressourcen erst einmal erschöpft. Gemeindedirektor Horst Schröder klagt, dass erst die Bundesstraße 51 verlegt werden müsse. Ein Problem sei aber auch, dass die Bauern ihre Flächen nicht verkaufen wollten. Als Belm noch Baugebiete hatte wie zuletzt in Icker, wurde der Quadratmeter für 135 Mark auf den Markt geworfen. Private Anbieter nehmen auch 300 Mark.

Über die fehlende Verkaufsbereitschaft der Landwirte klagt auch Hasbergens Bürgermeister Frank Stiller. Ein aktuelles Baugebiet hat die Hüggelgemeinde nicht, allerdings noch ein paar Baulandreserven. Demnächst soll ein neuer Flächennutzungsplan aufgestellt werden. Vorrangig gehe es darum, die Einwohnerzahl zu halten, versichert Stiller. Das gleiche Problem wie in Osnabrück. Mit den Ansprüchen, steigt auch der Flächenverbrauch pro Kopf. Das lässt sich besonders deutlich in Georgsmarienhütte ablesen, wo zwar ein Baugebiet nach dem anderen erschlossen wurde (zuletzt die Lindenbrede), ohne dass sich die Einwohnerzahl sprunghaft nach oben entwickelt hätte. Die " Stadt im Grünen" profitierte zwar von den Zuzüglern aus Osnabrück, wegen der vergleichsweise hohen Grundstückspreise (250 bis 350 Mark) wanderten nicht wenige Familien aber auch in andere Nachbargemeinden ab, um sich ihren Traum vom eigenen Heim zu verwirklichen. So hat sich die Einwohnerzahl bei knapp 34 000 eingependelt. " Wir sind Mittelzentrum", sagt Bürgermeister Heinz Lunte und betont, dass Georgsmarienhütte Industriestandort und Wohnstätte bleiben wolle. Das ehrgeizige Ziel, auf 36 000 zu kommen, steht nicht an erster Stelle, sondern ein organisches Wachstum.

Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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