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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Planungszellen: Fußgängerweg muss bleiben
 
"Eigentlich muss der Tunnel weg"
Zwischenüberschrift:
Bürgergutachten Neumarkt bald fertig
 
Bei der Arbeit in den Planungszellen haben viele ihre Meinung geändert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Planungszellen: Fußgängerweg muss bleiben

Bürgergutachten Neumarkt bald fertig

So viel steht schon mal fest: Der Fußgängerüberweg über den Neumarkt soll bleiben. Dafür gibt es eine klare Mehrheit in den Planungszellen, die vier Tage lang an einem Konzept für den problembeladenen Platz in der City gestrickt haben. Was die aus Bürgern zusammengesetzten Arbeitsgruppen sonst noch empfehlen, muss allerdings erst noch unter einen Hut gebracht werden.

Die Situation am Neumarkt ist festgefahren wie nirgendwo sonst in Osnabrück. Um den gordischen Knoten zu durchschlagen, wagte die Stadt ein Experiment und lud nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ein, für den Neumarkt eine Lösung auszuarbeiten. Nach einigen Absagen schmolz der Teilnehmerkreis von 162 auf 129 zusammen.

Das Bürgergutachten soll Mitte August vorliegen. Ob die Empfehlungen anschließend umgesetzt werden, muss die Politik entscheiden. Benno Trütken vom Büro für Beteiligungsverfahren forum b, der die Arbeit der Planungszellen maßgeblich koordiniert hat, ist jedenfalls sicher, dass der Rat ein derart breit angelegtes Bürgervotum nicht ignorieren kann.

In den sechs Planungszellen, die aus jeweils 20 bis 25 Teilnehmern bestanden, wurde nach der Anhörung von Fachleuten und Interessenvertretern ohne Tabus diskutiert. Nahezu euphorisch äußerten sich die Mitglieder der Planungszelle 5b, die sich am Donnerstagnachmittag in der Volkshochschule zur Schlussrunde trafen. Von einem fruchtbaren Klima war die Rede, von einem konstruktiven Miteinander und einer Offenheit gegenüber anderen Meinungen. Was inhaltlich festgelegt wurde, muss jetzt redaktionell aufgearbeitet und auf einen Nenner gebracht werden. Zwei bis drei Sprecher aus jeder Planungszelle wollen sich Ende Juli zusammensetzen und die konsensfähigen Punkte zum Bürgergutachten zusammenfügen.

Eine klare Empfehlung wird es für den ebenerdigen Fußgängerüberweg geben, kündigte Moderator Benno Trütken an, außerdem soll der Stadtwerke-Pavillon abgerissen und durch einen gestalterisch höherwertigen Bau ersetzt werden. Unstrittig ist außerdem, dass die Neumarktpassage nicht so bleiben darf wie sie ist. Mehr wollte Trütken noch nicht verraten.

240 000 Mark hat die Stadt in die neue Art der Bürgerbeteiligung investiert. Hat sich der Aufwand gelohnt? " Auf alle Fälle", meint der Moderator. Das Ergebnis werde aber nicht nur dazu beitragen, die Innenstadt attraktiver zu machen. Planungszellen seien zugleich gelebte Demokratie und damit ein gutes Mittel gegen Politikverdrossenheit. (rll)

KLARES VOTUM: Der Fußgängerweg über den Neumarkt soll nach Ansicht der Planungszellen bleiben. Foto: Michael Hehmann

" Eigentlich muss der Tunnel weg"

Bei der Arbeit in den Planungszellen haben viele ihre Meinung geändert

Fast alle haben in den Planungszellen ihre Meinung über den Neumarkt geändert. Bei der Arbeit in den Kleingruppen wurde ohne Denkverbote diskutiert, eine straffe Moderation sorgte dafür, dass die Teilnehmer auf dem Boden der Tatsachen blieben.

Wir haben ein schönes Konzept entwickelt", strahlte die 43-jährige Ausstellungstechnikerin Dorothea Gathmann nach der Schlussrunde. Sie fand es erfrischend, dass sich Menschen aus verschiedenen Altersgruppen auf einen so offenen Meinungsaustausch eingelassen haben.

Dem Berufsschullehrer Klaus-Heinrich Bick (53) ist aufgefallen, dass manche Teilnehmer nach einiger Zeit ihre " ideologischen Vorstellungen" über Bord geworfen und sich ohne Scheuklappen an der Diskussion beteiligt hätten.

Er selbst war anfangs der Meinung, dass der Neumarkttunnel unbedingt erhalten bleiben müsse. Nach eingehender Beratung ist er aber zu der Auffassung gelangt: " Eigentlich muss das Ding weg!" In den 60er Jahren sei der Tunnel sicherlich eine gute Lösung gewesen, meint Bick, inzwischen habe sich fast alles um ihn herum geändert, der Verkehr, die Gesellschaft und die Nutzungsgewohnheiten der Menschen.

Die 30-jährige Studentin Susanne Zinn, die den Neumarkt vor allem aus ihrer Perspektive als Radlerin kannte, war anfangs sehr angetan von der Idee, die Autos durch einen Tunnel zu schicken. Nachdem sie sich mit den Auswirkungen einer solchen Planung auseinandergesetzt hat, ist sie ganz und gar davon abgerückt.

Eine andere Wandlung machte die 58-jährige Diplom-Psychologin Renate Seibt-Eisenblätter durch. Zu Beginn war sie überzeugt, dass es auf dem Neumarkt nicht ohne Autoverkehr geht. In der Planungszelle kam sie jedoch zu der Überzeugung, dass der Platz autofrei werden muss und dass möglichst auch die Busse einen Bogen um den Neumarkt machen sollten.

Für eine verkehrsberuhigte Lösung tritt nach anfänglichen Vorbehalten auch der 24-jährige Verlagskaufmann Dennis Brömlage ein. Er sprach zwar von einem guten Diskussionsklima, machte aber zugleich eine Einschränkung: Einige Teilnehmer hätten sich nicht von ihrer vorgefassten Meinung abbringen lassen. Und das seien meist die Älteren gewesen. Dennis Brömlage bedauerte, dass in seiner Gruppe zu wenig Frauen und junge Leute gewesen seien.

Moderator Benno Trütken relativierte diese Kritik mit dem Hinweis, dass es in anderen Gruppen genau umgekehrt gewesen sei. Das sture Festhalten an einer Meinung , sei im Übrigen keine Altersfrage, meinte Trütken. Manche Menschen seien schon in jungen Jahren sehr verstockt und unfähig, umzudenken. Die Arbeit in den Planungszellen biete aber jedem eine Chance, auch mal über seinen Schatten zu springen. (rll)

IN KLEINEN GRUPPEN diskutieren, im größeren Kreis die Ergebnisse austauschen: Hier erläutert Richard Böckmann (links), ein Teilnehmer der Planungszellen, sein Konzept zum Neumarkt. Rechts Moderator Benno Trütken.
Autor:
rll


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