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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Um Wind und Wasser gab es manchen blutigen Streit
 
Gretesch oder Schiedam?
 
Mühlentag mit Stockbrot und Bauchtanz
 
Geschichte der Mühlen in Osnabrück
 
Nur die Haster Mühle macht aus Wasser Strom
Zwischenüberschrift:
Mühlengeschichte in Osnabrück: Der Bischof pochte auf sein Monopol, die Bürger auf ihre Selbstbestimmung
 
Während die Windenergie boomt, liegt das Wasserkraftpotenzial in Osnabrück weitgehend brach
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Mühlengeschichte in Osnabrück: Der Bischof pochte auf sein Monopol, die Bürger auf ihre Selbstbestimmung

Von Rainer Lahmann-Lammert

Die ersten Kraftwerke in Osnabrück gehörten dem Bischof. Sie sorgten für Arbeit und Brot, brachten die Wirtschaft voran und produzierten ihre Energie auf ökologisch unbedenkliche Weise. Die Mühlen, von denen hier die Rede ist, waren also ein Segen für die Stadtentwicklung. Doch zugleichgab es immer wieder blutige Auseinandersetzungen um die Nutzung der Wind- und Wasserkraft. Auch in Osnabrück.

Jahrzehntelanges Unheil brachte die Grothausfehde im 16. Jahrhundert über Stadt und Land, Dreh- und Angelpunkt des Streits war die Dütemühle am Meierhof zu Heringen, an der Grenze zwischen Hellern und Atter. Sie gehörte Otto Grothaus zu Kronenburg aus dem Tecklenburgischen, war aber zwei benachbarten Mühlenbetreibern ein Dorn im Auge. Als Grothaus 1549 begann, die bei Kriegsunruhen zerstörte Mühle wieder aufzubauen, setzten die beiden beim Bischof einen Baustopp durch.

Mit falschen Angaben bewirkte der westfälische Adelige beim Reichskammergericht ein Schutzgebot für seine Mühle. Doch damit brachte er den Osnabrücker Bischof gegen sich auf, weil der seine landesherrlichen Rechte verletzt sah. 1557 eskalierte die Sache vollends: Der Störenfried, der sich um sein Recht betrogen fühlte, erklärte allen Bewohnern der Stadt die Fehde. Und das, obwohl das Fehderecht schon 60 Jahre vorher abgeschafft worden war.

Mordend, plündernd und brandschatzend zogen Grothaus Leute durch das Osnabrücker Land. Einige von ihnen kamen dafür auf den Scheiterhaufen. Die Mühle auf dem Meierhof zu Heringen wurde noch mehrmals aufgebaut und wieder zerstört. Heute erinnert nur noch ein kleiner Teich am Ende des Heringer Weges an dieses Kapitel der Stadtgeschichte.

Osnabrück bot sich wegen seiner Lage an der Hase schon immer für die Nutzung der Wasserkraft an. Innerhalb der Stadtmauern gab es drei Mühlenstandorte. Um 1240 wurde die Bischofsmühle, ein Vorläufer der Pernickelmühle, erstmals urkundlich belegt. Molinologen vermuten, dass sie nicht direkt an der Hase stand, sondern am Hellingsbach, einem inzwischen kanalisierten Zufluss.

1466 wurde sie in einem Lehnbrief " Clovekorne molen" genannt, später setzte sich " Pernickelmühle durch (wahrscheinlich von der Flurbezeichnung Parnekel). Zeichnungen und Fotos aus dem 19. Jahrhundert lassen eine eingeschossige Ölmühle auf einer Insel erkennen, auf der Stadtseite eine Kornmühle, die in ihren Abmessungen deutlich kleiner ist als das heutige Mühlengebäude. Das wurde 1892 errichtet, nachdem ein Hochwasser die alten Anlagen zerstört hatte.

Die Wasserhaltung war lange Zeit ein Gewohnheitsrecht, wie Prof. Rüdiger Wormuth vermerkt, der die Mühlengeschichte Osnabrücks erforscht hat (siehe kleiner Kasten): " Zu hohes Aufstauen hatte angrenzende Straßen und Grundstücke unter Wasser gesetzt und zu tiefes Ablaufen lassen üble Gerüche durch den freiliegenden Schlamm freigesetzt. Die Mühlenpächter hatten im übrigen ihre Probleme mit der schon damals grassierenden Unsitte, die Hase als Müllkippe zu missbrauchen. Weil die Wasserkraft nur begrenzt zur Verfügung stand, gab es immer wieder Konflikte um ihre Nutzung. Der Bischof hatte seinen Daumen auf die Wassermühlen gelegt und sich damit regelmäßige Einnahmen verschafft. In Osnabrück ertrotzte sich die selbstbewusste Bürgerschaft 20 Jahre nach dem Westfälischen Frieden das Recht, eine Windmühle zu bauen und damit das landesherrliche Monopol zu umgehen. Doch dieser Triumph brachte wenig ein, weil der Wind zu unergiebig war.

Die Windmühle auf einer Bastion am Hasetor war der erste Flop, die zweite in der Nähe vom " Moskau" scheiterte ebenfalls, und auch den beiden Mühlen auf dem Westerberg war kein anhaltender Erfolg beschieden. Immerhin drehten sie sich im 19. Jahrhundert für einige Zelt, die eine als Lohmühle, zum Zerkleinern der Eichenrinde für die Lohgerber, und die andere als Graupen- und Sägemühle zugleich. Doch der Standort an der Luvseite des Westerberges war unglücklich gewählt. Während die Müller ständig auf das Ende der Flaute warteten, wurden in der Stadt die ersten Dampfmaschinen aufgestellt. Ein schmutziges Zeitalter begann, und von den Mühlen auf dem Westerberg blieben nur die Stümpfe erhalten. Es mussten noch einmal 100 Jahre vergehen, bis sich die Osnabrücker der Vorzüge einer sauberen Energieerzeugung besannen und ihre Windmühlen auf dem Piesberg errichteten. Ein Standort, der fast immer für eine frische Brise gut ist.

Nur die Haster Mühle macht aus Wasser Strom

Während die Windenergie boomt, liegt das Wasserkraftpotenzial in Osnabrück weitgehend brach

Ein Blick zum Piesberg genügt: Die Windenergie erlebt einen Boom, aber die Wasserkraft - über Jahrhunderte die wichtigste Energiequelle für Osnabrück - liegt brach.

Es gibt zwar neun Mühlenstandorte, aber Strom liefert derzeit nur die Haster Mühle. Die Stadtwerke haben vor sieben Jahren die schon etwas betagte Francis-Turbine in der Haster Mühle reaktiviert und treiben mit dem Wasser der Nette einen 15-kW-Generator an. In wasserreichen Jahren fließen bis zu 54 000 Kilowattstunden Strom ins Netz, das entspricht einem Stromverbrauch von etwa 13 Haushalten.

Ebenfalls an der Nette liegt die Nackte Mühle, die vom Verein für Jugendhilfe betrieben wird. Es ist geplant, nach der weiteren Restauriening der Anlage auch Strom zu erzeugen. In den Startlöchern steht ein Privatmann, der die Neue Mühle am Kollegienwall zu einem Kraftwerk umgebaut hat. Der Generator kann sogar 30 kW elektrische Energie leisten, allerdings erst, wenn die Brücke an der Heinrich-Heine-Straße fertig gestellt ist.

Als Erfolg versprechende Anlage gilt vor allem die Pernickelmühle, die mit einer neuen Turbine 35 kW elektrische Leistung bringen könnte. Zwar hat sich der Rat 1996 dafür ausgesprochen, ihr Wasserkraftpotenzial für die Stromerzeugung zu nutzen, doch der Hausherr, die Domgemeinde, konnte sich bisher nicht dafür erwärmen. Als Knackpunkt gilt die Geräuschentwicklung. Die Pernickelmühle dient als Treffpunkt, und die Domgemeinde fürchtet, dass ein Kraftwerk im Keller die Versammlungen stören könnte.

Gretesch oder Schiedam?

Till hat mit Interesse gelesen, dass Osnabrück über einen Superlativ verfügt, von dem hier niemand etwas weiß. Der höchste Windmühlenturm der Welt steht in Gretesch auf dem Gelände der Papierfabrik Schoeller, zugleich taucht er in ihrem Logo auf. Er ist 31, 50 Meter hoch und schlägt damit die drei Mühlen von Schiedam in Holland, die bisher als rekordverdächtig galten. Ihnen fehlen zwei Meter, wie der Mühlenforscher Prof. Rüdiger Wormuth herausgefunden hat. Till freut sich über die interessante Entdeckung, rät aber, vorsichtig, wie er ist, noch mal mit dem Zollstock nachzumessen. Bisdienstag

Mühlentag mit Stockbrot und Bauchtanz

Am Pfingstmontag ist wieder Mühlentag. In Osnabrück sind in der Zeit von 10 bis 18 Uhr drei Mühlen geöffnet: Die Haster Mühle an der Hansa-Straße, die Neue Mühle; am Kollegienwall und die Nackte Mühle am Östringer Weg. Der Verein für Jugendhilfe bietet rund um die Nackte Mühle ein buntes Programm für Alt und Jung. So besteht Gelegenheit, die Sagemühle zu besichtigen, die Holz- und Malwerkstatt zu suchen, Stockbrot zu backen und Bauchtanz, Folklore oder einen Zauberkünstler zu erleben.

Geschichte der Mühlen in Osnabrück

Der Architekt Prof. Rüdiger Wormuth hat die Geschichte der Osnabrücker Mühlen aufgearbeitet. Sein Beitrag wird voraussichtlich Ende 2001 im Einführungsband «Mühlen in Niedersachsen und Bremen" erscheinen, den die Mühlen Vereinigung Niedersachsen-Bremen gemeinsam mit dem Niedersächsischen Amt für Denkmalpflege herausgeben will. Dem Skript verdanken wir die wichtigsten Zahlen und Fakten für diese Seite.

blutige Auseinandersetzungen um die Nutzung der Wind- und Wasserkraft. Auch In Osnabrück.

DIE LOHMÜHLE auf dem Westerberg ist heute noch als Stumpf erhalten. Dramatisch verändert hat sich allerdings das Umfeld. Das Foto dürfte Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sein.

DIE PERNICKELMÜHLE. um 1880: Links der Pernickelturm, auf der Mühleninsel die Ölmühle und rechts die Kornmühle. 1891 zerstörte ein Hochwasser die Anlagen. Ein Jahr später wurde die heutige Pernickelmühle errichtet

DREI WASSERRÄDER lässt der Stich von Wenzel Hollar (1633) an der Pernickelmühle erkennen. Im Vordergrund der Pernikelturm, rechts oben das Hasetor.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, Till


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