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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Wo Mais stand, soll bald der Rohrsänger brüten
Zwischenüberschrift:
Renaturierungsfläche für Wellmannsbrücke vorgestellt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
An der Hase zwischen dem Lüstringer Berg und der Bauernschaft Düstrup wird ein Maisacker zu einem Biotop umgestaltet. Hintergrund des Projekts: Durch die Erweiterung der Firmen Egerland und Meyer & Meyer wurde an der Wellmannsbrücke ein Feuchtgebiet mit einem bedeutsamen Röhrichtbestand zerstört.
Die 46 000 Qadratmeter Fläche, die sechsmal größer ist als das zerstörte Gebiet, ist durch die Stadt von einem Landwirt auf 99 Jahre angepachtet worden. Die Renaturierung zahlen die beiden Firmen. Egerland- Geschäftsführerin Stephanie Egerland gab den Anteil ihres Unternehmens gestern mit 870 000 Mark an. Weitere 200 000 seien bei der Bauvorbereitung an der Wellmannsbrück im Bereich Umweltschutz fällig geworden. " 4500 Kubikmeter Altlasten mußten am früheren Schwimmbad-Parkplatz ausgekoffert werden, die PCB-haltige Fabe des Beckens war als Sondermüll zu entsorgen, das frühere Pumpenhaus hatte ein Asbestdach, und ein unterirdischer Bunker sowie das alte Hasewehr waren abzubrechen", listete Winfried Borgstädt als technischer Leiter bei Egerland auf. Stephanie Egerland bezifferte die Umwelt-Zusatzkosten auf 46 Mark pro Quadratmeter neuer Gewerbefläche.

Detlef Gerdts, Chef der städtischen Umweltverwaltung, bedauerte während des gestrigen Ortstermins, daß im Zuge der Firmenerweiterungen 7500 Quadratmeter und damit das größte Schilfröhrichtvorkommens Osnabrücks geopfert werden mußten. Nach dieser Entscheidung hätten seine Fachleute gemeinsam mit Vertretern der Unternehmen das haseaufwärts liegende Gelände ausgeguckt, an dem in Höhe der kleinen Holzbrücke der Weser-Ems-Radwanderweg direkt vorbeiführt.

" Hier wollen wir für den Naturhaushalt bisher wenig wertvolle Flächen beiderseits der Hase " in ein Biotop umwandeln", erklärte Gisela Altenburger als Landschaftsarchitektin der Stadt. Zur Zeit werden 1, 5 Hektar 50 Zentimeter tief ausgebaggert. " Dies wird ein Retentionsraum bei Überschwemmungen der Hase und starkem Regen", so Frau Altenburger. Zusätzlich entstehen Flachtümpel für Amphibien wie den seltenen Kammolch und Teiche. Bäume und Hecken werden gepflanzt, aber ansonsten sollen sich Flora und Fauna selbst ihr Revier zurückerobern. Die Expertin hofft, daß sich auch Röhricht ansiedelt und damit für den Rohrsänger ein neuer Lebensraum geschaffen wird.
Sie freut sich besonders über die Nähe zum beliebten Rad-Wanderweg: " Damit wird dieses neue Stück Natur für die Bürger wahrnehmbar." Diesen Aspekt betonte auch Gerdts: " Eine tolle Sache, denn Wanderer und Radler sehen es."
Unter dem Strich sind die Beteiligten mit dem erzielten Ergebnis zufrieden. Stephanie Egerland sprach von einem lachenden und einem weinenden Auge, denn der Standort Osnabrück und die mit ihm verbundenen Arbeitsplätze seien von ihrem Unternehmen teuer erkauft worden. " Sonst wäre der Standort Osnabrück für uns kaputtgegangen", betonte sie unter Hinweis auf die 40jährige erfolgreiche Firmengeschichte in der Hasestadt. Umweltdezernent Dr. Dieter Zimmermann hob hervor, daß unter den vom Stadtrat vorgegebenen Rahmenbedingungen auch für die Natur das Optimum herausgeholt worden sei. Detlef Gerdts wiederum ist mit Blick auf die laufenden Renaturierungsarbeiten hoffnungsvoll, " daß das Verlorene sinnvoll ersetzt wurde". (Siehe auch Kommentar) (fr)
Wellmannsbrücke: Ersatz-Biotop
Positives Beispiel
Von Christoph Franken
Keine Frage: Wer die Röhrichtbestände und Weiden an der Wellmannsbrücke vor Beginn der Firmenerweiterungen gesehen hat, dem mußte das Herz wegen der Zerstörung der fast unberührten Natur bluten. Dennoch war die Entscheidung von CDU, SPD und FDP im Stadtrat, das Biotop zu opfern, richtig: Arbeitsplätze in Deutschland müssen angesichts des global härter werdenden Wettbewerbs Vorrang behalten.

Dies ist aber kein Freibrief für hemmungslose Naturzerstorung, wie das Osnabrücker Beispiel zeigt. Die beteiligten Unternehmen stellen sich - wenn auch verständlicherweise zähneknirschend - den Auflagen der beamteten Umweltschützer. Sie zahlen über eine Million Mark, um der Natur an anderer Stelle wieder zu ihrem Recht zu verhelfen.

Besonders erfreulich ist dabei, daß die Ausgleichsfläche nur ein Stück haseaufwärts liegt und ideale Voraussetzungen fur ein Feuchtbiotop bietet. Sie wird in den ersten Jahren keinen vollwertigen Ersatz für die vernichteten Röhrichtbestände darstellen, aber mittelfristig stehen die Chancen dafür gut. Selbst die sonst eher skeptischen Fachleute der Umweltverwaltung staunen, wie schnell andere Ersatzbepflanzungen im Stadtgebiet zu Lebensräumen geworden sind.
Ökonomie und Ökologie werden sich auch zukünftig in der Hasestadt immer mal wieder in die Quere kommen. Wenn aber auch dann alle Beteiligten erneut an einem Strang ziehen und sich der Verantwortung gegenüber Menschen und Natur gleichermaßen bewußt sind, dürfte wie an der Wellmannsbrücke ein Kompromiß möglich sein, mit dem alle leben konnen.

Bilduntertitel:

NOCH REGIERT DER BAGGER auf dem Areal, das sich die Natur mit menschlicher Hilfe zurückerobern soll. Hinten rechts ist der Lüstringer Berg zu sehen, die Hase verläuft im Bereich der Hochspannungsleitung.Fotos: Thomas Osterfeld
Fotos von
STEPHANIE EGERLAND
DETLEF GERDTS
Autor:
fr, Christoph Franken


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