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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Damit die Kinder Spaß haben auf dem Spielplatz
Zwischenüberschrift:
Einsatz für Sicherheit und Sauberkeit
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Originaltext:
Von Michael Schwager (Text) und Detlef Heese (Fotos)

Mit seiner Rosenschere zwickt Anton Henke einen kleinen Zweig aus der Hecke. Seit acht Jahren kümmert sich der 76-jährige Rentner um den Spielplatz in Nahne. Er jätet das Unkraut auf den Wegen, sammelt leere Flachen und Bierdosen ein und wirft immer einen Blick auf die Spielgeräte. Wenn sich eine Schraube gelöst hat, ein Splitter absteht oder ein Zaunlatte durchgebrochen ist, meldet er den Schaden Hans-Werner Krampe, der bei der Stadt für die Unterhaltung von 250 Spiel- und Bolzplatzen verantwortlich ist.

Vor Jahren war der Spielplatz in Nahne zugewuchert. Abends wurde das Areal von jungen Leuten zu allerlei zwischenmenschlichen Begegnungen an frischer Luft genutzt, bei denen gelegentlich auch Sichtschutz durch Gebüsch erwünscht ist. Nur Kinder spielten dort nicht, weil es ihren Eltern zu gefährlich erschien.

Von Ortsratsmitgliedern angesprochen, machten sich Anton Henke und Alois Niemann eines Tages daran, das Unterholz zu lichten und den Spielplatz freizulegen. " Das war ein toller Samstag", erinnert sich Henke an die Anfänge. Inzwischen ist die Arbeitüberschaubar geworden, und zusammen mit Enkel Christian und Herbert Hartkemeyer hält er den Platz und sein Umfeld in Schuss. Marianne Wüller, die direkt neben dem Platz wohnt, stellt wenn nötig Harke oder Schubkarre zur Verfügung. " Alle anderen Geräte, die ich brauche, stellt mir die Stadt zur Verfügung", sagt Anton Henke, so als müsse er sich für die Hilfe bei der Pflege " seines Spielplatzes" bedanken. Dabei ist es umgekehrt.

Hans-Werner Krampe und sein Kollege Hartmut Damerow, im Stadthaus unter anderem für die Planung von Spielplätzen zuständig, sind dankbar für die wenigen engagierten Bürger, die sich für einen Spielplatz in ihrer Nachbarschaft verantwortlich fühlen.

Viel häufiger machen ihnen dagegen solche Mitmenschen zu schaffen, die ihre Zerstörungswut oder sogar kriminelle Gehässigkeit auf den Spielplätzen austoben. Manche schlagen Nägel in die Holzspielgeräte. Noch hinterhältiger war eine Falle, die Krampe einmal vor dem Auslauf einer Rutschbahn entdeckte. Dort hatte jemand eine abgeschlagene Flasche in den Sand eingegraben. Die messerscharfen Spitzen waren

Gefahr rechtzeitig erkannt und beseitigt

unter einer dünnen Sandschicht verborgen. Krampe will sich die möglichen Verletzungen gar nicht ausmalen. Gottlob wurde die Gefahr bei einer Routinekontrolle entdeckt und beseitigt.

Nach einer EU-Norm finden derartige Routinekontrollen auf allen städtischen Spielplätzen ein Mal pro Woche statt. Drei Zwei-Mann-Teams des Fachbereichs Grün und Umwelt haben sich das Stadtgebiet in drei Bezierke aufgeteilt und steuern darin ihre Spielplätze regelmäßig an. Jürgen Schulze Nünning und Johann Seil sind gerade auf dem Spielplatz hinter der Matthäuskirche am Sonnenhügel. Sie haben an diesem Freitagvormittag schon einige Plätze kontrolliert, und auf der Ladefläche ihres orangefarbenen Kleinlastwagens hat sich schon ein beachtlicher Müllhaufen angesammelt: Zigarettenschachteln, Plastiktüten, Bierdosen, Flaschen. Alles, was bei abendlichen Treffs von jungen Leuten abfällt. Hartmut Damerow hat einerseits Verständnis für sie: " Es gibt halt zu wenig Treffpunkte für Jugendliche ab 14 Jahren." Andererseits könnten sie ihren Müll auch in die Papierkörbe werfen, und Graffiti müssten sie auch nicht unbedingt hinterlassen, wenngleich die Schmierereien die " Verkehrssicherheit" eines Spielplatzes nicht beeinträchtigen. Anders als Hundedreck. Manche Halter führten ihre Bellos offenbar absichtlich in die Sandkästen, ärgert sich Krampe: " Aber sprechen Sie die mal an. Dann kriegen Sie noch zu hören: , Wozu bezahlen wir denn unserer Hundesteuer?'."

Aber auch diese Hinterlassenschaften räumen Schulze Nünning und Seil bei ihren Routinekontrollen weg, wenn sie sie entdecken. Außerdem prüfen sie Schraubverbindungen der Klettergerüste, Sitzbretter, Ketten und Schäkel von Schaukeln.

Kleinere Reparaturen erledigen sie gleich selbst. Größere Schäden melden sie Hans-Werner Krampe, der die Angelegenheit an die technischen Betriebe der städtischen Hochbauabteilung weiterleitet. Solche Schäden treten oft bei den so genannten operativen Inspektionen zu Tage, die alle ein bis drei Monate stattfinden oder nach den Angaben der Gerätehersteller stattfinden. Hierbei achten die Mitarbeiter vor allem auf die Stabilität der Anlagen und auf Verschleiß. Alle zwölf Monate legen sie die Fundamente der Schaukelgestelle und Rutschen frei, schauen nach Rost oder vergammeltem Holz. Alle Mitarbeiter bilden sich regelmäßig zum Beispiel beim TÜV fort, denn die Aufgabe ist nur mit spezieller Sachkunde zu erledigen, wie Hartmut Damerow betont.

Beim Hochbau kümmern sich dann zum Beispiel Norbert Erfmann und Peter Bollacke um die aufgespürten Schadensfälle. Am Spielplatz an der Lilienthalstraße mussten jetzt zwei Stützpfosten eines Spielpodestes ausgewechselt werden. Das geht nur mit geeignetem Werkzeug. " Das ist das Wichtigste", sagt Erfmann, ohne eine umfangreiche Werkzeugsammlung auf ihrem Wagen wären er und sein Kollege aufgeschmissen. Vom Spezialbohrer bis zu ausgefallenen Inbusschlüssel-Sonderanfertigungen einzelner Spielgerätebauer haben sie alles an Bord.

Auf dieses schwierige Gebiet brauchen sich Anton Henke und seine Freunde nicht zu begeben. Dennoch wird ihre Mitarbeit von der Stadt hoch geschätzt. In Hellern zum Beispiel muss in Kürze an der Feldbreede ein kaputtes Spielschiff durch ein neues Gerät ersetzt werden. Hartmut Damerow hofft, dass sich die Anwohner und künftigen Nutzer mit Vorschlägen beteiligen. Und dass sich vielleicht auch eine Gruppe findet, die ein Auge auf den Spielplatz hat. So wie Anton Henke, dem die Sicherheit der Kinder am Herzen liegt und sagt: " Ich bin dankbar, dass ich das noch machen kann. Mir macht' s einfach Spaß."

Zur Sache

In vielen Städten sind die Spielplätze in desolatem Zustand. Gelegentlich erscheinen Meldungen davon in den Medien. Osnabrück wurde in einer externen Untersuchung bescheinigt, dass die Spielplätze hier einen hohen Standard haben. Allerdings: Diese Untersuchung liegt etwa zwölf Jahre zurück. Die Stadtverwaltung wendet im Jahr etwa 45 000 Euro für die Instandhaltung der 250 Spiel- und Bolzplätze im Stadtgebiet auf. Dazu kommen 60 000 Euro für den Austausch des Spielsandes. Weitere 100 000 Euro lässt sich die Stadt den Ersatz von defekten oder überalterten Spielgeräten kosten. Bei den genannten Beträgen sind die Personalkosten noch nicht eingerechnet. Für regelmäßige Kontrolle der Spielplätze sind derzeit sechs Mitarbeiter des Fachbereichs Grün und Umwelt im Einsatz. Drei bis vier Mitarbeiter der technischen Betriebe kümmern sich ständig um aufwendigere Reparaturen und beseitigen die Schäden. Die Verantwortlichen in der Verwaltung befürworten jetzt eine einmalige externe Prüfung der Spielplätze. Begründung: Spezialisten von außerhalb sehen noch mehr als die eigenen Fachleute, das habe die Vergangenheit gezeigt. Die externe Prüfung der Spielplätze, die überschlägig 100 000 Euro kosten wird und nach den Vorstellungen der Verwaltung über zwei Jahre verteilt werden kann, ist allerdings nicht zwingend vorgeschrieben.

ALS WÄRE ES SEIN EIGENER GARTEN, kümmert sich der 76-jährige Anton Henke mit einigen Freunden ehrenamtlich um den Kinderspielplatz in Nahne.

JEDE MENGE MÜLL sammelt Johann Seil auf den Plätzen ein.

MIT KRITISCHEM Blick prüft Jürgen Schulze Nünning die Geräte.

DAS FUNDAMENT steht. Norbert Erfmann schüttet den Mörtel an.

HIER GEHT ALLES GLATT: Anna (3) saust flott und mit dem größten Vergnügen die Edelstahl-Rutsche herunter.

HUUIIIIIII... Damit Valentin (3) und andere Kinder sicher schaukeln können, müssen die Spielgeräte regelmäßig untersucht werden: Stehen die Pfosten und Stangen fest im Fundament, halten Ketten und Schäkel, sind die Sitze in Ordnung?

Selbst zupfen

Till ist ja fast nichts Menschliches fremd. Aber sich in die Gedankenwelt von Perversen zu versetzen, die kleine Kinder mit Glasscherben verletzen wollen, fällt ihm sehr schwer. Offenbar lässt sich am Beispiel von Kinderspielplätzen die gesamte Bandbreite sozialen Verhaltens darstellen. Aber einmal von den Extremen abgesehen - manche Bürger haben Ansprüche, die die Allgemeinheit viel Geld kosten. So berichtete einer der für die städtischen Spielplatze Verantwortlichen von folgendem " Notruf": Er möge doch bitte sofort zum Spielplatz X herauskommen, ein Kind habe sich an einer Pflanze verletzt. " Wenn wir so einen Anruf kriegen, muss ich da raus", berichtete der Mitarbeiter der Stadt. Und wenn dort wirklich eine gefährliche Pflanze wie zum Beispiel eine Herkulesstaude wächst, entfernen die Leute von Grün und Umwelt die giftigen Gewächse. Aber als er in besagtem Fall am Spielplatz ankam, wusste das Kind schon nichts mehr von der " Verletzung". Das Kratzen der Brennnesseln war schon wieder vorbei. So schlimm war' s also wohl nicht, und außerdem hätte Mutti die Brennnesseln, wenn sie sie denn wirklich so störten, kurzerhand selbst ausrupfen können. Man muss ja nicht gleich die Aufsicht über einen Spielplatz übernehmen. Aber ein wenig bürgerschaftliches Engagement wäre gut. Bisübermorgen
Autor:
Michael Schwager


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