User Online: 1 | Timeout: 20:42Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der umgestaltete Aufgang und die Brunnen-Anlage am Herrnteichswall.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Durch die in vorstehendem Bilde veranschaulichte Gesamtanlage, hat die Umgestaltung des Möserplatzes einen außerordentlich wirkungsvollen, auch in architektonischer Beziehung hervorragenden Abschluß gefunden. Man kann sich kaum noch ein Bild von der früheren Umgebung des Platzes machen, obschon seine Umwandlung erst vor gut 20 Jahren eingesetzt hat. Aus jener Zeit ist eigentlich nur noch das Bohnesche Haus stehen  geblieben; da, wo jetzt das Zentralhotel steht, befand sich ein viel einfacheres Wirtschaftsgebäude, das in ziemlich rascher Aufeinanderfolge seine Inhaber gewechselt hatte, deren letzte Sonntag, Lotz und Kahle waren, bis es H. Witte käuflich erwarb, der dann den jetzigen stattlichen Bau erstehen ließ; letzterer hat dann bekanntlich noch in den letzten Jahren sowohl nach der Schiller wie nach der Möserstraße hin bedeutsame Erweiterungen erfahren. Auch das  dem Hotel gegenüber im Garten liegende Grothaussche Privathaus  zeigte früher ein viel einfacheres Gewand; die Anbauten, Erker  und Türmchen sind erst vor einigen Jahren hinzugefügt worden. Ziemlich wüst und unwirtlich lag der Platz zwischen der Grothausschen Besitzung und dem Herrnteichswall da, bis mit Fertigstellung der kath. Volksschule (Einweihung am 22. April 1891) und der vor einigen Jahren erfolgten Errichtung der Herz Jesukirche bessere Verhältnisse auch in deren Umgebung eintraten. Erst in die neueste Zeit fällt die Umgestaltung des Cafè Kerkhof, das bekanntlich bis dahin in einem viel " bescheidenerem Hause untergebracht war, an dessen Stelle sich dann im vorigen Jahre der jetzige imposante Neubau erhob.

Man sieht also, daß sich bis auf das Bohnesche Haus die ganze Umgebung des Möserplatzes umgestaltet hat, und da konnte man auch mit dem Aufgang zum Herrnteichswall nicht zurückbleiben, bei dem erfreulicherweise diejenigen triumphieren, die für die Erhaltung des Walles gewesen sind. Die Strömung für seine Niederlegung war freilich nicht gering; nachdem aber Autoritäten wie Baurat Stübben in Köln sich für seine Erhaltung erklärt hatten, nachdem der Hannoversche Städtetag im Jahre 1903 und Geheimrat Thode aus Heidelberg im Jahre 1905 für seine Erhaltung eingetreten waren, ihn geradezu als eine Perle Osnabrücks bezeichnet hatten, nachdem ferner in der Sitzung vom 20. Juni 1905 die städtischen Kollegien in gleichem Sinne votiert hatten (der Magistrat stimmte einmütig für die grundsätzliche Erhaltung des Walles, vom Bürgervorsteherkollegium stimmten 5 Mitglieder dafür und 7 dagegen) und nachdem schließlich zu den Stimmen aus Bürgerkreisen und Presse auch noch die Heimatschutzbestrebungen und die Ueberzeugung gekommen waren, daß die Regierung einer Abtragung des Walles nicht zustimmen würde, da verstummten allmählich diejenigen, die den Wall am liebsten in eine flache Anlage verwandelt hätten, wie wir sie auch sonst schon allenthalben im Umkreise der Stadt haben.

Dann trat in der Sitzung der städtischen Kollegien vom 19. Februar 1907 zum ersten Mal das Projekt der Umgestaltung des Herrnteichswall-Aufganges und der Herstellung einer Brunnen-Anlage in die Erscheinung. Zugleich wurde bekannt gegeben, daß über die Ausgestaltung des Brunnens dessen hochherziger Stifter das nähere noch bestimmen werde, und in der Sitzung der städtischen Kollegien vom 30. Juni 1908 erfolgten sodann von Stadtbaumeister Lehmann die eingehenden Erläuterungen zu dem Protest, wie es dann seine Verwirklichung gefunden hat. Und so ist entstanden direkt am Kerkhofschen Gebäude ein vom Möserplatz zum Wall hinaufführender terrassenartiger Treppenaufgang, von dem aus man oben rechts auf ein eingefaßtes Plateau gelangt, in dessen Hintergrund, ebenfalls ringsum eingefaßt, sich der mit einer hohen und breiten Krone geschmückte Baum erhebt, der schon immer eine Hauptzierde des Wallaufgangs war. Außer dem Treppenaufgang führt seitlich des Walles (nach der Kirche zu) noch eine Rampe empor, die wahrscheinlich in Zukunft hauptsächlich den Kinderwagenverkehr vermitteln wird. Die ganze Anlage (aus Piesberger Durilit hergestellt) wirkt außerordentlich wuchtig, welcher Eindruck noch durch die seitlich in das Gestein eingehauenen Männergestalten, dann aber durch die Felswand erhöht wird, vor welcher die nervige Gestalt des Bergmanns Aufstellung gefunden hat. Es ist dies eine 2, 50 Meter hohe Bronzefigur; sie stellt den Bergmann in stehender Haltung dar, wie er bei der Arbeit eine Wasserader angeschlagen hat, die nun plötzlich zur Ueberraschung des Mannes, aus dem Felsen hervorbricht. Die Felswand wird eine Höhe von etwa 6 Metern haben, aus ihr wird, abgesehen von der Hauptwasserader, noch an verschiedenen Stellen das Wasser durchsickern und in ein Doppelbecken abfließen. Die Figur ist modelliert von Bildhauer Dr. Graef in Fürstenau-Berlin, der seine Aufgabe in künstlerischer Vollendung gelöst hat.
Im übrigen ist die Terrasse unterkellert; im Innern hat eine mittelst Elektromotor zu betreibende Zentrifugalpumpe Aufstellung gefunden, durch die das Wasser in Zirkulation gesetzt wird, sodaß es immer wieder in Benutzung kommt und nur gelegentlich erneuert zu werden braucht. Zu diesem Zwecke ist die Trinkwasserleitung mit der Brunnenanlage in Verbindung gebracht. Die ganze Anlage bildet die denkbar glücklichste Lösung der Umgestaltung des Herrnteichswall-Aufganges und eine hervorragende Verschönerung unserer Stadt, besonders des Möserplatzes, auf dem in den letzten Tagen auch noch eine Anzahl neuer Straßenlaternen Aufstellung gefunden haben. Ebenso sind alle Einrichtungen für die elektrische Beleuchtung des gesamten Herrnteichswalles fertiggestellt; eine Probebeleuchtung hat bereits vor einigen Tagen stattgefunden.


Anfang der Liste Ende der Liste