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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Lokales und Provinzielles.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In den Anlagen am Kaiserwall soll demnächst vor den Häusern die schönen und kerngesunden Bäume beseitigt werden, weil sie angeblich die Häuser, obwohl die zwischen den letzteren und den Bäumen vorhandenen Vorgärten noch genügend Luft und Licht zuströmen lassen, zu sehr beschatten. Wenn wir nur wüßten, so schreibt man uns, weshalb man die Bäume gepflanzt hat. Erst gibt sich die Anlagenverwaltung Mühe, daß die Bäume wachsen, und wenn sie in bester Entwicklung begriffen sind, dann sollen  sie weg. Hoffentlich hat die im Umlauf befindliche Petition, die sich gegen die Beseitigung der Bäume wendet, Erfolg und  hoffentlich findet sie auch die Unterstützung des Vereins zur  Hebung des Fremdenverkehrs. In die Anlagen gehören Bäume, unter denen sich im Sommer der Spaziergänger ergehen kann. Unsere Anlagen haben in den letzten Jahren manche Verschönerung erfahren, manches überflüssige Holz ist, wie man jetzt anerkennen muß, beseitigt worden. Die Niederlegung der ganzen Baumreihe am Kaiserwall ist aber nicht geeignet, der Verschönerung des Stadtbildes zu dienen, und sie findet auch in allen Kreisen der Bürgerschaft entschiedenen Widerspruch.
Zu der gleichen Angelegenheit erhalten wir noch die folgenden Zuschriften, die doch wirklich an der maßgebenden Stelle nicht übersehen werden sollten:
" Die vielumstrittenen Bäume am Kaiserwall werden nun doch dem Beil zum Opfer fallen. Ob dies unbedingt nötig ist, mag hier nicht entschieden werden, immerhin werden aber viele die Tatsache bedauern und sich erst allmählich an das veränderte Bild gewöhnen. Sollte es denn nicht möglich sein, die Bäume durch andere, wie z. B. Rotdorn oder Kastanien zu ersetzen?"

Unglaublich und doch wahr - kann mit Recht ein Eingriff in die städt. Anlagen bezeichnet werden, wie er sich in neuester Zeit am Kaiserwall ereignet hat, weshalb ein freies, offenes Wort, nebst einigen sachlichen Ausführungen zu dieser Angelegenheit jedenfalls angebracht sind. War man in früherer Zeit von der richtigen Erkenntnis ausgegangen, daß eine als Promenade dienende Anlage nur ihren Zweck erfüllt, wenn solche durch eine gleichmäßige, auf beiden Seiten der Straße auszuführende Anpflanzung von Bäumen als ????? hergestellt wird, die dem Wanderer nicht nur einen gewissen Natur-Genuß bietet, sondern demselben auch gleichzeitig gegen übermäßige Sonne, Regen und sonstige Witterungseinflüsse einen der Jahreszeit entsprechenden Schutz gewährt, so hat man jetzt diese Anlage durch die Entfernung der Bäume längs der Häuserreihe ihres eigensten Charakters und besten Schmuckes entkleidet. War es bislang für jeden Naturfreund eine Lust, eine wahre Freude, namentlich im Frühjahr und Sommer, auf beiden Seiten unter herrlichen schattigen Bäumen wandeln zu können, bietet sich jetzt dem Auge ein Bild der Einförmigkeit und Oede, das in seiner ganzen Wirkung unschön und langweilig ist. Eine Promenade oder eine Straße, deren eine Seite nur mit Bäumen bepflanzt ist, gewährt stets einen trostlosen, kahlen Anblick, der auch dadurch nicht gemildert wird, daß auf der gegenüber liegenden Seite wieder junge, kleine Bäume angepflanzt werden, im Gegenteile dürfte hierdurch der Kontrast noch so viel schärfer in Erscheinung treten. Außer den sonstigen vielen Nachteilen sei hier der Kürze halber nur noch der eine hervorgehoben, der für die Bewohner der Häuser in Betracht kommt, daß nunmehr hier an der Südostseite, wo sich durchweg die schönsten Zimmer befinden, die Sonnenstrahlen umso intensiver in dieselben eindringen können, eine unerträgliche Hitze verursachend, abgesehen von dem Schaden, der hierdurch an Gardinen, Mobiliar etc. entsteht. - Nun noch einige Worte über die vermeintlichen Vorteile! Gewiß werden die kleinen Vorgärten der Häuser für die Folge mehr Sonne haben als bisher und dadurch gewisse Blumensorten besser zur Entwicklung kommen, als es unter den bestehenden Verhältnissen der Fall war. Dem ist aber entgegenzuhalten, daß es auch bislang bei richtiger Auswahl geeigneter Blumen und Pflanzen, die bei etwas weniger Sonne gedeihen, recht gut möglich war, die Vorgärten entsprechend auszustatten. Da aber bekanntlich die Unterhaltung von Blumen eine nicht unerhebliche Geldausgabe verursacht, wird sich nur ein ganz geringer Bruchteil der Hausbesitzer in größerem Umfange als bisher diesen Luxus erlauben. Es drängt sich nun jedem objektiv und unparteiisch urteilenden Bürger die Frage auf, war es:
1. sachlich richtig, eine so unzweckmäßige Geldausgabe zu machen, um Bestehendes zu zerstören und dafür Unvollkommenes an dessen Stelle zu setzen, bzw. wäre es nicht vernünftiger gewesen, das Vorhandene zu erhalten und mit dem selben für die Fortschaffung des Bestehenden bewilligten Geldes andere schöne gärtnerische Anlagen herzustellen, woran es bekanntlich am Kaiserwall so sehr fehlt? War es
2. billig und gerecht, der von wenigen ausgehenden Anregung zu willfahren und dagegen die von dem bei weitem größten Teil der Hausbesitzer in einer besonderen Eingabe mit erdrückender Mehrheit zum Ausdruck gebrachten Wünsche völlig unberücksichtigt zu lassen? Würde es sich
3. um ein gutes Einvernehmen zwischen Behörden und Bürger zu unterhalten, nicht entschieden empfehlen, wenn bei derartigen Anlässen, an denen speziell die Hausbesitzer in erster Linie in hervorragender Weise interessiert sind, selbige zu einer Sitzung geladen werden, um deren Ansichten und Meinungen zu hören, anstatt über deren Köpfe hinweg ganz einfach zu dekretieren, als ob selbige garnicht existierten? Mögen sich das diejenigen zu Herzen nehmen, die in solchen Angelegenheiten das entscheidende Wort zu sprechen haben.


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