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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mit dem Frieden fiel die Zwingburg
Zwischenüberschrift:
Die Petersburg: Des Bischofs Festung war den Bürgern ein Ärgernis
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Gerd Steinwascher
Es gibt wohl kein größeres Gebäude in Osnabrück, das nur so kurze Zeit existiert hat und in dieser Zeitspanne halb Europa beschäftigte. Die Rede ist von der Petersburg, jener bischöflichen Zwingburg im Südosten der Stadt, mit deren Hilfe der streng katholische Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg die widerspenstige protestantische Osnabrücker Bürgerschaft im 30jährigen Krieg endgültig in die Knie zu zwingen suchte.
Direkt nach seinem Einzug in die Stadt im Jahre 1628 begann er mit dem Bau der Festung, an dem auch die Landbevölkerung beteiligt wurde. Die Festung erlaubte ihm jederzeit den freien Beschuß der Stadt, da die Stadtmauern gegenüber der Petersburg niedergelegt waren. Mitten in der Petersburg sollte ein fürstbischöfliches Schloß stehen, Osnabrück damit eine in barocker Bauweise verschönerte Residenzstadt werden.
Daß es hierzu nicht mehr kam, verdankte die Bürgerschaft der Eroberung durch eine schwedische Söldnerarmee im September 1633. Die Petersburg wurde schwedische Festung, und sie blieb es bis zur Neutralisierung der Stadt im Jahre 1643 anläßlich des Beginns der Friedensverhandlungen. Nun kam die Stadt in den Besitz der Zitadelle, und prompt wurde der Wunsch geäußert, sie dem Erdboden gleichzumachen.
" Ceterum censeo, Peters-burgensem esse delendam"
(im übrigen meine ich, die Petersburg müsse zerstört werden) könnte man manchem Ratsherrn im Osnabrücker Rathaus in Anlehnung an Catos Karthago-Trauma in den Mund legen. Wie für Karthago wurde dieser Haß auch für die Petersburg letztlich schicksalhaft. Als deutlich wurde, daß Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg das Bistum zurückerhalten sollte, wurden die Stimmen immer lauter, die für eine rasche Niederlegung der Burg plädierten. Schon vor dem Ende des Verhandlungsmarathons, im Jahre 1647, begann man mit dem Zerstörungswerk, vorsichtig zunächst und mit bangem Blick auf die schnell hiervon informierten Friedensgesandten. Im katholischen Lager erhob sich ein Sturm der Entrüstung, ausgelöst vom Osnabrücker Domkapitel und eifrig geschürt vom in Münster weilenden Bischof. Die kaiserlichen Gesandten protestierten, die schwedischen hingen ihre Meinungsfahne in den Wind, die protestantischen Reichsstände aber drückten den Osnabrückern insgeheim die Daumen.
Als dann am 24. Oktober 1648 der Friedensvertrag unterzeichnet war, wurde der Abbruch der Petersburg mit aller Kraft fortgesetzt. Mit Pauken und Trompeten zog die Bürgerschaft zur Zitadelle und riß alles nieder, was leicht zu zerstören war. Es sei ein Wunder, daß keiner zu Schaden gekommen sei, berichtete der Rat stolz seinem Bürgermeister nach Münster. Der Elan ließ schnell nach, als die mühsamen Planierungsarbeiten anstanden und kein Baumaterial mehr zu " organisieren" war; wieder mußte die Landbevölkerung beteiligt werden.
Der Bischof war tödlich beleidigt und ließ dies die Stadt während der Friedensfolgeverhandlungen in Münster und Nürnberg spüren. Die Osnabrücker Bürgerschaft wußte um mögliche Folgen und setzte alles in Bewegung, um den Bischof urkundlich zum Verzicht auf jede Vergeltung für das Zerstörungswerk zu verpflichten. Im Sommer 1650 mußte der Bischof nachgeben und eine entsprechende Erklärung besiegeln und unterzeichnen. Es war der einzige wirklich zählbare Erfolg des Osnabrücker Gesandten in Nürnberg, der den Bischof aber endgültig dazu zwang, sich wie seine Vorgänger auf der Iburg einzuquartieren.

Bilduntertitel
DIE PETERSBURG AUS DER VOGELPERSPEKTIVE: Idealisierter Plan der Befestigungsanlage, AUS dem Kupferstich von Wenzel Hollar, 1633.Repro: Gert Westdörp
Autor:
Gerd Steinwascher


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