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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Ungezählte Kartoffelfeuer machen das Atmen in Osnabbrück schwer"
Zwischenüberschrift:
Oktober 1890: Als die Steuern noch straßenweise eingetrieben wurden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Christiana Keller
" Der Herbst hat seinen Anfang genommen", meldete vor 100 Jahren die Lokalseite, " die Stoppeln auf den Feldern zeugen davon, die Früchte auf den Bäumen, Sonnenblumen, Georginen und Astern in den Gärten". Die immer kürzer werdenden Tage erinnerten an den nahen Winter und für dessen frühes Eintreffen bot die Natur selbst alle Anzeichen:
Das Laub begann in Osnabrück sehr früh zu fallen, Hamster und Feldmäuse hatten Anfang Oktober schon ihre Ernte beendet, die Zugvögel waren längst fort, und früher als sonst schwirrten die Insektenvölker in die Winterquartiere. Über eine dreimalige " Dunstperiode" klagte ein Reporter. " Im Frühjahr zur Düngezeit wabern Qualm und Dunst über die Stadt hinweg, im Sommer verdunkeln die Moorfeuer den Himmel und im Oktober flackern und räuchern ungezählte Kartoffelfeuer, die das Atmen in Osnabrück schwer machen."
Auch die Steuern waren fällig, sie wurden noch straßenweise abgeholt. Nur die Hundehalter mußten den Obolus für direkt beim Magistrat bezahlen. 5 Mark kostete die Hundesteuer für das Halbjahr Oktober bis Ende März.
Der Magistrat wählte im Oktober 1897 einstimmig einen jungen, vielversprechenden Mann In das Stadtbauarnt: Friedrich Lehmann war bei Dienstantritt in Osnabrück 28 Jahre alt und wurde Nachfolger des Stadtbaurates Emil Hackländer. Niemand konnte ahnen, daß der junge Ostpreuße die baulichen Geschicke der Stadt bis 1933 aktiv prägen sollte. Noch heute, 100 Jahre später, ist die Erinnerung an diesen Stadtbaurat lebendig, denn die Friedrich Lehmann-Stiftung unterstützt Projekte der Kunst-, Heimat- und Denkmalpflege in Osnabrück, die darauf abzielen, das Stadtbild zu erhalten und zu verschönern.
Besondere Erwähnung fand im Oktober 1897 das alte Siechenhaus " zur Sündelbecke". Gegründet 1297 vom Magistrat der Stadt, diente das Hospital oder " Hofhaus" ursprünglich dazu, Pilgern aus dem Morgenland eine Unterkunft zu gewähren und die Stadt vor ansteckenden Krankheiten zu schützen. Seit 600 Jahre war die Anlage, genannt nach dem vorbeifließenden, gleichnamigen Bach, weit und breit bekannt. Schon 1840 wurde das " Hofhaus" ein beliebtes Ausflugslokal, der alte Name und einige Gebäudeteile erinnerten noch an das Siechenhaus des Mittelalters. Die letzten Mauern und der kleine Bach mußten dann 1900 der Erweiterung des Hasefriedhofes weichen. Heute steht auf dem alten Gelände an der Bramscher Straße die Handwerkskammer.

Wie immer begannen mit der dunklen Jahreszeit zahlreiche Vortragsveranstaltungen. Der Vortragsabend selbst eröffnete die Saison mit einem Beitrag des Regierungsbaumeisters Süßapfel über die " Einrichtung und Ausschmückung unseres Heimes, insbesondere unter der Mitwirkung der Frau." In der Voranzeige wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, von " welch tiefgreifender Bedeutung ein behagliches Heim für das ganze menschliche Wohlbefinden ist". Über die Frauen fand sich in diesem Monat auch ein interessanter statistischer Beitrag, der Teilauszügen der Berufszählung von 1895 entnommen war. Jede vierte Frau des Deutschen Reiches war berufstätig, und das Blatt meldete: " Sie alle sind auf einen guten Verdienst angewiesen." " Wohin wir blicken, in allen Berufen geht die Zahl der Männer zurück und steigt die Zahl der Frauen." Ein Wissenschaftler hatte sich dieses Phänomens angenommen und sprach von " einem breiten Strom der Frauen, die sich in der Stille und mit wachsender Kraft in die Berufsstände ergießt". Nun noch von einem Kampf um die Zulassung von Frauen zu sprechen sei nicht nötig, eher drohe ein Kampf um die Beibehaltung des Mannes. Die Sorge war sicher unbegründet, denn nach wie vor waren Frauen vom öffentlichen Leben ausgeschlossen, sie hatten kein Wahlrecht und durften u.a. bis 1908 durch das Vereinsrecht weder an politischen Diskussionen teilnehmen noch sich aktiv in Parteien engagieren. Der " Sachverständige" sah auch mehr eine Gefahr in der " fortschreitenden Auflösung der Familie für die Kreise, aus denen erwerbstätige Frauen hervorgehen". Für die nichterwerbstätigen Frauen und Leserinnen der Tagespresse wurde andernorts gesorgt: " Jetzt ist es höchste Zeit", mahnten die Verkaufsanzeigen " für weihnachtliche Stickvorlagen".

Fotountertitel
ERST 28 JAHRE ALT war Friedrich Lehmann, als er im Oktober 1896 seinen Dienst im Stadtbauamt antrat. Das Foto zeigt ihm mit seiner Ehefrau Anna. Foto: Lichtenberg
Autor:
Christiana Keller


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