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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das Ende der Werkelei
Zwischenüberschrift:
Hinterhoffabrik am Wall
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Fabrikherr Johann Conrad Carl Weymann hatte schon einige Querelen frühindustriellen Gewerbelebens hinter sich gebracht, als er am 1. August des Jahres 1850 zur feierlichen Einweihung seiner fertiggestellten Fabrikgebäude am Petersburger Wall schritt. Gemeinsam mit dem Schlossermeister Friederich Borgmann, der seinerzeit gerade aus der Eisenhütte des Gutes Sandfort ausgeschieden

Museums-Tip

war, hatte er vierzehn Jahre zuvor in Nahne eine ,, Eisenhütte und Eisenwarenfabrik" ins Leben gerufen, in der wohl nur der Schmelzofen darauf verwies, daß man es hier nicht mit einem erweiterten Schmiedebetrieb zu tun hatte. Ein mit zwei Pferden bespanntes Göpelwerk trieb das zum Schmelzbetrieb benötigte Windgebläse an. Die Notwendigkeit, dessen Lagerstellen regelmäßig mit Wasser kühlen zu müssen, um ein Warmlaufen zu verhindern, verriet das ganze Ausmaß des technologischen Mangels, der durch den häufigen Bruch des Gestänges noch unterstrichen wurde.

Entsprechend der im Königreich Hannover herrschenden ,, industriefeindlichen" Verhältnisse, gestaltete sich in den Anfangs jähren des Unternehmens auch die Rohstoffbeschaffung: Für die Lieferung des zum Schmelzen notwendigen Roheisens mußte Carl Weymann dem ostfriesischen Lieferanten Knochen herbeischaffen. Und der im August des Jahres 1848 vom Fabrikherrn veröffentlichte Aushang: ,, An meine Arbeiter und zwar diejenigen, welche sich so sehr oft erlauben, nur nach ihren eigenen Willen und Gutdünken die ihnen zum Arbeiten angehende Werkstätte resp. Eisenhütte zu verlassen", offenbarte, daß auch die Arbeiterschaft noch ,, vorindustriellen" Lebenszusammenhängen verpflichtet war. Daß der ,, neue Mensch" aber nicht so schnell zu haben war, begriff auch Carl Weymann; räumte er im gleichen Ausgang doch weiter unten ein, daß ,, wenn es durchaus nötig sein möchte" und der Betrieb es erlaube, er die Erlaubnis für das Fernbleiben (z. B. zur Erntezeit) nicht verweigern würde.

Obwohl seit 1844 die Genehmigung vorlag, wurde der Betrieb jedoch erst sechs Jahre später in die Stadt, auf das Grundstück hinter das Weymannsche Stammhaus an der Johannisstraße verlegt. Borgmann, ohnehin seit 1838 als Mitinhaber ausgeschieden, führte in Nahne den Betrieb als Schlosserei weiter. Das ehemalige " Hüttengebäude" wurde abgebrochen und als Lagerhaus am Petersburger Wall wieder errichtet. Entstanden war hier so eine ,, klassische" Hinterhoffabrik, ein Emsemble, welches das Wohnhaus des Fabrikherrn (von dem aus auch dem Zeichner sich der vorliegende Blick bot) noch mit einschloß und in seiner räumlichen Ausdehnung äußerst beschränkt blieb. In den ersten Jahren nach dem Umzug verfügte das Unternehmen über eine Gießerei, die mitsamt der Formerei in einem Gebäude untergebracht war (linker Bildrand), eine Schmiede (daran anschließend), Modelltischlerei und Putzerei (beide rechts des Innenhofes), sowie über eine mechanische Werkstatt (vermutlich das Gebäude im Hintergrund).

Die erweiterte Gußwarenproduktion zwang außerdem zum Bau eines Kontorgebäudes (rechter Bildrand). Und als solle symbolhaft dokumentiert werden, daß die ,, vorindustrielle" Werkelei nun ein Ende habe, legte der Fabrikherr ausdrücklich Wert auf die Erwähnung der angeschafften Dampfmaschine, ,, die in zwei Stunden 3000 Pfund Eisen zu dünnstem Guß bringen kann". Rolf Spilker

Bilduntertitel
IDYLL EINER HINTERHOFFABRIK Aquarell nach einem Stahlstich aus dem ersten Weymannschen Musterbuch. (Kulturgeschichtliches Museum).
Autor:
Rolf Spilker


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