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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Osnabrücker Zeitung
Artikel:
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Originaltext:
Umgestaltung des Herrenteichswalles nach Project Hackländer und Project Stübben

Nach dem vorstehend wiedergegebenen Plane des Bauraths Hackländer soll an Stelle des Herrnteichswalles und - Grabens eine Hauptverkehrs- und Promenadenstraße entstehen und dadurch die an der Westseite bereits vorhandene Ringstraße ihre Fortsetzung in einer solchen Vollständigkeit erhalten, wie sie nach den gegebenen Verhältnissen erreichbar ist. Ist es auch wegen des bereits vollzogenen Anbaues nicht mehr möglich, die Ringstraße um die ganze Stadt herumzuführen, so erhält dieselbe doch durch ihren Anschluß an die Schiller- und Möserstraße eine angemessene Verbindung zum Centralbahnhofe.

Abgesehen von ihrer Bedeutung für den Verkehr und die Annehmlichkeit der Bewohner, auf welche in verschiedenen Veröffentlichungen hingewiesen ist, soll die Herrenteichswallstraße daher auch zu einer jedem Besucher Osnabrücks imponierenden Straßenanlage ausgestaltet werden. Die Nähe des Haseflusses und der interessante Blick auf das gegenüberliegende Ufer mit seinen Baumgruppen und den dieselben überragenden Bauwerken und Kirchthürmen bieten dazu willkommene Hilfsmittel. Aber zu einer solchen, gewissermaßen repräsentierenden Straßenanlage kann sie nicht entwickelt werden, so lange der Wall bestehen bleibt, weil die hinter dem Walle hergeführte Straße vom Blick auf die Hase und die Stadt abgeschnitten bleiben würde und einen imponierenden Eindruck nicht machen könnte.
Um daher das ganze vorhandene Gelände zu einer großen Gesamtwirkung zu vereinigen, soll der dasselbe der Länge nach durchschneidende Wallrücken soweit abgetragen und zur Ausfüllung des daneben liegenden Grabenbettes verwandt werden, daß Wall und Graben gleiche Höhe erhalten.
Die Straße kann selbstverständlich nur an der Ostseite bebaut werden. Die Baufluchtlinie soll 6 Meter hinter der Straßenfluchtlinie zurück liegen; der Zwischenraum soll zu Vorgärten und leichteren, höchstens 2, 5 Meter vortretenden Anbauten, Veranden u. dergl. dienen.
Die Anordnung der Straße selbst ist folgende: Trottoir an den Vorgärten, 4 Meter breit mit einer Reihe kleinerer Zierbäume, Rothdorn, Kugelakazien oder dergl.
Gepflasterte Fahrbahn von 8 Meter Breite;
Promenadenweg von 7, 5 Meter Breite, etwa derjenigen der jetzigen Wallpromenade gleich, bepflanzt mit 2 Reihen Linden, Ulmen oder dergl.
Der Terrainstreifen, welcher neben der Allee bis zum Ufer der Hase verbleibt und eine wechselnde Breite von 18 Meter bis 30 Meter erhält, soll auf den größeren Theil der Länge zum Flusse allmählich abfallen, aber an der breiteren Stelle, etwa vom Pernickel an, sich hügelartig etwas erheben und dann nach der Mitte der Strecke zu sich senken. Er soll mit größeren Rasenflächen, Baum- und Gebüschpflanzungen und Blumenbeeten versehen und von Promenadenwegen durchschnitten werden. An verschiedenen Stellen sind schattige Sitzplätze anzulegen. Wo die Plätze oder Wege bis unmittelbar ans Ufer treten, sind gefällige Befriedigungen herzustellen.
Geh. Baurath Stübben ist bei seinem Plane davon ausgegangen, daß der Herrenteichswall in seinem jetzigen Bestande zu erhalten sei, theils der Lindenallee wegen, theils aus historischen und Pietätsgründen.
Die Ringstraße soll daher hinter dem Walle hergeführt werden nach Bewerkstelligung einer solchen Aufschüttung des Grabenterrains, daß die Straße an ihrem höchsten Punkte 2, 20 Meter, bei der neuen Kirche 2, 69 Meter und bei Lepenau 3, 20 Meter tiefer liegt als die Wallkrone. Der zwischen der Straße und dem Walle verbleibende Streifen wird in schräger Böschung bis zur Wallhöhe aufgefüllt, damit die Wallmauer verdeckt wird und von der Straße aus Aufgänge zur Wallpromenade angelegt werden können. Um für diesen Streifen eine ausreichende Breite zu gewinnen, wird die Straßen- wie die Baufluchtlinie um 6 Meter weiter nach Osten zurückgelegt, und es erhält alsdann
das Trottoir an den Vorgärten eine Breite von 2, 5 Meter,
die Fahrbahn eine Breite von 7 Meter.
Ein durchgehender Fußweg entsteht an der westlichen Seite der Fahrbahn nicht; nur auf der mittleren Strecke und an beiden Enden ist auch hier ein Fußweg angelegt. Im Uebrigen beginnt unmittelbar an der Fahrbahn, die hier mit einer Reihe von Bäumen eingefaßt wird, die zum Walle hinaufsteigende Böschung, welche auf diese Weise eine Breite von 18 bis 24 Meter erhält. Hier sind Rasenflächen, Bosquette, Sitzplätze und zur Wallpromenade schräg hinaufführende Fußwege vorgesehen.
An der Stadtseite des Walles, am Flußufer, verbleibt die Wallböschung wie bisher, doch wird an der breitesten Stelle vom Pernickelthurm an bis etwa gegenüber der Grenze des Lepenau' schen Gartens ein Fußweg am Ufer entlang und an der Böschung zum Walle hinaufgeführt.
Sowohl in dem Hackländer` schen wie in dem Stübben` schen Plane ist eine Eintheilung des von der Stadt käuflich erworbenen Grundes zwischen der Ring- und der Karlstraße zu Baustellen vorgesehen. Beide Verfasser sind davon ausgegangen, daß die landschaftliche Ausgestaltung der Ringstraße nur gewinnen könne, wenn sie durch den Anbau von Villen mit geschmackvoll angelegten Vorgärten einen angemessenen architektonischen Hintergrund erhielte. Wollte man, wie es von anderer Seite vorgeschlagen ist, daß zwischen beiden Straßen belegene Gelände in einen Park umwandeln, so würde der Ringstraße ein wesentliches Moment der Belebung und des Interesses fehlen. Man wird wohl kaum irre gehen, daß gerade an dieser Stelle, i nächster Nähe des Gertrudenberges wie der an der Ringstraße entstehenden Promenade die Anlage eines Stadtparks nicht gerade besonders angezeigt ist. Diese Frage bedarf indes der Entscheidung z. Z. noch nicht. Nach beiden Plänen soll das fragl. Gebiet von einer die Ringstraße mit der Karlstraße verbindenden Straße durchschnitten werden.
Diese Straße soll aber nach dem Hackländer` schen Projecte am Markte beginnend vom Innern der Stadt zur Ringstraße, zur Karlstraße und vermittelst der Unterführung zum Stadtgebiet östlich vom Bahnhofe führen. Eine solche Verbindung ist im Stübbenschen Projecte nicht vorgesehen. Sie konnte auch nicht vorgesehen werden, weil die Durchschneidung des Wallkörpers durch diese Straße nothwendig wäre und eine so erhebliche Lücke in demselben verursachen würde, daß der ganze Plan der Erhaltung des Walles dadurch in Frage gestellt wäre.
Wiederholt ist aber in den hiesigen Blättern (vergl. Nr. 8334, 8446, 8455, 8457 und 8462 der " Osnabrücker Zeitung") auf die Nothwendigkeit dieser Verbindung der inneren Stadt mit dem nordöstlichen Anbaugebiet hingewiesen.
Der oben mitgetheilte Hackländer` sche Plan, welcher schon aus den achtziger Jahren stammt, wird durch die Eintragung dieses Straßenzuges, der Brücke über die Hase und Umänderung der Anlagen an der Kreuzung der neuen Straße mit der Ringstraße, auch durch andere Eintheilung der Baustellen östlich der letzteren der Abänderung bedürfen. Hier wird auf die Einfügung einer von allen vier Straßenrichtungen sichtbaren Gruppe (bepflanztes Beet, Obelisk, Springbrunnen, Denkmal) Bedacht zu nehmen sein. Auf solche Weise wird die mittlere Partie der Ringstraße eine reichere, wechselvollere Ausgestaltung erhalten.
Wichtiger ist wohl noch, daß die ganze Ringstraßenanlage durch diese Verbindung für die innere Stadt aufgeschlossen, zugänglich und in ihrer ganzen Längenausdehnung sichtbar gemacht wird.
In den bisherigen öffentlichen Besprechungen sind aber noch einige andere Abänderungen dieses Planes angeregt. Es ist in demselben vorgesehen, daß die Wallrampe vom Möserplatz aus unter Einschränkung ihrer Breite beibehalten werden soll, damit die Fundamente des Enners` schen Hauses nicht freigelegt werden und die am Aufgange stehende große Linde erhalten werden kann. Von da an würde das Terrain in sanftem Gefälle sich nach den Uferanlagen senken. Eine solche höhere Partie würde durch Gewährung eines Ueberblickes über die Straßen- und Uferpartie gewiß ihren Reiz haben. Es läßt sich aber nicht verkennen, daß durch dieselbe dem von der Möserstraße sich Nähernden die Ringstraßen-Anlage fast ganz verdeckt bleiben würde und daß eine großartigere Wirkung erzielt wird, wenn man schon beim Betreten des Möserplatzes von der Bahnhofseite her die Ringstraße auf einen großen Theil ihrer Länge übersehen kann.
Wenn man nun nach der in Nr. 8457 dieses Blattes gegebenen Anregung eine Vergrößerung des Möserplatzes für angezeigt hält, so wird man vollends auch zur Abtragung des Wallaufganges sich entschließen müssen. Bei der günstigen Lage und der veralteten Einrichtung des Enners` schen Hauses dürfte dasselbe doch bald einem Neubau Platz machen, und würde der Wallaufgang einen solchen nur hinderlich sein. Bei einer weiteren Bearbeitung des Planes wird daher auch die Vergrößerung des Möserplatzes angemessen vorzusehen sein.
Endlich wäre dabei auch die in demselben Artikel vorgeschlagene Einfügung einer unmittelbar an den Fluß grenzenden erhöhten Terrasse mit Sitzplätzen u. s. w. in die Uferanlagen an einem Punkte, welcher eine besonders schöne Aussicht gewährt, zu berücksichtigen.
Man ist auf den ersten Blick erstaunt, daß es Herrn Stübben gelungen ist, auf der Ostseite des Walles für die Böschungsanlagen einen verhältnismäßig breiten Streifen disponibel zu machen.
Er hat dies erreicht dadurch, daß er die Fluchtlinien der Straße um 6 Meter nach Osten zu vorgeschoben und die Breite der Straße auf 9, 50 Meter eingeschränkt hat, nämlich auf 2, 5 Meter Trottoir an der Ostseite und 7 Meter Fahrbahn, während an der Westseite nur streckenweise ein Fußweg vorgesehen ist.
Abgesehen davon, daß in Folge der Verschiebung der Baulinie ein Streifen von vielleicht 2000 Qu.-Meter theils zurückgekauft werden muß, theils nicht verwerthet werden kann, erscheint mit Rücksicht auf den Bau der neuen Kirche die Verschiebung der Fluchtlinien bedenklich. Dieser mächtige Bau mit seiner hohen monumentalen Front tritt auf solche Weise bis unmittelbar an die Straßenfluchtlinie heran, über die Baufluchtlinie um 6 Meter vor. Da alle übrigen Bauten um 6 Meter weiter zurückliegen, so wird man beim Eintritt in die Straße vom Möserplatze her den Eindruck gewinnen, daß die städtische Verwaltung hier einen großen baulichen Fehler gemacht habe. Diese Anordnung wird nicht nur dem Straßenbilde schaden, sondern auch die Wirkung der Kirche beeinträchtigen. Während ein solches Bauwerk etwas zurück von der Straße errichtet werden sollte, damit man es, seiner Höhe und Größe entsprechend, von einem etwas weiteren Standpunkte aus sehen kann, wird die Straße dicht an dasselbe herangeschoben, nur ein 2, 5 Meter breites Trottoir trennt es von der Fahrstraße.
Ein Trottoir von so geringer Breite ist aber doch für eine neu anzulegende Ringstraße durchaus ungenügend. Die Trottoirs an den übrigen Wällen sind 3, 5 Meter, am Kanzlerwall sogar 5 Meter. Auch die Fahrbahn ist mit 7 Meter sehr knapp bemessen, und dürfte unter 8 Meter nicht hinabzugehen sein. Es ist zu berücksichtigen, daß die übrigen Wälle fast überall 2 Fahrbahnen haben, während hier nur eine vorgesehen ist.
Wenn man durchaus den Wall, wie er ist, erhalten will, so darf man doch, um ihm ein möglichst gefälliges Bild nach der Straße hinzu geben, die Straßenanlage selbst und ein großes monumentales Bauwerk nicht schädigen. Vielleicht ließe es sich rechtfertigen, die Fluchtlinien um 2 statt um 6 Meter zurückzulegen; das Trottoir östlich müßte auf mindestens 3, 5 Meter, die Fahrbahn auf 8 Meter und ein durchgehender westlicher Fußweg, der schon zur Sicherung der Fußgänger gegen Fuhrwerk nothwendig ist, auf mindestens 2 Meter normiert werden. Alsdann wird doch die Kirche von der Fahrstraße um 7, Meter zurückliegen, über die Baulinie nur um 2 Meter vortreten, was bei den sonst gegebenen Verhältnissen kaum auffallen würde. Auf solche Weise vermindert sich aber die Breite des Böschungsstreifens im Stübben` schen Plane um 8 Meter und verblieben statt 17 - 24 Meter nur 9 - 16 Meter. Normiert man beim Hackländer` schen Plane die Abmessungen der Straße ebenso, so erbreitern sich hier umgekehrt die Anlagen am Ufer um 3 Meter und werden alsdann eine von 21 Meter bis 3 Meter wechselnde Breite haben, werden aber viel breiter erscheinen, da auf der Straßenseite die Allee, an der Westseite der Fluß und das gegenüberliegende Ufer das Bild erweitern.
Es sei noch erwähnt, daß nach den städtischen Acten der Herrenteichswall an jedem Ende an eine mächtige Bastion sich lehnte, und daß etwa gegenüber Lepenau eine dritte, kleinere Bastion sich befand, daß aber der Wallkörper selbst etwa von der Mitte der Breite nach außen zu mit einer aus Erd- und Mauerwerk bestehenden Brustwehr versehen war. Im Jahre 1801 ist die Bastion am Herrenteichsthore, unter welcher die Straße versenkt hindurchführte, im Jahre 1855 die Bastion am Nordende des Walles, welche von der Eisenbahn Hannover - Rheine durchschnitten wurde, samt den angrenzenden Walltheilen zu Zwecken des Bahnbaues abgetragen.
Interessant ist, daß bei den Acten auch ein im Jahre 1830 von Baumeister Doeltz im Auftrage des Magistrats aufgestellter genauer Plan der vollständigen Niederlegung des Herrenteichswalles, Zufüllung des Grabens und Herstellung zweier Promenadenwege und eines breiten Fahr- und Reitweges sich befindet. Man beabsichtigte damals, durch die Abtragung Arbeitern, Maurern und Zimmerleuten im Winter Beschäftigung zu geben und zugleich eine Verschönerung der Stadt herbeizuführen, hat aber den Plan mit Rücksicht auf die Kosten wieder fallen lassen.
Auch in den Verhandlungen wegen Benutzung des Wallkörpers und der Bastionen zur Auffüllung des Bahnkörpers der Eisenbahn Hannover - Rheine hat man es den Beamten der Eisenbahnverwaltung frei gestellt, den ganzen Wall bis zur Höhe der Bahnkrone abzutragen. Die Abtragung des Walles selbst ist damals nur unterblieben, weil zur Schüttung des Bahnkörpers nicht so viel Material erforderlich war.
Bei allen diesen Verhandlungen ist aber nirgends und von keiner Seite der Wunsch geäußert, daß man aus historischen Gründen die Wälle oder einen Theil derselben erhalten möge. Eine Gelegenheit zur Befestigung derselben scheint man vielmehr stets gern ergriffen zu haben, obschon treibende Gründe dazu auch nicht annähernd in dem Maße vorlagen wie in heutiger Zeit.


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