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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Herrenteichswall.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Herrnteichswall.

Der Verfasser des mit " Viele alte Osnabrücker" unterzeichneten Eingesandt in Nr. 8458 der " Osnabrücker Zeitung" spricht sich gegen die Abtragung des Herrnteichswalles aus mit der Mahnung, die Osnabrücker möchten sich den alten Wall wie sie ihn von Jugend auf kennen, nicht nehmen lassen. Auf eine Widerlegung der von verschiedenen Seiten für die Wallabtragung vorgebrachten Gründe läßt der Herr sich nicht ein; er kann sich daher auch kürzer fassen, als diejenigen, welche es für ihre Pflicht halten, den Vorschlag zur Beseitigung dieses wohl allen Osnabrückern sehr lieb gewordenen Alten sehr sorgfältig und eingehend zu begründen.
Und zwar ist dieser Vorschlag begründet mit dem Nachweis, daß nach Niederlegung des Walles die Anlage einer neuzeitlichen, eleganten Ring- und Promenadenstraße mit Villen, Vorgärten, breitem Trottoir, einer Wandelbahn mit Allee von der Breite der jetzigen Wallpromenade und eines nach dem Flusse allmählich abfallenden parkartigen Uferstreifens auszuführen sei, daß aber von dieser ganz neuen Anlage aus das gegenüberliegende schöne Stadtbild sich ebenso dem Auge darbieten werde wie bisher vom Walle aus. Dieses Stadtbild wird nämlich keinesweg, wie der Verfasser des Eingesandt behauptet, durch Tieferlegung des Standpunktes um einige Meter " ganz bedeutende Einbuße" erleiden, sondern sich dem Auge ebenso darbieten wie bisher. Man überzeuge sich doch davon durch Hinabgehen an der Böschung.
Daß aber der schöne, reizvolle Blick auf die Stadt dem ganzen Verkehr auf der neuen Ringstraße verborgen bleiben würde, wenn dieselbe hinter dem Walle hergeführt würde, ist ein Hauptgrund, die Abtragung des Walles bis auf Straßenhöhe (Planum vor der neuen Schule) zu fordern. Die Bewohner der hinter dem Walle entstehenden Häuser sollen sich wegen des Blicks gegen die Wallböschung, hinter welcher ihnen das schöne Stadtbild verborgen bleibt, damit trösten, daß die übrigen Straßenanwohner oft " gar nicht mal sehenswerthe Gegenüber" vor Augen haben; sie sollen sich also wohl noch dafür bedanken, daß sie` s hier nicht noch schlechter bekommen.

Es mag hier nochmals betont werden, daß der Wall das ganze Gelände in 2 für das Auge völlig getrennte Streifen schneidet und daß erst nach Niederlegung desselben eine große, zusammenhängende Anlage entstehen kann, die, weil das Gesichtsfeld erheblich erweitert wird, meines Erachtens einen großartigeren Eindruck machen wird, als eine Anlage, deren eine Hälfte hinter dem Walle vertieft liegt.
Der Verfasser des " Eingesandt" möge sich beruhigen, dieser Theil der Wallpromenade wird nach Niederlegung des Walles erst recht den Glanzpunkt unseres Promenadensystems bilden; in der Parkanlage am Flußufer wird aber noch ein neues Moment der Anziehung und des Interesses hinzutreten. Insbesondere wird das Spiegelbild des Flußes von den hier anzulegenden Promenadenwegen und Ruheplätzen ungehindert genossen werden können. Wenn der Verfasser behauptet, wir werden hier " etwas wieder erhalten, was wir in den übrigen Promenaden schon besitzen", so beweist er damit nur, wie wenig ihn das Project bekannt ist, gegen welches er mit einer Reihe durchaus falscher Voraussetzung eifert.
Auch der Hinweis des " Eingesandt", daß der Wall erhalten werden müsse, um der Bürgerschaft die Geschichte der Stadt als Festung vor Augen zu führen, und daß die Erinnerung an die alte Zeit durch die Abtragung des Walles verloren gehe, stimmt nicht, zumal der wenn der trotzige Wall nach dem Stübben` schen Plane durch Bedeckung der äußeren Mauer mit grünen Matten zu einem " sanften Heinrich" umfrisiert ist. Die historischen Erinnerungen werden doch wohl viel wirksamer noch erhalten durch die alten Bauwerke, welche bei Niederlegung der Wälle erhalten sind: die Vitischanze, den Bürgergehorsam, den Bucksthurm, die Partie am Hegerthore mit dem Waterloo-Bogen; ebenso würde selbstverständlich auch der Pernickelthurm erhalten bleiben. Zudem wird auch nach Niederlegung des letzten Wallstücks der ganze Ringstraßengürtel die Belegenheit der alten Umwallung noch deutlich erkennen lassen.
Um so weniger scheint es mir aber berechtigt, daß die Beibehaltung dieses letzten Wallrestes aus historischen oder Pietäts(?)- Gründen gefordert wird, wenn dadurch die Anforderung unserer Zeit an die zu ihren Zwecken zu schaffenden Neuanlagen eine Beeinträchtigung erfahren müssen, und das wird der Fall sein, wenn man hier das Alte mit dem Neuen verquickt.
Die bei Niederlegung der Wälle erhaltenen Reste der alten Festungswerke geben doch unserer Ringstraße ein charakteristisches Gepräge, ohne dem Verkehr hinderlich zu sein, und wirken malerisch. Das kann man aber doch von dem langgestreckten, gradlinigen Wallrücken nicht behaupten, im Gegentheil, er ist der Erzielung malerischer Wirkung hinderlich, wie er der Herstellung einer großen einheitlichen Ringstraßenanlage hinderlich ist.
Wie schon von anderer Seite hervorgehoben wurde, bewegen sich bereits jetzt viele Passanten auf dem hinter dem Walle liegenden holperigen Wege zwischen Kohl- und Kartoffelfeldern, der eine aus Bequemlichkeit, der andere, weil er den Zugwind scheut, der bei jedem Winde, er mag blasen, woher er will, auf dem Walle sich bemerkbar macht. Denkt man sich aber die Ringstraße hergestellt, so wird ein sehr großer Theil des Verkehrs vom Walle auf die Straße abgelenkt werden.
Die Gegenwart sucht Leben, Verkehr, Abwechslung grade auch in der Erholung. Die Erker und Balkone an den Villen, die Vorgärten mit ihrem Blumenschmuck, die Radfahrer und Equipagen auf der Straßen ziehen auch die Spaziergänger an, die Mehrzahl will sehen und gesehen sein.
Das soll die Promenade aber auch vereinigen, was die Belegenheit nur Schönes und Anziehendes bieten kann! Wie könnte man da für alle auf der Straße verkehrenden und an ihr Wohnenden den ganzen Reiz des Stadtbildes und des Flußufers hinter dem Wallrücken versteckt halten, den Wasserspiegel des Flusses, belebt durch hin- und herfahrende Boote, die baumgeschmückten Uferpartien, die schöne Gruppe der Domthürme! Die günstige Gelegenheit, alle Vorzüge, die sich hier darbieten, zu einer großen Gesamtwirkung zu vereinigen, sollte dem Wallrücken zuliebe ungenutzt bleiben?!
Die Bemerkung des Verfassers des Eingesandt, die Anfuhr des Straßenkörpers und die Anschüttung der Böschung, beiläufig zusammen circa 30 000 cbm Boden, würde nichts kosten, ist schon von anderer Seite widerlegt; auch ich habe die Überzeugung, daß sich das in der Wirklichkeit ganz anders herausstellen würde. Soll sich die Herbeischaffung des Bodens nicht durch eine Reihe von Jahren hinziehen, soll sie in regelrechtem Betriebe beschafft werden, so muß man für die Anfuhr bezahlen; insbesondere würde die Herbeischaffung des Materials für die Böschung, welches größtentheils aus auch anderweitig gern genommenem Pflanzboden bestehen müßte, und dessen Hinaufschaffen bis zur Wallkrone Kosten verursachen. Indeß scheint mir ein näheres Eingehen auf den Kostenpunkt in der öffentlichen Besprechung schon deshalb nicht angebracht, weil die dazu erforderlichen genauen Unterlagen fehlen. Aber es muthet mich doch die Idee seltsam an, daß man im Anfang des 20. Jahrhunderts den alten Wall noch mit 10 000 cbm Boden verstärken möchte und ihn damit beinahe zu einem Erdbefestigungswerk moderner Art machen würde - um ihn höchstwahrscheinlich später doch mit Kopf und Kragen zu beseitigen. Wohin dann mit dem etwa 25 000 cbm Boden enthaltenden Erd- und Mauer-Koloß?
Auf die von verschiedenen Seiten vorgeschlagene Verbindungsstraße vom Markte zur Sandbach-Unterführung werde ich mir gestatten, in einem besonderen Artikel zurückzukommen.
E. Hackländer, Baurath.


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