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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Bakterien sorgen für blütenweißes Papier
Zwischenüberschrift:
Firma Schoeller ist stolz auf eigene Kläranlage
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Je edler das Papier, umso mehr Wasser brauchen wir", umschreibt Bernd K. H. Scholz seine tägliche Sorge. Als Bereichsleiter Technik des Papierherstellers Schoeller ist er auch verantwortlich für die ausreichende Versorgung der Fabrik mit dem flüssigen Rohstoff. Welche Mengen benötigt werden, erschließt sich aus der Faustformel: Für ein Kilo Papier müssen 100 Liter Wasser eingesetzt werden. Bei der Jahresproduktion von 92 000 Tonnen sind das immerhin 9, 2 Mio. Kubikmeter Wasser. Den Bedarf bezieht der Hersteller von Fotorohpapier aus elf Tiefbrunnen (3, 6 Mio. Kubikmeter), aus Bächen (2 Mio. Kubikmeter), aber auch aus dem Rücklauf aus der hauseigenen Kläranlage (3, 6 Mio. Kubikmeter), deren Kapazität ausreicht, um eine Stadt von rund 70000 Einwohnern zu entsorgen: Während die Stadt Osnabrück im Jahr 12 Mio. Kubikmeter Schmutzwasser zu klären hat, bewältigt die Anlage in Gretesch immerhin 5, 4 Mio. Kubikmeter.

Bei dem enormen Bedarf " guten Wassers" gewinnt der Aspekt der Mehrfachnutzung eine besondere, auch wirtschaftliche Bedeutung. Daß Schoeller seit Jahren den Recycling-Gedanken bei der Schmutzwasser-Aufbereitung einbringt, zeigt sich in der Statistik der vergangenen sechs Jahre. In dieser Zeit erweiterten die Papierspezialisten ihre Produktion um das Dreifache, konnten aber den Wasser-Mehrbedarf durch installierte Kreisläufe erfolgreich eindämmen. Die Abwassermenge nahm nur um etwa 20 Prozent zu.

Zur Zeit sind die Schoeller-Wasserexperten damit beschäftigt, geklärtes Abwasser zu testen mit dem Ziel, es nach einer weiteren Aufbereitung in die Produktion einzubringen, um auf diese Weise den Verbrauch an Frischwasser zu reduzieren, der aus den Tiefbrunnen rund um das Werk entnommen wird. Die mögliche Nitratbelastung habe sich dabei noch nicht als problematisch erwiesen: ,, Der Nitratanteil ergibt noch keine statistisch verwertbare Zahl", freut sich Scholz.

Anders ist das bei den angezapften Flußläufen. Der Belmer Bach beispielsweise wird unter anderem auch durch die Belmer Kläranlage beeinflußt, aber natürlich auch durch die Düngergaben auf den Feldern in der direkten Umgebung des Fließgewässers. Bevor dieses Oberflächenwasser in die Produktion geleitet wird, muß es den Schoeller' schen Qualitätsansprüchen genügen. Ein Negativmerkmal ist der Ammoniakanteil, der von Fäkalien stammt. " Ammoniak ist unverträglich für Foto-Emulsionen", erklärt Scholz, die von den Beziehern der Gretescher Fotorohpapiere als Beschichtung aufgetragen wird.

Trotz aller Erfordernisse, nur " sauberes Wasser" zu verwenden, haben die Verantwortlichen des Bereiches Versorgung nicht den Ehrgeiz, Trinkwasserqualität zu bekommen, schwächt Felix Schnieder vom Schoeller-Versorgungsbetrieb ab. Dennoch kommen die Werte nach der letzten Klärstufe sogar diesem Gütesiegel nahe.

Erreicht wird das mit der Anlage, die einen Kilometer von der Fabrik zwischen Autobahn A 33 und der Sportanlage des TSG Burg Gretesch liegt. Die ursprünglich chemisch-mechanische Klärung wurde 1983 und 1986 in zwei Schritten um eine biologische Klärstufe erweitert, die sich als vier Tropfkörper darstellt.

Die Füllung dieser kreisrunden Töpfe (Größe zwischen 1000 und 3200 Kubikmeter) besteht aus einem Schoeller-Produkt. Die Abwasser-Experten nahmen Abfallstreifen aus der Kunststoffbeschichtung (der Fotorohpapiere) und hängten sie dicht an dicht in die vier Meter hohen Bottiche. Das auf chemisch-mechanischem Weg gereinigte Wasser wird von oben eingegeben und läuft an den Streifen herunter, wobei die sich immer wieder selbst aufbauenden Bakterienstämme die Klärarbeit übernehmen. Sechs Jahre hatte Scholz-Vorgänger, der Oberingenieur Hans-Hugo Speisberg experimentiert, bevor er das System als Patent anmeldete.

Wenn das Schoeller-Abwasser endgültig die Kläranlage verläßt, verbessert es die Güte des Belmer Baches und letztlich auch der Hase. Darüber geben sich die Schoeller-Leute ein wenig stolz. Schließlich hat das Niedersächsische Landesamt für Wasserwirtschaft schon häufig attestiert, daß ein Nachweis an Schadstoffen nicht zu führen sei. Das dies auch weiterhin so bleibt, dafür sorgt auch eine Meßstelle vor Einleitung in den Belmer Bach. Darüberhinaus tauchen etwa zehnmal im Jahr unvermittelt Behördenvertreter auf, um Stichproben zu nehmen.

Den deutlichen Mehraufwand gegenüber den gesetzlichen Vorschriften begründet Scholz mit der Haltung von Schoeller-Mitinhaber und Gesellschafter: " In Sachen Umwelt nach außen besonders vorbildlich verhalten", heißt die Devise.
Harald Preuin
Bilduntertitel
BIOLOGISCHE KLÄRUNG über Tropfkörper: Ungezählte Kunststofistreifen bilden die Basis für Bakterienstämme, Schadstoffe aus dem eingespülten Abwasser zu vernichten.
Foto: Michael Hehmann
Autor:
Harald Preuin


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