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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Klärwerksnachbarn müssen Wasser selber klären
Zwischenüberschrift:
Hellern: Stadt scheut Kosten für Kanalbau
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Aus Hasbergen und Hellern, demnächst auch aus dem drei Kilometer entfernten Sutthausen strömen täglich einige hunderttausend Liter Schmutzwasser zum Klärwerk in Hellern. Noch vor kurzem wurde die Anlage für 4, 6 Millionen DM erweitert, um Kapazität für noch mehr Dreck zu schaffen. Aber die unmittelbaren Anwohner des Klärwerks am Heller Esch, die fast hinüberspucken können, müssen ihre Schmutzfracht selbst entsorgen. Alle Versuche, die Stadt zum Bau eines Kanals zu bewegen, waren bisher vergebens. Nach den Plänen des Tiefbauamts können die Anlieger erst 1991 mit dem lang ersehnten Anschluß rechnen.

Besonders hart ist Familie Fischer betroffen: Sie wohnt in einem Kotten am Heller Esch, der etwas tiefer liegt als die Nachbarhäuser. Nach jedem starken Regen läuft die private Sickergrube voll, und das Abwasser staut sich in der Leitung. Eine unappetitliche Angelegenheit, zumal sich manches Wässerchen in falscher Richtung durch den Badewannenabfluß zwängt.

Erleichterung verschafft der Pumpwagen, der auf Anforderung die Grube leert. Rund 140 Mark muß für den Service hingeblättert werden. Schon beim nächsten Regen kann sich das Ungemach wiederholen. Dann herrscht bei Fischers strenges Duschverbot, und auch die Waschmaschine darf nicht mehr rotieren: jeder Tropfen könnte zuvielsein.

" Wozu bezahlen wir denn unsere Steuern?" fragt Erika Fischer vorwurfsvoll. Die resolute Mutter von zwei Kindern ist auf die Stadt nicht gut zu sprechen. Schon seit Jahren kämpft sie für den Kanalanschluß. Anfangs ließ sie sich vertrösten, aber dann brachte sie ein " heißer Tip" in Harnisch: " Legen Sie 80 000 Mark auf den Tisch, und Sie werden sofort angeschlossen!" soll ihr ein Mitarbeiter aus dem Tiefbauamt geraten haben.

Das war sicher flapsig gemeint, aber Erika Fischer, die sich mit dem Austragen von Zeitungen ein Zubrot verdient, ging auf die Palme. Sie wandte sich an die Ratsfraktionen, durfte schließlich auch der Oberbürgermeisterin ihr Anliegen vortragen und bekam überall wohlwollende Worte mit auf den Weg. Aber der Kanal blieb in weiter Ferne.

Dabei würden die Fischers sogar selbst mit anfassen, da mit das Unterfangen nicht zu teuer wird Schwiegervater Adam Fischer versprach sogar, mit dem Radlader auszuhelfen. Ob die Stadt solche Eigenleistung akzeptieren würde, steht dahin. Aber immerhin läßt sie sich einen Schmutzkanal auch von den Anliegern vergüten.

Tiefbauamtsleiter Kurt Jäger hat ermitteln lassen, daß die Stadt 270 000 DM aus ihren Mitteln beisteuern müßte, damit die sieben verstreut liegenden Häuser in der Nachbarschaft der Kläranlage an das Entsorgungsnetz angeschlossen werden könnten. Das ist wirtschaftlich ziemlich unsinnig", urteilt der Beamte, der " im Interesse des Umweltschutzes andere Maßnahmen vorziehen" möchte. Etwa die Druckrohrleitung von der Dütekolksiedlung. denn dort haben Fachleute bereits eine " erhebliche Verseifung" des Bodens durch unzureichend gereinigte Abwässer festgestellt.

Ganz oben stehen auf Jägers Prioritätenliste die Siedlungen an der Bornheide und Am Wiggert. Gerade abgeschlossen ist die Kanalisation

Bilduntertitel
NUR 100 METER Hegen zwischen dem Klärwerk Hellem und den nächsten Nachbarhäusern. Die Stadt will den Kanal erst 1991 bauen. Foto: Klaus Lindemann


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