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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
So ein Wasser - nein danke!
Zwischenüberschrift:
Haste, Schinkel, Dodesheide: Klagen über zuviel Chlor im Wasser
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Helga Lampe steht in Ihrer Küche und öffnet den Wasserhahn: Es stinkt penetrant. Stechender Chlorgeruch dringt in die Nase, fast weißes Wasser plätschert aus dem Hahn. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist ihr jeglicher Appetit auf eine Tasse Kaffee vergangen. Bei diesem Wasser, nein danke! ,, Soviel Chlor wie im Moment hatten wir schon seit einem Jahr nicht mehr im Wasser", versichert die Hausfrau. Sie ist nicht die einzige die klagt.

Eine vom staatlichen Medizinal-Untersuchungsamt durchgeführte Wasserprobe bringt Verblüffendes an den Tag: Genau 0, 2 Milligramm freies wirksames Chlor (CL2) wird auf einem Liter Wasser nachgewiesen. Eine hohe Dosis, denn in Badeanstalten beträgt der Chlorgehalt auch nur zwischen 0.3 und 0, 6 Milligramm. In Bädern ist im Gegensatz zum Trinkwasser diese Menge vorgeschrieben, und außerdem, wer kommt schon darauf, das Wasser im Schwimmbecken zu trinken. Einen Tag nach der ersten Wasserprobe ergibt eine neue Untersuchung ,, nur" noch 0, 09 Milligramm Chlor. Eine ,, wundersame" Wasserverwandlung innerhalb eines Tages?

Die Geschichte beginnt vor ungefähr zehn Wochen, als Familie Lampe und andere Einwohner im Gebiet Dodesheide, Schinkel und Haste vermehrt Chlor im Wasser feststellen. Auf Anfrage teilen die Stadtwerke mit, daß im Wasserwerk Wittefeld (nordöstlich von Bramsche), das für die Versorgung dieser Gebiete zuständig ist, die Behälter gereinigt werden und darum mehr Chlor erforderlich ist. Als das Wasser nach Wochen immer noch stinkt, sind es nach Aussage der Stadtwerke Keime, die bekämpft werden müssen. Die Anwohner werden vertröstet: Demnächst ist alles wieder in Ordnung!

Günter Lampe sitzt in der Küche und denkt an rosige Wasserzeiten zurück: ,, Vor Jahren bekamen wir unser Wasser aus Thuine und konnten es sogar ungekocht trinken". Die ,, Wasserpanscherei" bemerkte er letztes Jahr, als er seinen Zierfischen ,, frisches" Leitungswasser zukommen ließ. Nach einigen Minuten fingen sie an zu trudeln, Stunden später waren sie tot, genau wie die Fische vom Nachbarn", erinnert sich Lampe. Seine Goldfische, etwas härter im Nehmen, erwischte es zwei Tage später.

Seit bei Lampes wieder stark gechlortes Wasser aus der Leitung fließt, fährt der Hausherr zweimal die Woche ins Nettetal, um in Zwanzig-Liter-Kanisternfrisches Quellwasser heranzuschleppen. " Meinen Vögeln mag ich das Leitungswasser nicht geben, sonst ergeht es ihnen wie den Fischen", argwöhnt Zuchtexperte Lampe. Seinem Hund Charlie stinkt das Wasser so stark, daß er einen großen Bogen um seinen Napf schlägt und lieber das Quellwasser aus dem Fischteich trinkt. Zum Duschen läßt sich Charlie seit Wochen nicht mehr bewegen.

Aber auch Herrchen hat beim Waschen so seine Probleme mit dem chlorhaltigen Wasser. Seit Wochen juckt ihm nach dem Duschen die Haut. Jetzt ist er auf Salben angewiesen, die ihm Linderung verschaffen. Ob dieses Hautjucken vom Chlor kommt, leibt dahingestellt, unmöglich ist es jedoch nicht. Hautärzte schließen nicht aus, daß die Chemikalie bei empfindlichen Hauttypen Überreaktionen hervorruft.

Zurück zu den Stadtwerken, die den Anwohnern wochenlang baldige Verbesserung versprachen. Als den Verantwortlichen jedoch zu Ohren kommt, wieviel Chlor im Wasser von Familie Lampe nachgewiesen wurde, läßt Abhilfe nicht lange auf sich warten. Schon wenige Stunden nach der Probe erscheint noch am Abend eine Kolonne vom Störungsdienst der Stadtwerke, die das Leitungssystem in einem Teilbereich Knollstraße durchspült. Das Problem ist dort beseitigt, der Chlorgehalt im Wasser unter 0, 1 Milligramm pro Liter gesunken.

Wie Horst Wieligmann von den Stadtwerken auf Anfrage mitteilt, ist im Augenblick wegen der erhöhten Keimzahl im Wasser eine Langzeitchlorung erforderlich. Dennoch soll der Chlorgehalt nicht 0, 1 Milligramm überschreiten. Eine sogenannte ,, Schocktherapie", bei der großen Mengen Chlor ins Wasser gegeben und die Keime dementsprechend schnell vernichtet werden, will man, so Wieligmann, den Kunden nicht zumuten. Sollte es in Zukunft in einigen Haushalten penetrant nach Chlor im Wasser riechen, so empfiehlt der Chef der Wasserversorgung den Störungsdienst der Stadtwerke anzurufen, damit dieser vor Ort mit einer Spülung das Problem löst. Wolfgang Hasheider
Autor:
Wolfgang Hasheider


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