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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Private Brunnen: Hohe Nitratwerte
Zwischenüberschrift:
Unruhe an der Wersener Landstraße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Eine Routine-Wasserprobe löste an der Wersener Landstraße schon vor einigen Monaten Unruhe aus: In einem privaten Brunnen wurden Nitratwerte ermittelt, die mit 140 Milligramm pro Liter Wasser deutlich über dem derzeit zulässigen Toleranzwert (90 mg/ 1) lagen. Das städtische Gesundheitsamt ging von Haus zu Haus, um die Güte des Trinkwassers zu prüfen. Der Befund, den das Staatliche Medizinaluntersuchungsamt schließlich vorlegte: Zehn der 53 Brunnen erwiesen sich als " verseucht", ein Meßergebnis erreichte mehr als das Doppelte des zulässigen Grenzwerts. Seit diese Zahlen bekannt sind, wird in einigen Familien an der Wersener Landstraße nur noch Mineralwasser getrunken. Andere besorgen sich nitratfreie Flüssigkeit vom Nachbarn.

Um dem Notstand abzuhelfen, wollen die Stadtwerke " schnell und unbürokratisch" eine neue Versorgungsleitung legen. Ein kompliziertes Unterfangen, weil Baumwurzeln und Kanalrohre die städtischen Wasserwerker unter die Fahrbahn zwingen. Wer sich an das Netz anschließen läßt, wird mit knapp 3000 DM zur Kasse gebeten. Ein Anschlußzwang besteht jedoch nicht.

Zehn Haushalte bekamen vom Ordnungsamt der Stadt die Nachricht: ,, Bei der vorliegenden Konzentration kann Nitrat bei Dauergenuß, vor allem für Säuglinge, gesundheitsschädlich sein und unter Umständen auch zu einer tödlichen Vergiftung führen." Den Anwohnern der Wersener Landstraße wird in dem Schreiben empfohlen, ihren Brunnen zu sanieren oder " die Trinkwasserversorgung anderweitig" zu sichern. Der hohe Stickstoffgehalt wurde vor allem in flachen Brunnen ermittelt Wasser, das aus tieferen Systemen gefördert wird, weist in der Regel niedrige Konzentrationen auf. Wie sinnvoll es ist, tiefer zu bohren, um an einwandfreies Wasser zu kommen, vermögen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht eindeutig zu sagen. Für dieselben Kosten, meinte der städtische Umweltbeauftragte Christoph Jabs, könne man sich auch an das Netz der Stadtwerke anschließen lassen.

Mit der Ursache der Nitratverseuchung hat sich noch niemand ernsthaft befaßt: Hohe Werte schreibt die städtische Mitteilung geologischen Einflüssen oder Verünreinigungen zu. Das kann Überdüngung sein (Mineraldünger oder Gülle), Schmutzwassereinleitung oder Salzeinfluß bedeuten.

Anwohner der Wersener Landstraße glauben auch schon den Schuldigen zu kennen: Sie machen die wenige hundert Meter entfernte Samengroßhandlung Stahn und Finke für die Nitratverseuchung verantwortlich. Originalton eines betroffenen Bürgers: ,, Die hauen einiges an Kunstdünger da drauf!" In der Geschäftsleitung des Unternehmens sieht man die Angelegenheit anders: Prokurist Josef Ahaus verweist auf regelmäßige Bodenuntersuchungen der Probefelder. Eine Überdüngung könne sich die Firma gar nicht leisten. Im übrigen seien landwirtschaftliche Flächen noch näher an der Wersener Landstraße gelegen als die Felder seines Samen-Unternehmens.

Inzwischen ist in einigen Haushalten wieder Normalität eingekehrt: Während einige Nachbarn auf den neuen Stadtwerke-Anschluß warten oder tiefere Brunnen bohren wollen, trinkt man bei Familie Büscher wieder von der eigenen Wasserstelle. Der Stickstoffgehalt ging innerhalb von zwei Monaten von 160 Milligramm auf 68 Milligramm pro Liter zurück.

Der neuen EG-Normt die ab 1985 gelten soll, hält aber auch diese Zahl nicht stand: Nitratkonzentrationen sollen 50 Milligramm künftig nicht überschreiten. An der Wersener Landstraße lagen 33 der 53 Brunnen über dem 50 Milligramm-Index. Rainer Lahmann-Lammert
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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