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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Erträglich für alle"
Zwischenüberschrift:
Verwaltungsvorschlag für Verkehrsberuhigung Gustav-Heinemann-Platz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Einen Lösungsvorschlag über die gesamte Verkehrssituation verbessert, zwar nicht optimal für den einzelnen, aber erträglich für alle ist", sagte Verkehrsplaner Hans-Jürgen Apel auf der dritten Anhörungsversammlung wegen einer Verkehrsberuhigung im Bereich Gustav-Heinemann-Platzes (früher Augustenburger Platz) vor. Dabei gab er zu, daß der Kirchenkamp " keinen direkten Vorteil" von diesem Vorschlag habe. Das Konzept wird in der nächsten Woche dem Planungsausschuß und anderen Ausschüssen vorgelegt. Wenn der Rat zustimmt, sollen im März Lösungsvorschläge für Fahrbahnmarkierungen, Aufstellung von Blumenkübeln u. a. erarbeitet und mitte des Jahres mit der Durchführung begonnen werden.
Und das sind nach dem Plan der Verwaltung die Unterschiede zur bisherigen Situation:

· kein Durchgangsverkehr in Ost-West-Richtung,
· durchgehender Grünzug zwischen Kirchenkamp und Uhlandstraße,
· die Augustenburger Straße wird in Westen Einbahnstraße stadtauswärts,
· der Knotenpunkt Katharinenstraße/ Herderstraße wird entschärft,
· zahlreiche Einbahnstraßen mit einem erheblichen höheren Stellplatzangebot entstehen,
· Radwege werdenbei der Markierung berücksichtigt. In Einbahnstraßen soll bei Hochbordanlagen auch gegenläufiger Radverkehr erlaubt werden.

Der Verkehrsplaner nannte dieses Konzept einen Kompromiß zwischen den Wünschen der Anlieger nach völliger Ruhe und den der Geschäftsbetrieben nach möglichst geringen Umwegen, den Befürchtungen der Anwohner am Kirchenkamp wegen mehr Lärms, den Sorgen der Elternräte wegen der Verkehrssicherheit und den Forderungen der Anlieger von Lotter und Martinistraße, nicht noch mehr Verkehr zu bekommen. Über Stellplatzprobleme würden, so gab Apel bekannt, noch detailgespräche geführt. Wenn der Verkehr wegen dr Energieprobleme einmal nachlassen sollte, könnten auch Verbesserungen für die noch nicht profitierenden Abschnitte erwogen werden.

Der Leiter der Verkehrsbetriebe Gerhard Meinel, nannte den Standort des Depots günstig; eine Verlegung würde 25 bis 30 Millionen kosten. Er kündigte eine kontinuierliche Umrüstung der Busflotte auf umweltfreundliche Bedingungen (weniger Lärm und Abgase) und verschiedene Maßnahmen im Depot zur Schalldämpfung an.

In der Diskussion, wobei dort geäußerte Bedenken in der Stellungsnahme an die politischen Gremien einbezogen werden sollen, forderte eine nach ihren Angaben 230 Bürger zählende Initiative vom Kirchenkamp Einbahnstraßenregelung und Geschwindigkeitsbeschränkung für Kirchenkamp und Rückertstraße sowie eine betriebseigene Straße vom Depot zur Lotter Straße. Dazu der Verkehrsplaner: " Wenn der Kirchenkamp jetzt Einbahnstraße wird, ist die Verkehrsberuhigung im Raum Heinemannplatz gestorben. Über die anderen Anregungen kann man reden."

Weitere kritische Einwendungen führten u. a. an, daß das Konzept eine Reihe von Schleichwegen offen lasse, daß Einbahnstraßen bei einer Verkehrsberuhigung ein " Mißverständnis" seien (Apel: Fahrflächen der Einbahnstraßen werden eingeengt und verschwenkt) und daß frühzeitig mit den Bürgern über Straßengestaltung geredet werden müsse. Doch die Mehrheit der Versammlungsteilnehmer war offenbar bereit, dem Wunsch des Verkehrsplaners " Seien Sie großzügig und geben Sie grünes Licht" zu entsprechen, zumal bei diesem Modellfall jederzeit Korrekturen möglich sind.

Bildtext:
DIESER VORSCHLAG der Verwaltung für eine Verkehrsberuhigung im Raum Gustav-Heinemann-Platz wird jetzt den Ratsausschüssen und dem Rat vorgelegt.
Zeichnung:
Stadtplanungsamt

der kommentar
Beruhigter Verkehr?

Zugegeben: Verkehrsplaner haben es da etwas leichter als Sanierer. Ein abgerissenes Haus oder eine verbreiterte Straße können kaum wieder rückgängig gemacht werden, während eine mißliche Verkehrssituation durch Auf- und Umstellen einiger Schilder in den Griff zu bekommen ist. Trotzdem haben die für den ersten konkreten Osnabrücker Fall von Verkehrsberuhigung in Wohngebieten zuständigen Männer ihr nunmehr den politischen Gremien vorzulegendes Konzept alles andere als mit der linken Hand entwickelt.

Nach zahlreichen Verkehrszählungen hatte die Verwaltung eine Broschüre mit mehreren denkbaren Vorschlägen für Straßen im Raum zwischen Lotter- und Martinistraße, Heger-Tor-Wall und Rückertstraße an alle betroffenen Haushalte verschickt. Nach einer Ausstellung und drei Anhörungsversammlungen kam es schließlich zu dem Verwaltungskonzept, nachdedm mehr als 60 Vorschläge einzelner Bürger und Straßengemeinschaften überprüft worden waren.
Wenn - wie bei einem solchen Versuch - der Verkehr nicht verringert, sondern nur andersgeleitet wird, kann nicht für jeden einzelnen eine optimale Lösung herausspringen. Für die Gesamtheit der Bürger in dem betroffenen Gebiet verspricht das Konzept jedoch eine Verbesserung gegenüber den bisherigen Verhältnissen, wenn man von den Anliegern des Kirchenkamps absieht, die im Gesamtinteresse auf Vorteile verzichten müssen, nach Meinung der Planer aber auch nicht schlechter gestellt sein werden als bisher. Maximalforderung hätten das Konzept, das schließlich als eine Art Modell auch für andere Stadtteile dienen soll, zum Scheitern gebracht.
Nun muß die Praxis zeigen ob Einbahnstraßen mit Verengungen und Verschwenkungen die Aufhebung der Katharinenstraße als " Westzubringer" zur Innenstadt und einige Wege für die radler jene Verkehrsberuhigung bringen, die sich die Planer vorstellen und die rund 5000 dort wohnenden Bürger erhoffen. Für die noch nicht profitierenden Straßenabschnitte auf ein Nachlassen des Verkehrs zu setzen (Stichwort Energiekriese), dürfte bei der Einstellung des Deutschen zum Auto jedoch ein frommer Wunsch bleiben.
Autor:
Helmut Hertel


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