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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bahn frei für Osteingang am Hauptbahnhof
Zwischenüberschrift:
Nach Verkauf des Güterbahnhofs ist auch eine Lösung für die Brücke an der Hamburger Straße in Sicht
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Osnabrück kann ein uraltes und drängendes Problem endlich aus der Welt schaffen: Durch den Verkauf des Güterbahnhofs an die Coppenrath-Stiftung ist der Weg frei für den Bau des Terminals Ost am Hauptbahnhof und die Erneuerung der kaputten Brücke Hamburger Straße. Das Projekt ist aber eine echte Herausforderung. Ein Terminal Ost würde die Erreichbarkeit des Bahnhofs erheblich verbessern, viele Umwege ersparen und das Gelände des Güterbahnhofs an wichtiger Stelle neu erschließen. Deshalb sind Politiker und Stadtplaner seit Jahrzehnten bemüht, dem Hauptbahnhof einen zweiten Zugang auf der Ostseite zu verschaffen. Mit dem Verkauf des Güterbahnhofs an die Aloys-&- Brigitte-Coppenrath- Stiftung ist nun das letzte Hindernis beseitigt. Die Stadt kann auf alle Grundstücke zugreifen, die für einen Osteingang nötig sind.

Bis zum BGH

Um die wichtigsten 1241 Quadratmeter zum Preis von 38 820 Euro wurde jahrelang gerungen durch alle juristischen Instanzen hindurch bis zum Bundesgerichtshof (BGH). Die frühere Besitzerin des Güterbahnhofs, die 3 G Group (einst Zion GmbH), nutzte das Schlüsselgrundstück als Faustpfand in den Verhandlungen mit der Stadt über die Nutzung der alten Güterbahnhofsflächen. Vor genau zwei Jahren gab der Bundesgerichtshof schließlich der Stadt recht.

Ganz vom Tisch war das Problem trotzdem nicht. Denn die 3 G Group besaß auf der anderen Seite der Hase noch ein Grundstück, das dem Bau eines Osteinganges Grenzen setzte. Die Coppenrath-Stiftung hat auch diese Fläche gekauft, wie Manfred Hülsmann sagt. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Coppenrath-Stiftung und frühere Stadtwerke-Chef wollte unbedingt sicherstellen, dass der Bahnhof zum Hasepark und Güterbahnhof geöffnet werden kann: Wir wollten nicht, dass da noch was anbrennen kann.″

In den Planungen der Coppenrath-Stiftung sind die Hase und der östliche Zugang zum Bahnhof wichtige Komponenten. Hülsmann lässt sich noch nicht in die Karte schauen, doch so viel ist erkennbar: Der Bereich zwischen Hase und Ringlokschuppen, der zum Forschungszentrum für künstliche Intelligenz werden soll, hat das Potenzial, zu einem städtebaulichen Edelstück zu werden.

Stadtbaurat Frank Otte äußerte sich hocherfreut, dass die Coppenrath-Stiftung auch jenseits der Hase zugegriffen hat. Wir können jetzt großzügiger planen″, so Otte. Die Verwaltung werde im Laufe des nächsten halben Jahres der Politik einen Zeitplan und eine Kostenschätzung vorlegen. Die Kosten für den Neubau der Brücke im Zuge der Hamburger Straße, den Durchstich zu den Bahnsteigen und die Gestaltung des Osteinganges lassen sich derzeit nicht seriös abschätzen.

Die Planungen für den Brückenneubau sind bereits im vollen Gange. Das ist auch nötig, denn die Bahn verlangt eine dreijährige Vorlaufzeit. Die Stadt muss bei der Bahn drei Jahre im Voraus sogenannte Sperrzeiten beantragen. Das sind Zeiten, in denen der Bahnverkauf gestoppt oder umgeleitet wird, damit in Schienennähe gearbeitet werden kann. Die Stadt hat für den Brückenneubau und das Terminal Ost Sperrzeiten für 2023 und 2024 angemelden.

Der Planungsaufwand ist immens, wie Lutz Vorreyer, der Brückenexperte in der Stadtverwaltung, berichtet. Im Geiste planen wir das Projekt komplett bis zum letzten Arbeitsschritt durch.″ Konkret heißt das: Die Stadt muss der Bahn mindestens drei Monate im Voraus jedes Gewerk melden und darlegen, was an welcher Stelle gemacht werden soll und wie lange der jeweilige Arbeitsschritt dauert. Improvisation im laufenden Prozess ist ausgeschlossen, Pannen oder Pausen wegen schlechten Wetters lässt der Plan nicht zu. Hunderte von Einzelschritten seien zu takten und Hunderte von Sperrzeiten zu beantragen, sagt Vorreyer.

Die Brücke muss weg

Die Hamburger Straße ist eine Lebensader des Gewerbegebietes im Hasepark und neben der Schellenbergbrücke die wichtigste Verbindung zwischen den Stadtteilen Schinkel und Fledder. Die Brücke, die über die Schienen der Strecke Amsterdam–Berlin führt, ist vor dem Ersten Weltkrieg gebaut worden und altersschwach.

Als die Bahn in den Sechzigerjahren auf Stromantrieb umstellte, wurde die ganze Konstruktion angehoben, um Platz für die Fahrdrähte zu schaffen. 1994 übertrug der Bund die Zuständigkeit für die Brücke per Gesetz an die Stadt Osnabrück, die das Geschenk gar nicht haben wollte. Denn das Ende seiner Lebensdauer zeichnete sich schon ab. Bei einer Routineinspektion stellte sich heraus, dass die Brücke weiche Knie bekommen hatte. Die Tragfähigkeit wurde auf 7, 5 Tonnen herabgestuft, wenig später reichte es nur noch für 3, 5 Tonnen. Ende 2009 wurde die Brücke mit einem provisorischen Stützkorsett aus Stahlträgern geschient, damit wieder 7, 5-Tonner auf diesem Weg den Hasepark erreichen können. Seit 2015 rollt der Verkehr nur noch einspurig über die Brücke, eine Ampel regelt die Zufahrt.

Stadtbaurat Otte ist zuversichtlich, dass die müden Stahlträger noch bis 2023 durchhalten. Vorausgesetzt, die Lkw-Fahrer hielten sich an die Vorschriften. Neulich sei ihm auf der Brücke ein Sattelschlepper entgegengekommen, sagt Otte. Wenn das öfter vorkommt, bekommen wir ein Problem.″

Bildtexte:
Hier soll der Osteingang zum Osnabrücker Hauptbahnhof entstehen.
Eisenbahnbrücke Hamburger Straße.
Fotos:
Gert Westdörp, Jörg Martens

Kommentar
Diese Chance darf die Stadt nicht verpassen

Wenn am Ende des Jahres zurückgeblickt wird, dürfte das Engagement der Coppenrath-Stiftung beim Güterbahnhof im Ranking der wichtigsten städtebaulichen Entscheidungen des Jahres 2020 weit vorne zu finden sein. Vielleicht ist es sogar die wichtigste Weichenstellung, weil damit eine Blockade aufgelöst wird, die auch andere Entwicklungen hemmte. Siehe: Osteingang Hauptbahnhof.

Der Durchbruch ist geschafft. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Geldes, wann der Hauptbahnhof endlich den Anschluss nach Osten bekommt. Dass Bahnreisende, die durch den Schinkel den Hauptbahnhof ansteuern, in Zukunft keine lästigen Umwege mehr nehmen müssen, ist nur ein kleiner Aspekt dieses großen Projektes. Ab 2023/ 24 wird die Hamburger Straße wieder ihre Funktion als wichtige Anbindung an den Hasepark und Brücke zwischen den östlichen Stadtteilen erfüllen können. Und Ringlokschuppen und Güterbahnhof werden durch den Eingang Ost näher an die Bahn und Innenstadt heranrücken.

Es lässt sich erahnen, dass das Terminal Ost teuer wird. Und niemand weiß, welche Überraschungen noch im Unterbau lauern. Aber die Stadt darf diese historische Chance nicht ungenutzt lassen was immer es kostet.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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