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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Einigung um die Gertrudenberger Höhlen in Sicht
Zwischenüberschrift:
Rechtsstreit zwischen Osnabrück und der Bundesrepublik steht vor dem Ende
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Im Streit um die Gertrudenberger Höhlen zwischen der Stadt Osnabrück und der Bundesrepublik Deutschland könnte es auf einen Vergleich hinauslaufen. 900 000 Euro hatte die Stadt vom Bund gefordert, um Schäden an dem historischen Gangsystem zu beseitigen. Jetzt geht es um weniger als 100 000 Euro.

Mehr als drei Jahre sind zwischen dem ersten und dem zweiten Termin im Landgericht verstrichen, mittlerweile ist eine andere Kammer zuständig. Und inzwischen wurde von dieser Kammer in einem anderen Fall entschieden, dass der Bund nicht haften muss, falls ein Gebäude durch unterirdische Einstürze Schaden nehmen sollte. Geklagt hatte ein Zahnarzt, der vor sieben Jahren eine Villa mit Swimmingpool auf einem Grundstück über dem Hohlraum errichtet hatte.

Die Klage der Stadt gegen die Bundesrepublik Deutschland ging jedoch weiter als die des Mediziners. Zum einen sollte eine Entschädigung gezahlt werden, weil das Deutsche Reich, dessen Rechtsnachfolger der Bundesrepublik ist, im Zweiten Weltkrieg Schäden am Höhlensystem verursacht haben soll.

Damals diente der unterirdische Steinbruch als Luftschutzbunker für bis zu 4000 Menschen. Durch den Einbau von Toiletten, Pfeilern und Zwischenwänden sei möglicherweise die Tragfähigkeit des Systems gefährdet worden, lautete die Begründung der Kommune.

Schwermetalle und Arsen

Einen weiteren Schaden sieht die Stadt Osnabrück in der Verfüllung von Hohlräumen mit einer Betonschlämme. In den 70er-Jahren sollte damit der Baugrund für mehrere Gebäude stabilisiert werden eine aus heutiger Sicht fragwürdige Angelegenheit, weil ihre statische Notwendigkeit angezweifelt wird. Aber damit wurden Teile eines bedeutenden Kulturdenkmals unwiederbringlich zerstört. Und die Zementschlämme das haben Untersuchungen des Vereins Gertrudenberger Höhlen ergeben enthält Flugasche aus Kraftwerken mit erheblichen Konzentrationen an Arsen, Strontium und Schwermetallen.

Für den Vorsitzenden Richter der 4. Zivilkammer war aber schnell klar, dass Ansprüche aus diesen Schäden selbst bei wohlwollender Auslegung der Fristen längst verjährt sind. Die Vertreter der Stadt machten aber geltend, dass der Bund das unterirdische Gangsystem noch Jahrzehnte nach dem Krieg für den Zivilschutz bereitgehalten habe. Damit sei ein Vertrauenstatbestand gegeben, auf den sich Ansprüche stützen könnten. Der Richter drängte auf einen Vergleich, und damit begann das Feilschen.

2014 hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) noch geplant, sogar das gesamte Höhlensystem mit einer Betonschlämme zu verfüllen, um für die Zukunft jegliches Risiko bezüglich der Standfestigkeit auszuschließen. Rund 900 000 Euro wurden dafür kalkuliert. Das sei unnötig, lautete das Ergebnis eines Gutachtens, das die Stadt daraufhin in Auftrag gab. Lediglich geringfügige statische Absicherungen würden ausreichen.

Viel Geld gespart

Weil die Bima durch den Erkenntnisgewinn aus dem Gutachten fast eine Million Euro gespart habe, könne sie doch einen beträchtlichen Teil dieser Summe an die Stadt zahlen, argumentierte deren Anwalt und schlug 250 000 Euro als Wiedergutmachung vor. Das war der Bima zu viel. Allenfalls auf die 56 000 Euro für das Gutachten und einen Zuschlag für die Instandhaltung wollte sich ihre Vertreterin einlassen: Es wird ein Betrag unter 100 000 Euro sein.″

Endgültig ist die Sache aber noch nicht, weil auf beiden Seiten die zuständigen Gremien zustimmen müssen. Bis zum 23. November sollen sich die Prozessgegner nun erklären. Am 3. Dezember will der Vorsitzende Richter die Entscheidung verkünden.

Bildtext:
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gertrudenberger Höhlen als Luftschutzbunker genutzt. Um die baulichen Veränderungen jener Zeit ging es jetzt vor dem Landgericht.
Foto:
Andreas Stoltenberg
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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